Auch die Geduld ziert Michael Grabner 

3. Oktober 2014, 17:14
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Er war der Torschützenkönig des olympischen Eishockeyturniers. Er hat an Gewicht zugelegt, ohne an Tempo zu verlieren. Nun aber droht Michael Grabner wegen einer Blessur den NHL-Auftakt zu verpassen

New York / Wien - Vor drei, vier Tagen ist Michael Grabner noch am Strand gewesen. Das Meer liegt einem, der auf Long Island, New York, zu Hause ist, im doppelten Wortsinn nahe - und hilft, die Zeit bis zur Rückkehr aufs Eis zu überbrücken. Grabner, Stürmer der New York Islanders, laboriert an einer Leistenverletzung, bei einem Arztbesuch am Dienstag soll sich entscheiden, wie lange er pausieren muss. Den Auftakt in der National Hockey League (NHL), die generell am Mittwoch und für die Islanders am Freitag anhebt, droht der Villacher zu verpassen. Etwas besser sieht es für die anderen NHL-Österreicher aus, Thomas Vanek (Minnesota Wild) und Michael Raffl (Philadelphia Flyers) haben zuletzt auch in Testspielen gescort.

In New York hat der Herbst Einzug gehalten, der Strand verliert seine Anziehungskraft. Grabner, der am Sonntag seinen 27. Geburtstag feiert, will "möglichst bald zurück aufs Eis". Einen guten Teil des Sommers hat er mit seiner Frau Heather und dem dreijährigen Sohn Aidan in Kärnten verbracht, vor einigen Wochen kehrten sie in die Staaten zurück. Die Unterbringung ist eher klassisch, schöne Wohnung, schöne Reihenhaussiedlung, einige Klubkollegen wohnen in unmittelbarer Nähe. Zum Strand sind es zehn Minuten mit dem Auto, nach Manhattan sind es 35 Minuten mit dem Zug. "Mit dem Auto kann es auch zwei Stunden lang dauern", sagt Grabner. Allerdings sei er "nicht oft in der Stadt. Ich bin kein Stadtmensch, mir ist Wien schon zu groß."

Einkaufen und twittern

In New York geht es für Grabner vor allem um den Sport. "Hier lebe ich von früh bis spät fürs Eishockey. Der Verein erwartet, dass ich immer und überall als korrekter Profi auftrete, auch beim Einkaufen im Supermarkt oder wenn wir kranke Kinder besuchen." Grabner ist auf Twitter sehr aktiv, gut 91.000 folgen ihm, natürlich erwarten die Islanders auch hier ein gewisses Verantwortungsbewusstsein.

In der Sommerpause waren der Kärntner und seine Kollegen angehalten, sich individuell zu verstärken. Jeder Crack sollte an Gewicht zulegen, so lautete der Auftrag der Trainer. Die Islanders galten stets als eine der flottesten, aber auch leichtesten Truppen der Liga, am Ende einer Saison fehlte ihnen aber manchmal das Stehvermögen. Das soll sich nun ändern. Grabner brachte im April nur 82 Kilogramm auf die Waage, jetzt sind es mehr als 90. "Aber meine Geschwindigkeit konnte ich halten, das haben diverse Tests gezeigt." Gemessen wird er, weil Stürmer, freilich an Toren. In 283 NHL-Partien seit 2009 ist er auf exakt 87 (und 55 Assists) gekommen, da gibt es Luft nach oben. "Natürlich will ich öfter, will ich regelmäßig treffen", sagt Grabner, dem 2013/14 mehr als dreißig Partien lang kein Tor gelungen war. Es war die Phase vor den Olympischen Spielen.

Nach den Olympischen Spielen war Michael Grabner ein Torschützenkönig, er hatte in Sotschi dreimal beim 4:8 gegen Finnland und zweimal beim 3:1 gegen Norwegen getroffen. "Das ist auch in New York aufgefallen, darauf werde ich oft angesprochen", sagt er. Der Abschied aus Sotschi war weniger ruhmreich, eine Zechtour und die Niederlage im Achtelfinale gegen Slowenien hätte man sich sparen können, daran erinnert sich und dazu äußert sich Grabner weniger gerne. "Da wurde viel aufgebauscht, das ist abgehakt."

Wagen und gewinnen

Mit 16 Jahren hatte Grabner den Wechsel in eine kanadische Nachwuchsliga gewagt, 2006 wurde er von den Vancouver Canucks gedraftet. Er spielte für ihr Farmteam, dann NHL, landete 2010 bei den Florida Panthers, die er im Trainingslager nicht überzeugte, da sah es schon nach dem Ende seiner NHL-Laufbahn aus, im letzten Moment verpflichteten ihn die Islanders, dort ging sein Stern auf, und 2011 unterschrieb er einen Fünfjahresvertrag über 15 Millionen Dollar, nicht jährlich, sondern insgesamt.

Sein Comeback, sagt Grabner, sei eine Frage der Zeit. Wenn er träumt, so träumt er vom Gewinn des Stanley Cup. "Der ist, neben Olympiagold, das Größte im Eishockey." Seine Erfahrungen und seine Gage mögen ihm Gelassenheit geben, wie der eintätowierte Napoleon-Spruch, der neben oder unter den Fußabdrücken des Sohnes die Grabner-Brust ziert. "He who fears being conquered is sure of defeat." (Fritz Neumann, DER STANDARD, 04./05.10.2014)

  • Mit 18 hat Michael Grabner damit begonnen, sich tätowieren zu lassen. Seine Vorderseite zieren u. a. Fußabdrücke des Sohnes und ein Spruch von Napoleon.
    foto: apa/fohringer

    Mit 18 hat Michael Grabner damit begonnen, sich tätowieren zu lassen. Seine Vorderseite zieren u. a. Fußabdrücke des Sohnes und ein Spruch von Napoleon.

  • Der Steirer Thomas Vanek geht für Minnesota Wild auf Torjagd.
    foto: ap/tsong-taatarii

    Der Steirer Thomas Vanek geht für Minnesota Wild auf Torjagd.

  • Michael Raffl aus Kärnten will für die Philadelphia Flyers jubeln.
    foto: ap/mihalek

    Michael Raffl aus Kärnten will für die Philadelphia Flyers jubeln.

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