Gebirgsseen wegen Goldminenprojekt in Peru in Gefahr

4. Oktober 2014, 10:00
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Nach Regionalwahlen am Sonntag in Peru könnte ein Mega-Bergbauprojekt realisiert werden, gegen das indigene Bewohner - bisher teils erfolgreich - kämpfen. Sie fürchten um Wasser der Gebirgsseen, das dann abgeleitet würde.

Cajamarca - Wenn die Peruaner am Sonntag zur Wahl mehrerer Regional- und Bezirksvertreter gehen, entscheiden sie auch über das Schicksal eines Mega-Bergbauvorhabens - mit weitreichenden Folgen. Das Conga-Projekt, eine Gold-, Silber- und Kupfermine, soll im Hochland der Region Camajarca im Norden des Landes auf dem Gebiet Territorien indigener Einwohner errichtet werden. Nach offizieller Schätzung erstreckt sich das Projekt über 2000 Hektar, Experten sprechen von mehr als 7000 Hektar. Die Genehmigung der Zentralregierung liegt vor, der Aufbau der Infrastruktur für das Tagbau-Projekt wurde aber durch breiten Widerstand teilweise behindert.

Kern des Konflikts ist die Sorge der indigenen Nachkommen der Caxamarca und der Coremarca um Wasser und Land. Für den Anbau von Bio-Erdäpfeln, Quinoa und Amaranth und die Viehzucht benötigen sie in dem Gebiet weiterhin Weideflächen und das Wasser der Gebirgsseen. Neben zivilem Widerstand kam zuletzt auch von der Regionalregierung Unterstützung für die Forderung: "Wasser ja, Gold nein!" Je nach Wahlausgang könnte diese Rückendeckung demnächst aber fallen.

Ableiten des Wassers geplant

Die Infrastruktur des Conga-Projekts ist für die tägliche Verarbeitung von 92.000 Tonnen Material aus Tagbau ausgelegt. Binnen 19 Jahren sollen 1,4 Milliarden Kilogramm Kupfer und mehr als 320.000 Kilogramm Gold abgebaut werden - gänzlich für den Export bestimmt. Durch das Ableiten des Wassers zweier Seen sollen zwei tiefe elliptische Gräben entstehen.

Die peruanische Zentralregierung hat sich aber bereits auf die Seite des Minenbetreibers Yanacocha gestellt und die umstrittene Umweltverträglichkeitsstudie angenommen. Die Firma argumentiert darin, dass das Wasser, das für die Abbauaktivitäten gebraucht wird, ohnehin mit Fäkalien verseucht und als Trinkwasser ungeeignet sei. Die Senken weiterer Seen sollen als Deponien für Gestein und Bergbaurückstände umfunktioniert werden. Ein Verseuchen von Wasser, Boden und Luft wird befürchtet. Das bedeutet für die Einwohner der Region, insbesondere für die indigenen Völker, nicht nur Landraub, weil die Firma deren Territorien ohne Zustimmung besetzt hat, sondern auch die Vernichtung ihrer wichtigsten natürlichen Ressourcen.

"Das Wasser hält uns am Leben"

"Unsere Mutter Erde gibt uns das Leben, und das Wasser hält uns am Leben", sagt der Sekretär der "Verteidigungsfront Bambamarca", Jabier Ortiz. "Unsere Seen sind Lebensquelle, sie sind heilig. Wir werden sie mit unserem Leben verteidigen."

María Llamoctanta, Präsidentin eines lokalen Frauenkomitees, traut den Minenbetreibern nicht. Sie verweist auf bereits verseuchte Wasserläufe und einen Zwischenfall mit Quecksilber, bei dem im Jahr 2000 mehr als 1000 Menschen vergiftet wurden: "Sie wollen uns reinlegen und behaupten, dass ihre geplanten Reservoire besser sind als unsere Seen. Aber wir wissen, dass das Wasser in unseren Dörfern aus den oben gelegenen Seen kommt." Ihr Fazit steht in der Stadt Cajamarca auf Geschäften, Kirchen und Felsen: "¡Conga no va!" ("Conga geht nicht!"). (Gloria Huamán Rodríguez, DER STANDARD, 4.10.2014)

  • Seit Jahren demonstrieren die Indigenen gegen den Bau der Mega-Mine Conga auf ihren Territorien. "Wasser ja, Gold nein!" ist ihr Motto. Am Sonntag dürfte sich die Zukunft des Projekts entscheiden.
    foto: ap/martin mejia

    Seit Jahren demonstrieren die Indigenen gegen den Bau der Mega-Mine Conga auf ihren Territorien. "Wasser ja, Gold nein!" ist ihr Motto. Am Sonntag dürfte sich die Zukunft des Projekts entscheiden.

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