Der Absturz eines "Fußballgottes"

3. Oktober 2014, 17:27
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Harte Strafen wegen Manipulationen von Fußballspielen der Bundesliga: Der ehemalige Nationalspieler Kuljic wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, acht weitere Angeklagte erhielten ebenfalls Haftstrafen. Kronzeuge Taboga kam glimpflich davon.

Graz - Und am Ende galt das Wort Bertolt Brechts: "... die im Dunkeln sieht man nicht." Jene Hintermänner, die in Albanien, Asien oder sonst wo sitzen und bei diesen illegalen sportlichen Machenschaften saftig verdient haben, bleiben weiter unerkannt im Verborgenen. Und so saßen nur die zehn österreichischen Akteure - ehemalige Profifußballer und einige ihrer Mitläufer - auf der Anklagebank im Grazer Straflandesgericht. Sie hatten die Manipulationen von insgesamt 18 Fußballspielen der heimischen Bundesliga - die über internationale Wettkanäle liefen - zu verantworten. Die Anklage warf ihnen nicht nur Betrug, sondern auch gegenseitige Erpressung und Nötigung vor.

Im Fokus standen der ehemalige Nationalspieler Sanel Kuljic und der Bundesligakicker Dominique Taboga. Kuljic, ein robuster Bursche, sitzt seit einem Jahr in U-Haft. Er erschien am Urteilstag gestylt im dunklen Anzug und mit geölter, bis weit in den Nacken reichender Fußballermatt' n. Taboga stellte sich wie all die anderen Verhandlungstage als Musterschüler vor, geschnäuzt und gekampelt, mit sensibler, fast zerbrechlicher Statur. Fast nicht vorstellbar, dass er einmal auf dem Spielfeld eine rote Karte wegen schweren Fouls ausgefasst hatte.

Die Not mit den Zeugen

Richterin Elisabeth Juschitz und der Schöffensenat hielten Kuljic für die zentrale Figur in diesem Spiel um Wetten, Betrug und Manipulationen. Sie verurteilten ihn zu fünf Jahren Haft. Taboga, der den ganzen Schwindel durch ein umfassendes Geständnis hatte auffliegen lassen, kam mit drei Jahren weg, zwei Jahre davon bedingt. Zwei Angeklagte wurden frei gesprochen, die übrigen mussten ebenfalls Haftstrafen in Empfang nehmen. Taboga und die Freigesprochenen nahmen das Urteil an, der Rest bat um Bedenkzeit. Das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig.

Richterin Juschitz war sich bewusst, dass sie es hier mit einer besonderen Klientel zu tun hatte: "Es haben nicht alle die volle Wahrheit gesagt, wir mussten uns durch die verschiedenen Aussagen durchschlängeln." Jeder hatte jeden belastet, erst über "hard facts" wie Überwachungen oder Reisepasseintragungen und über glaubwürdige Geständnisse konnte das Gericht die Manipulationen rekonstruieren. Denn auch die Zeugenaussagen brachten bisweilen wenig. Sie habe einigen Freunden der Angeklagten "kein Wort" geglaubt, sagte Juschitz.

"Sie waren ein Fußballgott"

Kuljic habe zwar enorm viel Geld verdient, aber es "mit vollen Händen beim Fenster hinausgeworfen" oder verzockt. Er sei "dem Glücksspiel sehr zugeneigt gewesen". Wie etliche andere auf der Anklagebank auch. Ein schönes Leben führen und Geld für das Glücksspiel: der Traum des Kickers Kuljic. Aber dann hat sich alles irgendwie verselbstständigt, die Manipulationen gingen nicht mehr auf, jeder schuldete jedem Geld, man erpresste einander, bis eben Taboga die Reißleine zog und zur Polizei ging. Er wähnte nun auch seine Familie bedroht.

Richterin Juschitz verurteilte Kuljic nicht nur hart, sie hielt ihm auch eine Moralpredigt: "Sie waren ein Idol für viele, für manche ein Fußballgott. Die Hälfte der Österreicher sind Fußballkenner, und die finden das verwerflich, was Sie getan haben. Die Leute sind echt enttäuscht. Diesen Schaden müssen Sie gutmachen - auch gegenüber Ihren Fans."

Dominique Taboga bekommt im Gegensatz zu Kuljic kein Fußfesselverbot und kann seine Ausbildung fortsetzen: Taboga will Sportjournalist werden. (Walter Müller, DER STANDARD, 4.10.2014)

  • Dominique Taboga ließ alles auffliegen und kam glimpflich davon, Sanel  Kuljic (rechts) erhielt fünf Jahre unbedingt.
    foto: apa/gubisch

    Dominique Taboga ließ alles auffliegen und kam glimpflich davon, Sanel Kuljic (rechts) erhielt fünf Jahre unbedingt.

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