CA Immo: "Keine Strategieänderung" durch neuen Kernaktionär

3. Oktober 2014, 12:21
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O1 Group erwirbt Anteile von Bank Austria, will "nicht mehr als 26 Prozent" halten - CEO Ettenauer: Fokus auf Büros in Deutschland bleibt

Wochenlang war es das heißeste Thema in der österreichischen Immo-Szene. Nun steht fest, wer den 16,35-prozentigen Anteil an der börsennotierten CA Immo übernehmen wird, von dem sich die Unicredit Bank Austria trennt: Die russisch-zypriotische O1 Group Ltd. erwarb diese am Donnerstag zu einem Preis von 18,50 Euro je Stammaktie. Die Holding strebt nun eine Aufstockung bis auf 26 Prozent an – "und nicht mehr", wie Vorstandschef Dmitri Mints auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz mit dem CA-Immo-Vorstand am Freitag in Wien versicherte.

Fokus auf Deutschland bleibt

CA-Immo-Chef Bruno Ettenauer sagte, er erwarte durch den neuen Kernaktionär, der eine "hohe Expertise" im Office-Bereich mitbringe, keine Strategieänderung bei dem österreichischen Konzern. Das Unternehmen wolle sich weiterhin auf Büroimmobilien etwa in Deutschland konzentrieren, "weniger in Osteuropa".

Die O1 Group Holding mit Sitz in Moskau und Zypern investierte bisher ausschließlich in Moskauer Premium-Büroimmobilien, weshalb es laut Ettenauer auch "keine unmittelbaren Interessenkonflikte" mit dem neuen Stakeholder geben werde. 13 Businessparks mit insgesamt knapp 500.000 Quadratmeter vermietbarer Fläche hat O1 Properties aktuell im Portfolio, drei weitere sind in Entwicklung. Das Immobilienvermögen beläuft sich auf umgerechnet 3,6 Milliarden Euro, es liegt damit exakt auf demselben Niveau wie jenes der CA Immo.

Schon länger auf der Suche

Die Transaktion, deren Closing für November erwartet wird, hat einschließlich des Teilübernahmeangebots ein Gesamtvolumen von rund 500 Millionen Euro, wie die beteiligte Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer in einer Aussendung mitteilte.

Warum es mit der Übernahme so schnell ging – ursprünglich wollte die CA Immo bis Jahresende einen neuen Kernaktionär präsentieren, zuletzt war die Rede von Mitte Oktober –, erklärten die O1-Vorstände Mints und Chief Investment Officer Michael Stanton damit, dass die O1 Group schon länger nach neuen Investmentmöglichkeiten suchte. "Wir hatten zwei Optionen", so Mints. "In einen neuen Sektor im selben Markt zu gehen, oder in den selben Sektor in anderen Märkten." Tatsächlich sei man beiden Optionen gegenüber aufgeschlossen, so Stanton, ein gebürtiger Australier. Wegen der diesbezüglichen schon länger laufenden strategischen Analysen habe man nun auf das Angebot der Bank Austria sehr rasch reagieren können.

Gegründet 2004

Die O1 Group, die neben Immobilien auch in den Sektoren Finanzen und Industrie tätig ist, gehört zu 100 Prozent der Familie Mints. Gegründet wurde die Holding 2004 vom Vater des jetzigen Vorstandschefs, Boris Mints, der als einer der reichsten Russen gilt.

O1 Properties wurde erst 2010 gegründet, hier stiegen vor wenigen Monaten zwei neue Stakeholder als Aktionäre ein, nämlich die ICT Group mit 26 Prozent (im April) sowie Goldman Sachs mit zwölf Prozent (im Juni). O1 Properties fiel zuletzt immer wieder durch große Deals auf. 2012 erwarb man den Businesspark "Silver City" mit 41.600 Quadratmetern zu einem Preis von 330 Millionen Dollar. Im Vorjahr erfolgte die eine Milliarde Dollar schwere Akquisition des "White Square Office Center" mit 85.000 Quadratmetern im Zentrum Moskaus.

Da man in den Businessparks großteils internationale Mieter habe, die ihre Mieten in Dollar bezahlen, sei man auch keinem großen Währungsrisiko ausgesetzt, sagte Stanton. Der Vermietungsgrad der Premium-Offices liege aktuell bei 96 Prozent.

Nächste Hauptversammlung im Mai

O1 will auf die mit den vier "Golden Shares" verbundenen Rechte, vier Aufsichtsratsmandate besetzen zu können, verzichten, das wurde auch am Freitag wieder betont. Stanton sagte, die Frage der Aufsichtsräte habe man sich noch gar nicht gestellt, sie solle jedenfalls von der Hauptversammlung entschieden werden. Die nächste HV ist für 3. Mai 2015 geplant, bis dahin sollte O1 bereits die angestrebten 26 Prozent halten.

Die Verlegung des Hauptsitzes der Holding nach Zypern sei hauptsächlich nicht aus steuerlichen Gründen erfolgt, sagte CIO Stanton, sondern deshalb, "um die Vorteile eines EU-weit gültigen Rechtssystems zu genießen". Auf Zypern würden "weniger als 20" Mitarbeiter stationiert sein, die meisten der 185 Beschäftigten haben ihre Schreibtische in Moskau. (Martin Putschögl, derStandard.at, 3.10.2014)

  • Das Schmuckstück des Portfolios von O1 Properties, der Bürokomplex "White Square" in Moskau, wurde im Vorjahr um eine Milliarde Dollar erworben.
    foto: o1 properties

    Das Schmuckstück des Portfolios von O1 Properties, der Bürokomplex "White Square" in Moskau, wurde im Vorjahr um eine Milliarde Dollar erworben.

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