Österreich braucht eine Eierreform

Kolumne3. Oktober 2014, 17:02
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Die nächste Reform, die in die Hose geht

Alle reden von einer Steuerreform, kaum jemand von einer Eierreform. Das ist bedauerlich, auch wenn man dafür Verständnis haben mag: Lassen sich doch die meisten Österreicherinnen und Österreicher vom aparten Erscheinungsbild des Eies darüber hinwegtäuschen, dass gerade beim Ei exorbitanter Verbesserungsbedarf bestünde.

Die Argumente liegen auf der Hand. Erstens entpuppen sich Eier unter ihrer Schale als Cholesterin-Säue. Mit zwei, drei Dottern täglich jazzen Sie Ihre Blutfette in stratosphärische Höhen hoch (hämisches Lachen des Herzkasperls). Gefürchtet ist die Besudelungskraft dieses perversen Objekts. Es gibt nichts Ekeligeres, als bei einer Demo von einem Ei getroffen zu werden und eine fette Ration Schlatz an sich herunterrinnen zu fühlen.

Eier sind schamlos: Ohne dass sie jemand darum gebeten hätten, drängen sie sich als vulgäre Hoden-Metaphern auf. Auch mit ihrer angeblich perfekten Form ist es nicht weit her. Wären Eier, wie in der einschlägigen Donald-Duck-Geschichte von Carl Barks, nicht oval, sondern viereckig, so ließen sie sich stapeln und verzehren, ohne dass man zu unpraktischen Behältnissen wie Eierkartons oder Eierbechern Zuflucht nehmen müsste.

Last, but not least ist das Ei in seiner Degenerationsform abscheulich. Ein verfaultes Ei fäult so pestilenzartig, dass selbst - und das will etwas heißen! - ein gekochter Karfiol nicht dagegen anstinken kann. Es wäre also hoch an der Zeit, diese kleinen Miststücke einer Reform an Haupt und Gliedern zu unterziehen (dass Eier weder Häupter noch Glieder haben, tut nichts zur Sache - die geschätzten Leser wissen, was gemeint ist).

Was aber macht die Politik angesichts der grassierenden Eierprovokation? Wie üblich nichts oder zu wenig. Die ÖVP gibt sich starrsinnig und rückt kein Jota von ihrer eierfreundlichen Attitüde ab; die SPÖ, nicht minder borniert, zementiert sich in einer eierkritischen Haltung ein.

Das Resultat: eine Reform, die in großkoalitionärem Eierhickhack versackt. Dazu kommen erwartbare Forderungen der Opposition: Die Grünen wollen mehr Öko-Eier, die Neos eine radikale Eierliberalisierung, die FPÖ will alle ausländischen Eier in die Pfanne hauen. Nach der Verwaltungs-, Bildungs- und Steuerreform geht jetzt also auch die Eierreform in die Hose. Über wachsende Politikverdrossenheit muss sich da niemand wundern. (Christoph Winder, DER STANDARD, 4.10.2014)

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