Die Angst vor Ebola geht in Dallas um 

3. Oktober 2014, 17:41
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Behörden versuchen zu beruhigen - Ein Fünftel der Schüler bleibt zu Hause

Das Texas Health Presbyterian Hospital steckt in akuter Erklärungsnot. Als Thomas Eric D. am 25. September, fünf Tage nach seinem Flug aus Monrovia, in der Klinik untersucht wurde, schickte man ihn nach ein paar Stunden wieder nach Hause. Vier Tage später begann sich der 42-Jährige zu erbrechen, Symptome ließen nun auf Ebola schließen. Seitdem liegt er auf der Intensivstation, während in Dallas die Angst umgeht.

Vor dem Apartment, in dem D. wohnte, im Fair Oaks Drive, halten Polizisten rund um die Uhr Wache. Die Freundin des Mannes, eine Altenpflegerin namens Louise T., steht mit ihrem 13-jährigen Sohn und zwei Neffen unter Quarantäne. Drei Wochen lang, bis klar ist, ob sie sich angesteckt haben oder nicht, dürfen die vier die Wohnung nicht verlassen. Zweimal täglich messen Mediziner ihre Körpertemperatur.

Reinigungsfirma lange gesucht

Mitarbeiter einer Reinigungsfirma rückten an, um Bettwäsche, Handtücher, Matratzen zu entsorgen - alles, was mit dem Ebola-Virus infiziert sein könnte. Nach einem Bericht der Dallas Morning News hatten die Behörden Mühe, jemanden für den Auftrag zu finden. Mehrere Tage soll die Suche gedauert haben. Doch als die "cleaning guys" am Donnerstagabend endlich ans Werk gehen wollten, stellten sie fest, dass ihnen eine amtliche Genehmigung fehlte: die Erlaubnis, kontaminierten Abfall auf texanischen Highways transportieren zu dürfen.

"Wir warten nur noch auf den Schein, dann geht es los", bat Brad Smith, der Besitzer, um ein wenig Geduld. Noch so eine Episode, die manchen zweifeln lässt an der Effizienz der Seuchenbekämpfer.

Schüler bleiben zu Hause

An den Schulen der Umgebung, im Nordosten der texanischen Millionenstadt, bleibt rund ein Fünftel der Schüler zu Hause, seit der Ebola-Fall die Nerven blank liegen lässt. "Die Leute sind skeptisch, ob die Behörden die Lage im Griff haben", beobachtet Wilfred Smallwood, ein Halbbruder D.s, während der Bürgermeister von Dallas mit stoischer Miene zur Sachlichkeit mahnt. Die Ansteckungsgefahr sei gering, betont Mike Rawlings, zumal das Virus nicht durch die Luft schwirre, sondern ausschließlich durch Körperflüssigkeiten übertragen werde. "Ich glaube, die Leute fangen an, das zu verstehen."

Die beruhigenden Worte ändern vorläufig aber nichts an der Aufregung, die täglich wächst, an der Furcht, die Tropenseuche könnte auf andere amerikanische Großstädte übergreifen - New York, Houston oder Washington. Noch ist unklar, mit wie vielen Menschen D. in Kontakt kam, seit er vor zwei Wochen am Fair Oaks Drive eintraf. Schätzungen reichen bis zu 100. (Frank Herrmann, DER STANDARD, 3.10.2014)

  • Im Appartement von Thomas Eric D. stehen vier  Familienmitglieder drei  Wochen unter Quarantäne.
    foto: reuters/mike stone

    Im Appartement von Thomas Eric D. stehen vier Familienmitglieder drei Wochen unter Quarantäne.

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