Gerüchte um Atomversuche im KZ Gusen: Historiker eingeschaltet

3. Oktober 2014, 08:43
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Bezirkshauptmann: "Geschichtliche Aufarbeitung und Gesamtbeurteilung" - Bürgermeister will Forschungen vorantreiben - Filmemacher Sulzer plant zwei Dokus

St. Georgen/Gusen - Nach Gerüchten über Atomversuche der Nazis in den Stollen des ehemaligen KZ Gusen in Oberösterreich sind Historiker zur Klärung eingeschaltet worden. Wegen Vermutungen des Filmemachers Andreas Sulzer hatte es im Februar Bohrungen gegeben, die aber erfolglos blieben. Bezirkshauptmann Werner Kreisl geht es nun um "eine geschichtliche Aufarbeitung und Gesamtbeurteilung", berichtete die "Bezirksrundschau".

"Ziel ist, die verschiedenen Gerüchte, die im Zusammenhang mit dem KZ-Komplex Gusen bestehen, auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen", sagte Stefan Karner, Vorstand des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Uni Graz. Durch zusätzliche Quellen, neue Berichte, bisher unbekannte Zeitzeugen oder wie im aktuellen Fall durch Grabungen würden immer wieder neue Erkenntnisse auftauchen. Dazu komme, dass viele Dokumente zu Gusen mit langen Sperrfristen belegt seien und sich teilweise in Bibliotheken in Moskau und New York oder in US-Militärarchiven befänden. Im Mai 2015, 70 Jahre nach der Befreiung, sollen viele Akten freigegeben werden.

Mindestens 71.000 interniert

Für 22. Oktober ist ein Infoabend mit der Präsentation neuer Erkenntnisse über die Mühlviertler Stollenanlage geplant. Dem zuständigen Bürgermeister von St. Georgen, Erich Wahl (SPÖ), geht es um die Sicherheit der Bevölkerung, und er drängt darauf, die Forschungen voranzutreiben: "Gibt es etwas, das das Grundwasser gefährdet? Wurde mit radioaktiven Stoffen geforscht? Wo sind mögliche Stollen?"

Sulzer will im kommenden Jahr zwei Filme mit Bezug zu Gusen herausbringen. In dem KZ, einem Außenlager von Mauthausen, waren mindestens 71.000 Menschen aus 27 Nationen interniert, mehr als die Hälfte kam zu Tode. Allein das Projekt "Bergkristall" – der Bau einer acht Kilometer langen Stollenanlage zur unterirdischen Flugzeugproduktion – kostete mehr als 8.600 Häftlinge das Leben. Ein Großteil der Gänge wurde mittlerweile aus Sicherheitsgründen verfüllt. (APA, 3.10.2014)

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