Meisterliche Wandlung vom Handwerker zum Bildhauer

3. Oktober 2014, 17:36
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Anton Hanak attestierte seinem Schüler Franz Hagenauer eine "außergewöhnliche Gestaltungsgabe"

Die verstümmelten Versionen ehemals prachtvoller Statuen der Antike, denen im Laufe der Zeit teils Kopf und Gliedmaßen abhandengekommen waren, inspirierten nicht nur Künstler der Renaissance, sondern ebenso nachfolgende Generationen. Auguste Rodin erhob den Torso schließlich zu einer eigenen Gattung der plastischen Kunst. Auch Franz Hagenauer, jüngster Sohn des Werkstattgründers Carl Hagenauer, beschäftige sich mit der Fragmentierung des Körpers. 1921 hatte er seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule (Hochschule für angewandte Kunst) begonnen.

Anders als sein älterer Bruder Karl, der Architektur studiert hatte, strebte er den Beruf des Bildhauers an. Von 1922 bis 1924 war er Absolvent in der Fachklasse für Bildhauerei bei Anton Hanak, der ihm in seinem Abgangszeugnis (1925) eine "außergewöhnliche Gestaltungsgabe auf dem Gebiet der Metallplastik (Blechtreibarbeit) sowie eine gesunde Veranlagung zur Weiterentwicklung auf handwerklicher Basis" attestierte. In den folgenden Jahren sollte sich sein Tätigkeitsschwerpunkt allerdings eher an jenem Sortiment der Werkstätte Hagenauer orientieren, das weit über die Grenzen Österreichs hinaus Anerkennung fand: dem bis heute gefragten kunstgewerblichen Zierrat.

Seriell hergestellte Designs blieben bis zum Ende der Werkstätte 1987 die wichtigste Einnahmequelle. Die Menge der Einzelstücke hingegen, also getriebene Köpfe, Figurengruppen oder Skulpturen, die teils von Franz Hagenauer, teils nach seinen Entwürfen von Mitarbeitern gefertigt wurden, war, über die Jahrzehnte gesehen, überschaubar geblieben.

Auf dem Kunstmarkt werden die hauptsächlich in den 1970er-/ 1980er-Jahren ausgeführten Köpfe paarweise zu Werten von durchschnittlich 25.000 Euro gehandelt. Große Skulpturen und Torsi rangierten teils unterbewertet im Bereich um die 30.000 Euro.

Im Angebot der kommende Woche bei "im Kinsky" anberaum- ten "Nachlassauktion Hagenauer" (9. 10.) finden sich sowohl Skulpturen als auch eine repräsentative Auswahl des klassischen Werkstattprogramms. Und dazu gehört auch ein auf 1933 datierter Torso, der zuletzt 1971 im Zuge einer Ausstellung im Mak zu sehen war. Hagenauers Kollege Fritz Wotruba, der sich in seinem OEuvre immer wieder mit Torsi beschäftigte, hatte die aus Kupferblech getriebene und gehämmerte Skulptur damals mit dem Prädikat "Meisterwerk" versehen. Fern der Öffentlichkeit blieb sie in Familienbesitz erhalten und soll nun zwischen 40.000 und 80.000 Euro einspielen. (kron, Album, DER STANDARD, 4./5.10.2014)

  • Franz Hagenauer: 1933 aus Kupferblech getriebener männlicher Torso.
    foto: im kinsky

    Franz Hagenauer: 1933 aus Kupferblech getriebener männlicher Torso.

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