Grüne wollen Antrag gegen Netzsperren einbringen

Auch Neos, FPÖ, Piratenpartei, ÖVP und SPÖ sprechen sich gegen Blockade von Websites aus

Ab sofort müssen die Provider A1, "3", Tele 2 und UPC die beiden Piratenseiten kinox.to und movie4k für ihre Kunden blockieren. Schon nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs Ende Juli zeigten sich alle Parlamentsparteien, mit Ausnahme des Teams Stronach, geschlossen gegen Netzsperren. Die Parteien haben ihre Positionen nun erneut bekräftigt.

Neos: "Rechteverstöße nur kaschiert"

Für Neos-Mandatar Niko Alm werden Rechteverstöße durch die Blockade "nicht gelöst, sondern nur kaschiert und verschoben", heißt es in einer Aussendung. Außerdem werde "die Möglichkeit geschaffen, andere, vielleicht legale, aber unwillkommene Inhalte zu sperren". Eine Lösung des Problems sieht Alm darin, legale Angebote auszubauen. "Der Start von Netflix in Österreich zeigt eine erfreuliche Entwicklung. Wenn auf solchen Portalen der unkomplizierte Zugang zu urheberrechtlich geschützen Werken mit einfachen Zahlungsmodalitäten, einem breit gefächertes Angebot, hoher Streamingqualität und einem fairen Preis gegeben ist, werden illegale Anbieter von selbst den Zulauf verlieren. Den Ausbau solcher Portale sollten daher insbesondere die Urheberrechtsvertreter verstärkt unterstützen." Zudem müsse die EU bessere Rahmenbedingungen für Contentanbieter schaffen und die unterschiedlichen Rechtslagen in diesem Bereich harmonisieren.

Grüne wollen Antrag einbringen

Albert Steinhauser, Justizsprecher der Grünen, sagte in einer Stellungnahme zum WebStandard: "Netzsperren sind der Beginn einer gefährlichen Entwicklung an deren Ende das freie Internet Geschichte sein wird. Vor 150 Jahren wurde darum gekämpft Zensur zu beseitigen. Um ähnliches geht es heute bei der Auseinandersetzung um Netzsperren. Die Meinungs- und Pressefreiheit ist heute ein Grundrecht. Wenn bestehende Grundrechte nicht ausreichen um die Freiheit des Internets zu schützen, dann braucht es eine gesetzliche Ergänzung." Die Grünen wollen im Nationalrat einen Antrag einbringen, der auferlegte Netzsperren beseitigen soll.

FPÖ: "Richter kennt fachliche Zusammenhänge nicht"

Auf Nachfrage bekräftigte auch die FPÖ ihre Postion gegen die Netzsperren. "Leider haben sich unsere Befürchtungen bewahrheitet und ein österreichischer Richter hat - ohne die fachlichen Zusammenhänge neben den juristischen Tatsachen zu kennen - eine einstweilige Verfügung zur Sperre von sogenannten "Piratensendern" erlassen", so der Nationalratsabgeordnete Gerhard Deimek. "Es dauert für geübte Menschen ein paar Sekunden, für ungeübte möglicherweise ein paar Tage die Sperren mittels geänderter DNS bzw ProxyServer etc. zu überwinden. Die verfügten Sperren sind also im besten Falle sinnlos."

Piratenpartei bietet Ausweichmöglichkeiten

Für die Piratenpartei "beweist die Copyrightindustrie wieder einmal ihre Ahnungslosigkeit vom Internet", erklärte deren netzpolitischer Sprecher Andreas Czak in einer Aussendung. "Ein Ausweichen auf illegale Angebote ist lediglich eine Auswirkung von mangelndem Angebot", so Czak. Für den Fall einer Sperre von Pirate Bay habe die Partei bereits Ausweichmöglichkeiten eingerichtet.

ÖVP: "Schwerer Eingriff in das freie Internet"

Eva-Maria Himmelbauer, ÖVP-Sprecherin für Innovation und Telekommunikation, sieht die Netzsperre aus urheberrechtlichen Gründen als "bedenklich" und "schweren Eingriff in das freie Internet" an. Die "digitale Revolution der neuen Medien" habe zu neuen Zugängen für geschützte Inhalte geführt. Das Urheberrecht habe mit dieser Entwicklung nicht schritthalten können. Die ÖVP spricht sich daher für eine Modernisierung des Urheberrechts aus.

SPÖ: "Von Lobbys zurechtgestutztes Netz"

"Die Contentlobby konnte sich mit ihrer Forderung nach Internetzensur durchsetzen und verweigert somit weiterhin die Umsetzung eines modernen Urheberrechts", kritisiert auch SPÖ-Europaabgeordneter Josef Weidenholzer die Umsetzung der Netzsperren in einer Aussendung. In den Niederlanden habe sich bereits herausgestellt, dass Netzsperren kein effektives Mittel gegen Online-Piraterie seien. "Die Durchführung der einstweiligen Verfügung trifft eindeutig die Falschen. Man öffnet damit nicht nur die Tür zur allgemeinen Zensur des Internets, sondern bricht gleich ein gewaltiges Loch in die Wand. Das ist ein Schritt in die falsche Richtung, hin zu einem undemokratischen und von Lobbys zurechtgestutzten Netz", so Weidenholzer.

Seitens Team Stronach liegen noch keine aktuellen Stellungnahmen vor. (fsc/br, derStandard.at, 3.10.2014)

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Urheber werden im Regen stehen gelassen

Es reicht nicht (zurecht) gegen Netzsperren oder Festplattenabgabe zu sein. Die Politik muss auch darauf achten, dass Urheber ihren gerechten Lohn für ihre Leistung erhalten! Das haben die Parlamentsparteien lange verschlafen.

Warum Konzepte wie dieses nicht umgesetzt werden, ist unbegreiflich:

http://wiki.piratenpartei.de/Kulturfla... Verteilung

Die Politik lässt die Urheber im Stich und sperrt aus intellektuellem Unvermögen das Internet, obwohl das am Problem total vorbei geht.

Wenn Menschen geschützte Daten zuhause per USB-Stick teilen - wird dann das Hausrecht abgeschafft?

fail @ Parlamentsparteien

Anfang vom Ende

Hier wird die Büchse der Pandora geöffnet. In Großbritanniern sind seit Einführung solcher Netzsperren bereits 20% aller Websites gesperrt. China ahoi!

https://www.piratenpartei.at/buechse-d... -internet/

ich

lege eine stellungnahme vom team strohsack vor:
" jou dou schaau maa amouul" !

Wie wäre es mit GratisVPN für Alle?

Haha, die Grünen werden da nicht helfen können. http://vergleich.hidemevpn.de/

Ausweichstelle eingerichtet

zum ausweichen dürft ihr euch gleich einmal http://bay.piratenpartei.at/ hinter die Ohren schreiben :D

zur fpö

die fpö hat vor ca 10 Jahren die nic als domainverwalter geklagt weil sie erreichen wollte, dass eine fake-fpö seite die domain verliert. die nic als reiner verwalter wurde geklagt weil der domaininhaber selbst nicht greifbar war. fpö hat damals den Prozess gewonnen.
wenn es gegen die eigene Partei geht hat mein kein problem damit dass internet dienstleister geklagt werden.....

kann mich noch vage erinnen. der fpo troll hat glaube ich zum verwechseln ähnliche inhalte reingestellt,. damals tat mir die fpö fast schon ein wenig leid,.. aber nur fast.

Was haben eigentlich die betreiber solcher seiten davon?

Das ist doch alles ein riesenaufwand und auch ein risiko.
Wie wird das finanziert, oder sind das alles altruisten?

Kinox.to ist imho ohne Adblock nicht zu verwenden, die machen ihr Geschäft durch aggressive Popups etc. Zugriffe bietet die Seite ja genug dafür

Ach ja?

Alle sind dagegen, und dennoch gibt es Gesetze, die sperren verlangen.
Der Gesetzgeber schafft es also nicht, seine eigenen (geschlossenen) Ansichten zu exekutieren?
Wer soll das glauben?

Nene, die hängen alle an der Titte der Lobbyindustrie. Werden brav angefüttert.
Nur in den Medien sinds dagegen.

Wie erfolgreich das ist, sieht man ja...

Welches Gesetz sollte das sein? - M.W. beruht das ganze nur auf einer vom VAP erwirkten einstweiligen Verfügung des Handelsgerichts Wien.

geht mal auf kinox.to (diejenigen die es können)

für die, die es nicht können, ein ausschnitt:

Liebe FAP und Fans - Macht Oesterreich jetzt einen auf Nordkorea?

Wie ihr alle wisst, stellt KinoX keine direkten Links zu dem jeweiligen Stream, sondern indixiert es, wie es auch Google macht. Wollt ihr als naechstes Google sperren? Ihr zerstoert durch sinnlose Forderungen das ganze Internet!
Unsere Kultur entwickelte sich ueber das Kopieren und Sharen und nicht durch irgendwelche Einschraenkungen. Wir duerfen uns nicht ins Mittelalter zurueckschubsen lassen, weil irgendwelche alten Saecke noch im letzten Jahrhundert leben. #neuland
^^

Kleine Hilfestellung für alle, die es jetzt vielleicht schon nicht mehr können, schließlich ist nichts daran illegal, diesen Text auch im Original zu lesen:

http://91.202.61.170

[Dies ist selbstverständlich keine Aufforderung oder Beihilfe zu irgendwelchen Urheberrechtsverstößen sondern lediglich ein Hinweis im öffentlichen Interesse, der die Leser über gängige Zensurmechanismen und ebenso einfache wie wirksame Gegenmaßnahmen informieren soll.]

kinox.tv können eh alle weiterhin.

Sgoar die FPÖ äußerst sich sogleich dazu nach Anfrage des standards.. Aber die zwei großen schweigen...

Obwohl alles kontrollierend.. Es wird irgend ein fadenscheiniges Gewäsch kommen und das war es.

Es wäre geil, ...

...wenn das schnell durchgeht.

Das wäre so ein herrliches Eigentor für die VAPler... <3

"die Sperren mittels geänderter DNS bzw ProxyServer etc. zu überwinden"

In Deutschland gab es ein geniales Rezept gegen diese Praxis: Die damalige Familienministerin Urusula "Zensursula" von der Leyen hat Menschen, die wissen wie man die DNS-Server-Adresse ändert, einfach als "pädokriminell" gebrandmarkt.

Great success!

Ich hätt einfach eine Verleumdungsklage gegen Zensursula eingebracht. Sollt eigentlich problemlos durchgehen.

Gibts den Text der einsteweilligen Verfügung irgendwo zum lesen? Wäre wirklich interessant welche Begründung das Gericht angibt, diese statt zu geben.

Blick in die Glaskugel..

Die Opposition zeigt sich in seltener Einigkeit.

Ich wage zu prophezeien: die ÖVP als Beschützer der "Leistungsträger" (wer oder was auch immer das sein mag) ist für die Netzsperren und würde sie in bester Law&Order-Manier gerne noch ausweiten.

Die SPÖ wird wie immer keine Meinung haben, den Status quo hochhalten und im Zweifelsfall der ÖVP kleinbei geben.

Leistungsträger?

Sind das nicht die Arbeiter und andere Schaffende und somit die, die was leisten und die sogenannten 'Verantwortungsträger' und Rechtevertreter u.-verwalter erhalten?
So verstehe ich nicht wie die ÖVP die Beschützer ersterer sein sollen, da sie doch immer nur den Slogan 'gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut' im Kopf haben und somit eher dem Ideal der Oberschicht, der Manager und Wertevertretern der Künstler (also den Vermarktungsfirmen u. Labels) entsprechen...

(jetzt wissens in etwa den Unterschied unserer Gesellschaftsschichten ;-) )

Wie kommens drauf, dass die ÖVP dafür ist? Im Artikel steht eine eindeutige Stellungnahme der ÖVP GEGEN Netzsperren. Aber einfach Vorurteile weiterverbreiten ohne den Artikel zu lesen macht ja mehr spaß...

Vermutlich...

weil derstandard.at oft die Artikel ergänzt, in diesem Fall um die Aussage der ÖVP, ohne auch nur irgendwie darauf hinzuweisen. Ein einfaches "Update um 14:30h, ÖVP Aussage ergänzt" oder ähnliches wäre wünschenswert...

Und ja, mich hätts nicht gewundert, wenn die ÖVP als "Law&Order" Partei sich für Netzsperren ausgesprochen hätten.

Die Himmelbauer ist nicht mal 30. Die sieht das vermutlich etwas vernünftiger als z.B. der Abgsandelte aus der Wirtschaftskammer. Wer weiß was da von der ÖVP noch kommt.

Zur Abwechslung bilden die Parteien hier eine geschlossene Front gegen Netzsperren. Einmal schaffen sie es, zusammenzuarbeiten.

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