Vokale Landesverteidigung

3. Oktober 2014, 17:43
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Die Autorität all der Geschütze und Blaskapellen, die nun in Pension geschickt werden, ist keinesfalls verloren

Die sparbedingt schrumpfende Omnipotenz unseres Heeres hat nun doch ein sicheres Rückzugsgebiet gefunden - die Stimme von Verteidigungsminister Gerald Klug. Nur wenige Sätze (Ö1-Mittagsjournal, ZiB 13) nährten Gewissheit: Die Autorität all der Geschütze und Blaskapellen, die nun in Pension geschickt werden, ist keinesfalls verloren. Sie wird nur taktisch schlau im ministeriellen Tonfall zwischengelagert.

Gleichen die Einsparungen, die Klug verkünden musste, nicht unbedingt einem pyramidalen Triumph, vermittelte dessen Stimme im Gegenzug die kantige Entschlossenheit, keinen Euro zurückzuweichen. Worte wie "Handlungsfähigkeit" oder "Einsatzbereitschaft" flogen mit solch kerniger Kraft über die Rampe, dass manch Medienzeuge womöglich reflexartig eine stramme Haltung einnahm. Es versteht sich, dass diese vokale Diktion nicht nur per Grenzlautsprecher als Abschreckung gut einsetbar wäre. Klug, als unbeugsamer Hermes übler Nachrichten, empfiehlt sich auch für zahllose andere Krisenherde des Landes.

Nicht nur die Verlautbarung von Sparnachrichten (jedwedes Ministerium betreffend) wäre an Klug zu delegieren. Auch die - angesichts des Klimawandels immer grässlicher geratenden - ORF-Wetterberichte lösten, so sie Klug rapportierte, nur Respekt aus. Und hätte das Heer nicht das Pech, ausschließlich von befreundeten Staaten umzingelt zu sein, böte sich im militärisch-pädagogischen Bereich sogar das Schulfach "Klug-Sprech" an.

Männer und Frauen des Heeres würden in der Diktion des Ministers unterwiesen, auf dass die stimmliche Landesverteidigung zur machtvollen, kollektiven und nicht sehr kostspieligen Waffe geriete. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 4./5.10.2014)

Link zur ORF TVThek

Die "ZiB 13" zum Nachsehen

  • Verteidigungsminister Gerald Klug.
    foto: screenshot/orftvthek

    Verteidigungsminister Gerald Klug.

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