EZB-Aufkaufprogramm: Draghis Müllabfuhr

Kommentar2. Oktober 2014, 18:08
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Die schrille Kritik am Bruch mit alten Traditionen ist wohl weitgehend übertrieben

Die Europäische Zentralbank wird immer kreativer. "Unkonventionell" heißt das im Notenbank-Sprech, wenn die Frankfurter Währungshüter Neuland betreten. Am Donnerstag war es wieder so weit. EZB-Chef Mario Draghi hat nach der Zinssitzung in Neapel Details eines breiten Programms für den Ankauf verbriefter Unternehmenskredite und Pfandbriefe verkündet. Bis zu 1000 Milliarden Euro sollen investiert werden.

Für die beiden Länder Griechenland und Zypern wird es dabei eine wichtige Ausnahme geben, weil das Rating der Wertpapiere beider Südländer nicht die Bonitätsanforderungen der Frankfurter Währungshüter erfüllen muss. Also dürfen auch Ramschpapiere aus den beiden geretteten Staaten angekauft werden. Deutsche Volkswirte laufen bereits Sturm dagegen. Und im Netz wird schon gescherzt, dass Draghi ausgerechnet in der von Abfallbergen geplagten Stadt Neapel ankündigt, Müllpapiere zu kaufen.

Dabei ist die schrille Kritik am Bruch mit alten Traditionen wohl weitgehend übertrieben. Das Volumen der griechischen und zypriotischen Papiere wird im kleinen Rahmen bleiben. Gleichzeitig aber bestehen berechtigte Zweifel, dass die Anleihenankäufe tatsächlich die Probleme lösen, an denen die Eurozone laboriert, von hoher Arbeitslosigkeit bis zu Strukturproblemen und lähmend hoher Steuerlast. Das Neuland für die Europäische Zentralbank ist kein Garant für blühende Landschaften. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 3.10.2014)

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