Es war einmal ein Betriebssystem

Blog3. Oktober 2014, 18:52
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Ehemalige Fixsterne am Firmament der NFL drohen zu erlöschen. Zumindest vorübergehend erhellen die Lichter in Boston und Pittsburgh die Welt um sie nur mehr notdürftig

Es sei das schlechteste Spiel seiner Mannschaft gewesen, welches er je erlebt hat, sagte Robert Kraft, seines Zeichens Besitzer der New England Patriots. Damit hat der 73-Jährige keineswegs übertrieben, denn vergangene Montagnacht erlebten Tom Brady und seine großteils namenlose Offense ihr rotes Wunder in Kansas City. Die Chiefs, die heuer schon das Kunststück einer Heimniederlage gegen Tennessee zuwege brachten, waren den Gästen in allen Belangen haushoch überlegen. Defensiv fand New England nie eine Antwort auf das Laufspiel über Jamaal Charles, der seine Laufyards Saisonstatistik in dem einen Spiel beinahe vervierfachte. Offensiv gab es das mittlerweile übliche, leicht gestrige Knabbergebäck aus Bostons ältester Konditorei. Es ist nichts da in New England, womit man arbeiten könnte. Die Offensive Line ist eine der schwächeren der Liga, die Schlüsselspieler, bis auf den weiterhin angeschlagenen Rob Gronkowski, mit vielleicht der Ausnahme Julian Edelman, nicht mal erwähnenswert.

Das System Belichick mit seinem Überbringer Brady scheint langsam am Ende seiner Lauffähigkeit anzukommen. Am kommenden Sonntag gastiert Cincinnati in Foxborough. Die Bengals sind eines von bisher zwei ungeschlagenen Teams, die relativ unspektakulär und neuerdings auch skandallos, gut ausbalanciert erneut zum Grunddurchgangsriesen avancieren. Wie es in der Post Season zuletzt aussah, das weiss man in Ohio allerdings auch. Ein ausgeprägtes 1 & Done Wunder, dieses Cincinnati. Alles was heuer dort zählt, ist zumindest ein W in den Playoffs. Es wäre daher bereits eine Überraschung, wenn sich New England in der derzeitigen Form durchsetzen könnte. Dementsprechend wichtig wäre ein Sieg zu Hause, um zumindest in der eh schon schwächelnden AFC East das blaue Näschen vorne zu halten.

Tampa dankt

Die Tampa Bay Buccaneers sahen nach Niederlagen gegen Carolina und St. Louis, so wie einer Klatsche gegen Atlanta, gar nicht mehr so aus, als könnten sie heuer noch jemanden arg gefährlich werden. Schon gar nicht den Steelers und das noch dazu in Pittsburgh. Die Partie war zwar knapp, aber es sah bis zum letzten Viertel nie danach aus, als würde viel anbrennen. Am Ende brannte der Stahlhelm lichterloh.

Wer ist dieser Mike Glennon und wieso kann er im letzten Quarter sein marodierendes Team am Heinz Field noch zum Sieg führen? Zum Vergleich: In der Vorwoche stand es zu dem Zeitpunkt 0:56 aus Sicht der Bucs.

Das ist doch irritierend, steht der Stahlvorhang eben dafür und nicht für Tage der offenen Türen, mit einem 33-jährigen starken Sicherheitsmann unter dessen zwei letzten bemerkenswertesten Aktionen auch eine Haarshampoo-Werbung war. Das ist wie New England in schwarz. Ohne Defense ist Pittsburg nicht Pittsburgh. Auch hier wird man bald eine größere Baustelle eröffnen müssen, um zurück zur Philosophie zu kommen, die Erfolge gebracht hat und alles andere als ausgedient hat. Man ist in Pennsylvania nur nicht in der Lage das zu spielen. Beziehungsweise tat das in der Woche Philadelphia, allerdings ungeplanter Weise, da sie ihre Offense auf der Reise nach San Francisco am Flughafen vergaßen.

1-3: Weil wir sind so

Wir spielen wie ein 1-3-Team und genau dort stehen wir auch, erklärte ein nüchterner Saints Head Coach Sean Payton nach dem Untergang seiner Mannschaft in Arlington. In Louisiana steckte man große Erwartungen in diese Saints Mannschaft von 2014, die sie bislang im Ansatz nicht erfüllen konnte. Die Niederlage gegen Dallas kam in der Höhe überraschend, war aber unterm Strich durchaus verdient. Nach dem Verlust des Derbys gegen Atlanta und dem Aussetzer in Cleveland, finden sich die Saints in ihrer Division mit den Buccaneers auf Augenhöhe. Am Sonntag haben Drew Brees und Co Gelegenheit die Dinge wieder zurecht zu rücken. Tampa im Superdome, auch wenn sie gestärkt vom Ausflug nach Pittsburgh anreisen, sollte eine machbare Aufgabe sein. Danach wird es nämlich erst richtig ungemütlich für die Saints mit u.a. Detroit, Green Bay, San Francisco, Cincinnati und Baltimore.

Womit wir bei den positiven Erscheinungen sind.

Die Woche 2 scheint bei Detroit wirklich nur ein Ausrutscher gewesen zu sein und die bereits vorzeitig abgeschrieben Packers stehen nach zwei deutlichen Erfolgen über die Divisionsrivalen Chicago und Minnesota zumindest ca. dort, wo man sie in der NFC North vermuten hätte können.

San Francisco hat seinen ersten Heimsieg im neuen Levi's Stadion auch den Philadelphia Eagles zu verdanken, deren Offense in der Vorwoche gerade 213 Yards aufs Feld brachte, was nicht alleine der 49ers Defense geschuldet ist. Da funktionierte offensiv rein gar nichts, dafür gab es zwei Touchdowns durch die Special Teams und einen der Defense. Trotzt der Niederlage und eben wegen so eines Spiels, muss man Philly weiter als Mitfavorit im Auge behalten. Zero Offense, bei einer Mannschaft deren Hauptgewicht genau dort liegt, und trotzdem setzt es nur eine knappe Niederlage auswärts. Mit den Bildern dieser Partie wird man sich in Philadelphia intensiv, aber sicher nur kurz auseinandersetzen. Gegen die Rams, die nur wie Fallobst wirken, wird man die Offense nämlich wieder brauchen. Für San Francisco wiederum kommt mit Kansas City eine weitere Nagelprobe zu. Kann man Jamaal Charles dort halten wo LeSean McCoy am Ende war, dann winkt der erste Back to Back Win in der heurigen Saison.

Aufsteiger aus dem Süden und Südwesten

Die beiden texanischen Franchises stehen nach vier Spielwochen überraschend bei jeweils 3-1. Die Dallas Cowboys haben die Hiebe des chronisch über ihnen schwebenden Damoklesschwerts der Lächerlichkeit glänzend pariert. Tony Romo, Dez Bryant und vor allem DeMarco Murray bringen aufs Feld was eh schon immer in ihnen steckt und auf einmal schaut das richtig gut aus. Die beste Rusihng Offense und die zumindest nicht mehr übelste Defense der Liga, sind in Kombination über dem Durchschnitt. Überhaupt rührt sich in der AFC East einiges, denn auch die New York Giants meldeten sich nach einem ganz schwachen Saisonstart mit zwei Siegen in Folge zurück.

Einer davon war über Houston, die allerdings ihre sonstigen Spiele gewinnen konnten. Da gibt es aber noch ein aber: Es war Oakland (das nach dem London Ausflug ihren Head Coach feuerte), Buffalo (das nun Kyle "Ich bin schon wieder da" Orton statt E.J. Manuel starten lässt) und Washington (das seit zwei Jahren auf die Genesung ihres Franchise Quarterbacks wartet), die sich den Texans geschlagen geben mussten. Nun kommt es am Sonntag zu einem direkten Duell und ob die Hipster-Rasputin-Nummer eines Ryan Fitzpatrick (5TDs-5INTs) ausreicht, zusammen mit einem Defensive End, der mehr Touchdowns als der Starting Runningack und designierte Nummer 1 Receiver zusammen aufweist, das bleibt abzuwarten. Dallas spielt aktuell mindestens einen Stock über dem Trio, welches von Houston geschlagen wurde.

Bleibt noch eine honorable mention: Das schöne San Diego. Wetter gut, Spiel gut, Ergebnisse gut. Zwei Pünktchen mehr gegen Arizona und sie wären sogar ungeschlagen. Es waren in den letzten Saisonen häufig die selben Teams, die in der Regular Season früh aufzeigten, denen am Ende dann aber die Luft ausging. Dazu gehören neben den Chargers noch die Bengals, die Cardinals und die Texans. Meine Hoffnung, dass diese "sympathischen", weil irgendwie doch mit einem Loser-Image behafteten Teams, es mal in die Super Bowl schaffen, die ist Jahr für Jahr so froh wie flüchtig. Ich hoffe daher weiter, dass am 1. Februar die Bengals an diesem Sonntag gegen ein Team einlaufen, welches in dem Stadion auch zu Hause ist.

NFL Woche 5 im TV

Alle Spiele wie immer im Gamepass. Sport 1 US zeigt am Sonntag um 19:00 Uhr Carolina Panthers gegen Chicago Bears. Ab 22:05 Uhr treten dort die ungeschlagenen Arizona Cardinals bei den Denver Broncos an. Puls 4 steigt um 22:40 Uhr beim Spiel San Diego Chargers gegen New York Jets ein. Michael Eschlböck und ich werden die Partie u.a. auch im im Livestream kommentieren.

Das Sunday Night Matchup (Montag 2:30 Uhr) New England gegen Cincinnati ist ein Richtungsweiser vor allem für die Patriots. Die Woche wird Dienstagnacht (2:30 Uhr) mit einem Besuch der Seahawks in der Hauptstadt abgeschlossen.

Bis Sonntagnacht,

Ihr Walter Reiterer

Alle Spiele im Live-Forum der NFL

  • Gibt es noch ein Update für das System Brady 15.4?
    foto: joe faraoni/espn media

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