E-Control fordert raschen Anbieterwechsel 

3. Oktober 2014, 17:16
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Drei Wochen sei immer noch zu lang, um den Strom- oder Gasanbieter zu wechseln, meint die Regulierungsbehörde E-Control.

Wien - Erstmals seit der Liberalisierung der Energiemärkte um die Jahrtausendwende konstatiert die Regulierungsbehörde E-Control spürbar mehr Wettbewerb auf Österreichs Strom- und Gasmarkt. Mehr Anbieter, mehr Produkte und eine insgesamt größere Tarifvielfalt seien untrügliche Zeichen, dass man sich auf dem richtigen Weg befinde, sagte E-Control-Chef Walter Boltz bei der Präsentation des jüngsten Wettbewerbsberichts am Freitag.

Auch die Wechselbereitschaft, das Um und Auf für einen funktionierenden Wettbewerb, sei deutlich gestiegen. Allein im 1. Halbjahr 2014 haben 204.500 Strom- und Gaskunden ihren Lieferanten gewechselt - so viele wie noch nie. Dazu beigetragen habe ohne Zweifel die vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) im Frühjahr initiierte Auktion. "Viele haben gesehen, dass ein Wechsel ohne Probleme möglich ist und einfach vonstattengeht", sagte Boltz. Er geht davon aus, dass der VKI, wie angekündigt, die Auktion 2015 wiederholt.

Zarte Anflüge von Wettbewerb

War ein Wechsel früher durchwegs mit längeren Wartezeiten verbunden, sind es jetzt maximal drei Wochen, die der Wechsel von einem Anbieter zum anderen dauern darf. Für Boltz ist das noch immer zu lang. Mittelfristig soll der Anbieterwechsel innert 48 Stunden möglich sein. Zudem arbeiteten die Regulierungsbehörden europaweit daran, dass auch Haushaltskunden grenzüberschreitend Strom- und Gasangebote nützen können. "Das ist auch bei anderen Produkten der Fall", sagte Boltz. "Warum soll das bei Energie nicht möglich sein?"

Trotz erster, zarter Anflüge von Wettbewerb sei Österreich bei Strom für Haushaltskunden im Europavergleich nach wie vor im oberen Preisdrittel angesiedelt. Inklusive aller Steuern und Abgaben sei Österreich im zweiten Halbjahr 2013 (letzte verfügbare Vergleichszahlen) auf dem zehnten Platz verharrt. Während Strom etwa in Deutschland (2. Platz) und Italien (5. Platz) teurer als in Österreich ist, ist er in den Nachbarländern Slowenien (16. Platz) und Tschechien (20. Platz) billiger.

Teurer als in Deutschland

Bei Gas sei die Situation ähnlich. Mit den achtteuersten Haushaltsgaspreisen lag Österreich im 2. Halbjahr 2013 auch hier im oberen Mittelfeld und war damit teurer als Deutschland (12. Platz) und Tschechien (Platz 16). Die Preise für die Industrie befinden sich hierzulande hingegen sowohl bei Strom als auch bei Gas unter dem EU-Durchschnitt.

Ein Dorn im Auge ist Boltz vor allem auch die nach wie vor hohe Marktkonzentration in Österreich. Der kumulierte Marktanteil der drei größten Lieferanten für Haushaltskunden und Gewerbe sei mit 57 Prozent im Vergleich zum Jahr davor nahezu unverändert geblieben. Bei Gas reduzierte sich der Marktanteil der drei größten heimischen Lieferanten für Haushalte und Gewerbe aufgrund der gestiegenen Wechselzahlen im Vorjahr von 69 auf 65 Prozent. Zielwert sollten laut Boltz sowohl bei Strom als auch bei Gas 40 Prozent Marktanteil für die größten drei sein. (stro)

Früher war es mühsam, den Gas- oder Stromlieferanten zu wechseln. In Zukunft sollen zwischen dem Abmelden beim alten und der Belieferung durch den neuen Lieferanten nur noch 48 Stunden liegen. (DER STANDARD, 4.10.2014)

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