E-Bike: Mit Strom durchs Land der Berge

6. Oktober 2014, 15:36
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Die Kitzbühler Alpen, Österreichs größte E-Bike-Region, bietet 1.000 Kilometer Radwege und viele Möglichkeiten zum Akkutausch

Wer von einem Trekking- auf ein E-Bike umsattelt, kann ohne tolle Kondition den ganzen Tag durch die Gegend radeln. Doch irgendwann nach 50 Kilometern geht auch der beste Akku aus. Deshalb haben mehrere österreichische Tourismusregionen ein Netz von Verleih- und Akkuwechselstationen aufgezogen, die verhindern sollen, dass der E-Biker mit leerer Batterie im Nirgendwo landet.

Und weil man mit dem E-Bike doch ziemlich weit kommt, müssen benachtbarte Tourismusverbände das tun, was ihnen sonst so schwer fällt - zusammenarbeiten.

Radeln mit sanfter Unterstützung

Das größte Netz in Österreich, und angeblich in der Welt, ist die E-Bike-Region Kitzbühler Alpen / Kaisergebirge, die mit 1.000 Kilometer Radwegen - eben und steil - zwischen Wörgl und Hochfilzen wirbt. 330 Leihräder bei 89 Verleihstationen oder Akku-Wechselstationen machen es möglich, tagelang mit sanfter Unterstützung zu radeln, ohne dass der Saft je ausgeht. Aber klappt das auch in der Praxis?

Wir hatten für den entsprechenden Test nur zwei Tage Zeit. Ausgangspunkt war das Hotel Kaiserhof in Ellmau, eines der Top-Hotels der Region, bei dem man den Vorteil eines E-Bikes rasch merkt: Hoch oben am Hang des Hartkaisers gelegen, kommt man sonst nur mit viel Muskelkraft hinauf.

Umrundung der Skiwelt Wilder Kaiser

In der beliebten Mann/Frau-Kombination, die von einem Paartherapeuten stammen könnte - er mit Mountainbike, sie mit E-Bike - starteten wir beim Radverleih im Dorf, ausgestattet mit einer Karte, auf der alle Akkustationen verzeichnet sind. Ziel war die Umrundung der Skiwelt Wilder Kaiser im Uhrzeigersinn, rund 70 Kilometer Fahrtstrecke. Der Radweg über Going und Oberndorf, mit Blick auf Wilden Kaiser und Kitzbühler Horn, ist gut beschildert, bis man sich Kitzbühel nähert.

Radler, die den Weg zum Brixental-Radweg suchen, sind hier ziemlich verloren. Erst nach dem Ortsende gibt es wieder Schilder, die uns problemlos bis Hopfgarten führen. In Kirchberg der erste Akku-Wechsel, kurz vor Mittag im Tourismusbüro. Ohne Probleme, aber wenige Minuten später wären die Türen zu und die Suche nach einem offenen Gasthof mit Akku-Vorrat schwierig gewesen.

Akkus hoch oben am Berg

In Hopfgarten geraten wir mitten in den Almabtrieb hinein. Von dort geht es steil hinauf - nun zahlt sich das E-Bike aus - nach Itter, wo weitere geschmückte Kühe warten. Bei der Rückkehr nach Ellmau ist der Akku fast leer: Der Radverleih hat zu, die offenen Gasthöfe mit Akkus liegen hoch oben am Berg. Deshalb noch schnell zu einem Hotel nach Going, damit wir auch am nächsten Tag unter Strom stehen.

Wir probieren noch eine Rad-Wander-Kombination: 300 Höhenmeter rauf auf die Wochenbrunneralm, bequem vorbei an den Autos, die an der Mautstelle warten, und von dort zu Fuß zur Gaudeamushütte und zum Ellmauer Tor. Vor der Abfahrt ins Tal noch schnell ein Akkuwechsel bei der Alm. Bergab geht’s zwar auch ohne, aber mit vollem Akku fühlt man sich einfach wohler. (Eric Frey, DER STANDARD, 4.10.2014)

Info: www.e-bikewelt.com

Diese Reise erfolgte auf Einladung des Hotels Kaiserhof in Ellmau.

  • Für den Almabtrieb geschmückte Kühe gehören zu den ungewöhnlicheren Begegnungen für Radler in Tirol.
    foto: grießenböck

    Für den Almabtrieb geschmückte Kühe gehören zu den ungewöhnlicheren Begegnungen für Radler in Tirol.

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