Stromtanken in Wien als Herausforderung

Userartikel14. Oktober 2014, 12:09
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Ein Elektroauto in der Stadt zu bewegen ist in Wien noch keine leichte Aufgabe. Johannes Liebermann hat es mit dem i3 probiert

Nach spätestens 120 Kilometern ist es so weit, der i3 will betankt werden. Doch wer keine Garage mit Steckdose hat und kein Ladekabel quer über den Gehsteig oder aus dem Fenster hängen möchte oder kann, ist auf die öffentlichen Stromtankstellen angewiesen. Öffentliche und kostenlose Park- und Lademöglichkeiten, wie man sie in Niederösterreich auf vielen Hauptplätzen findet, sucht man in Wien jedoch vergebens. Die Stadt Wien ist nach wie vor sehr zögerlich bei der Errichtung von Ladesäulen auf öffentlichen Plätzen. Die SMATRICS-Ladesäulen befinden sich zum Großteil leider am Rande der Stadt, und die Wien-Energie-Tank-E-Säulen stehen in hochpreisigen Garagen. Gegenüber den herkömmlichen Tankstellen wird Stromtanken in der Bundeshauptstadt zum Dilemma.

Ladedauer

Als ich meinen Bruder ca. 70 Kilometer südlich von Wien besucht habe, freute ich mich auf die erste Schnellladung, da er über einen Starkstromanschluss verfügt. Weit gefehlt, denn man benötigt als BMW-Lenker noch eine eigene, proprietäre Ladesäule (Preise in Deutschland dafür: Säule 895 Euro, Installationscheck 169 Euro, die Montage 599 Euro). Dies und die fahrzeugseitige Schnelllademöglichkeit um 1.590 Euro muss man kaufen, wenn man nicht die rund zehn Stunden zum Volltanken Zeit hat.

Sehr erfreulich hingegen war mein Besuch bei BMW Heiligenstadt, wo ich meinen Akku von null auf 80 Prozent mit Gleichstrom innerhalb einer halben Stunde vollpumpen konnte.

Stromverbrauch in Zahlen

Der Bordcomputer sowie die i-Remote App verraten mir, dass meine Fahrten im Durchschnitt 18,9 kWh pro 100 Kilometer verbrauchen. Dies bedeutet, dass mich eine Fahrt als Wien-Energie-Kunde (9,3778 Cent/kWh) 1,77 Euro exkl. Grundgebühr kostet. Das kann sich sehen lassen!

Fazit

Über die Kosten der jeweils eigenen Mobilität, Anschaffung, Akkulebensdauer (BMW gibt acht Jahre bzw. 100.000 Kilometer Garantie), Wertminderung etc. sollte jeder selbst urteilen und entscheiden. Leider gibt es in Österreich kaum Anreize wie etwa in Skandinavien, wo man die Busspur mit seinem E-Fahrzeug nutzen oder kostenlos laden kann. In Graz kann man zumindest kostenlos parken. Für mich jedoch wäre der größte Anreiz für ein E-Fahrzeug, dass man momentan noch NoVA-befreit ist und keine motorbezogene Steuer zahlen muss. Dies zahlt sich beim Tesla S mit seinen 421 PS definitiv aus. Die Frage ist nur, wie lange diese Assets noch bestehen bleiben werden.

Einen Wunsch möchte ich an BMW noch bezüglich des Navigationssystems richten: Es werden dem Fahrer eine Menge Ladesäulensymbole auf der Karte eingeblendet. Diese suggerieren leider eine falsche Sicherheit, denn es gibt zu diesen Symbolen keine Zusatzinformation, wie Stecker, Pricing, Authentifizierung, Steckertyp, Belegungszustand, Kontakt-Telefonnummer und das Wichtigste: die Öffnungszeiten! Verschiedene angezeigte Säulen sind auch leider nicht mehr aktuell, da sie bereits entfernt wurden oder aber dem Vandalismus zum Opfer gefallen sind. (Johannes Liebermann, derStandard.at, 14.10.2014)

Hinweis: Die Autos wurden von den jeweiligen Herstellern für den Testzeitraum zur Verfügung gestellt, der Kooperationspartner Smatrics bietet den Strom für die Elektrofahrzeuge an. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Users wieder.

  • Bei Veranstaltungen finden sich Ladestationen im öffentlichen Raum. Sonst sieht es momentan in Wien eher mager aus.
    foto: johannes liebermann

    Bei Veranstaltungen finden sich Ladestationen im öffentlichen Raum. Sonst sieht es momentan in Wien eher mager aus.

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