Neue Ansprüche an den Job

4. Oktober 2014, 09:00
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Eine sozial kompetente Führung und alles, was sich daraus ergibt, eine erfüllende Aufgabe und ein gutes Betriebsklima stehen mittlerweile ganz oben auf der Wunschliste an den Job

Schlechtes Arbeitsklima, Mobbing und Probleme mit den unmittelbaren Vorgesetzten sind der Hauptantrieb in allen Altersgruppen, den Job hinzuschmeißen. Wobei: Mit 40+ werden Mobbing und Vorgesetztenprobleme bedeutsamer.

Das ist das Ergebnis einer jahrelangen fortlaufenden Befragung von 700 Arbeitnehmern quer durch alle Branchen, Hierarchien und Altersgruppen durch Geraldine Hofstetter, Inhaberin der Wiener Job Bowl Personalberatung.

Abkehr vom Job

Keine Aufstiegschancen (fast 53 Prozent bei Jungen) und keine Eigenverantwortung (63 Prozent bei 40+) folgen in der Hitliste der totalen Abkehr vom Job. Schlechte Auftragslage oder Wochenendarbeit und Überstunden rangieren weit dahinter.

Dazu passt die Frage von der anderen Seite: Was ist Ihnen im Job wichtig? Ein erfüllendes Aufgabengebiet führt mit über 70 Prozent bei Männern und Frauen, ebenso wichtig ist Frauen das gute Arbeitsklima. Männer bejahen das zu 67 Prozent - so hoch ist die Zustimmung bei Männern auch zum "hohen Gehalt" als zentralem Faktor. Für Frauen ist die Kohle lediglich zu 54 Prozent bedeutsam.

Ein "toller Chef" ist nur 38 Prozent der Männer wichtig, 54 Prozent der Frauen. Vorgesetzte müssen offenbar nicht "toll" sein, es reicht, wenn sie ihrer Führungsrolle halbwegs gerecht werden.

"Es ist die negative emotionale Belastung, die den Job wechseln lässt", kommentiert Geraldine Hofstetter. Sie vermutet klassische Anlassfälle: Allzu oft würden Junge ohne Führungserfahrung oder interne Fachexperten in Führungsjobs gehoben und dann mit der Mitarbeiterführung alleine gelassen. Sie mahnt Begleitung und Coaching von Unternehmen ein, statt "die Leute mit der Ehre der Beförderung alleine im Regen stehen zu lassen".

Zeitausgleich wird gewünscht

Interessantes Detail der groß angelegten Befragung: "fringe benefits" sind nicht so wichtig wie gedacht: Nur 29 Prozent würdigen Essenszuschuss, Pensionsvorsorge & Co als "wichtig". Dies mag daran liegen, so Hofstetter, dass diese Goodies nicht ausreichend kommuniziert würden.

Zum aktuellen Diskussionsthema Überstunden ergibt die Befragung: Ältere (40+) sind am ehesten bereit, Überstunden zu leisten - 20 pro Monat und etwas mehr. Zehn bis 15 ergeben sich als Mittelwert durch die Altersgruppen. Dafür möchten 56 Prozent Zeitausgleich statt Bezahlung. Arbeitgeber müssten also nicht immer tief in die Tasche greifen, um ihre Mitarbeiter motiviert und im Unternehmen zu halten, so Hofstetter.

Allerdings: Sicherheit und Berechenbarkeit sind offenbar zentrale Faktoren: Fast 70 Prozent möchten ein Fixgehalt, nicht Grundgehalt plus Prämie. Am "unternehmerischsten" denkt man da mit 40+ - hier wäre man am ehesten zu mehr Variabilität bereit. Beliebtestes Arbeitszeitmodell ist eine Kernzeitregelung (47 Prozent, Frauen haben noch höhere Werte) mit flexibler Arbeitszeit. Arbeit zu Hause können sich Jüngere besonders gut vorstellen. Absolut flexible Arbeitszeit wünschen sich Männer wie Frauen zu rund einem Viertel. (DER STANDARD, 4./5.10.2014)

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    foto: der standard
  • Geraldine Hofstetter
    foto: th. schrems

    Geraldine Hofstetter

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