103 Millionen Euro für TV-Produktionen

2. Oktober 2014, 17:50
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448 Filme, Serien und Dokus förderte der Fernsehfonds Austria in seinen ersten zehn Jahren, eine der potentesten TV-Förderstellen der Welt - in einer kleinen Welt

Wien - "Das Wunder von Kärnten", 2013 in Los Angeles mit einem Emmy Award prämiert, erhielt 330.000 Euro aus dem TV-Fonds der Rundfunk- und Telekomregulierung RTR. Fast ebenso viel trug sie bei zum "Ruf der Pferde" mit Hansi Hinterseer in der Hauptrolle. Die diversen Teile der "Wanderhure", der "Landärztin" und von "Lili Schönauer" wurden gefördert, ebenso das Alzheimerdrama "Die Auslöschung" mit Maria Gedeck und Klaus Maria Brandauer und "Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit" mit Tobias Moretti und Dokus von Erwin Wurm bis "Pfusch am Bau".

"Keine Weicheier"

103 Millionen Euro steuerte die RTR in zehn Jahren zu Fernsehproduktionen in Österreich bei. Ihre Produktionskosten summieren sich laut RTR-Chef Alfred Grinschgl auf 652 Milllionen Euro. 333 Millionen Euro davon, mehr als das Dreifache des Fördervolumens, wurden laut Grinschgl in Österreich investiert. Der Fonds fördert - grob - Produktionen mit Wertschöpfung in Österreich.

Oliver Castendyk, Jurist an der Hamburg Media School, bescheinigt dem Fonds nicht nur eines der differenziertesten Regelwerke. 13,5 Millionen im Jahr seien auch eines der höchsten einschlägigen Budgets. RTR-Chef Grinschgl sieht den Fonds somit als "Major Player weltweit" neben dem Pariser Centre National du Cinéma.

Dass die RTR GmbH zwar nicht selbst Medienbehörde, aber deren Geschäftsapparat ist, stärkt ihre Position, findet Castendyk. Denn: "Regulierer sind in der Regel keine Weicheier."

Rechte

So reagiert RTR-Chef Grinschgl, wenn TV-Sender kritisieren, dass viele Rechte an geförderten Produktionen bei den Herstellern bleiben müssen: "Wir tun das ja nicht, damit Fernsehveranstalter eine Riesenfreude haben. Jeder kann alle Kosten übernehmen, dann gehören ihm alle Rechte. Die Sender sind gegründet worden, um Programm zu senden, nicht zum Verkauf ihrer Sendungen nach Malaysien oder Peru."

Andreas Gebesmair, Professor für Medienwirtschaft an der Fachhochschule St. Pölten, analysierte für die RTR Vergaben und Auswirkungen. Er lobt den Fonds als Katalysator für die TV-Produktion in Österreich. Stellt aber auch fest, dass von 2004 bis 2012 70 Prozent des Fördervolumens an zehn Firmen gingen - eine "enorm hohe Konzentration". Nachsatz: "Aber jedes Jahr gab es Neuzugänge." Und: Die Konzentration sei noch "nicht so krass wie die Auftragsvergabe im ORF". Spiegel einer relativ kleinen Produktionsbranche mit wenigen großen Firmen, die Kapazitäten für Spielfilme und Serien haben. (fid, DER STANDARD, 3.10.2014)

  • Vielfach - auch mit US-Emmy - prämierte TV-Produktion unter 448 geförderten Filmen, Serien und Dokus in den ersten zehn Jahren des Fernsehfonds Austria: "Das Wunder von Kärnten" für den ORF.
    foto: orf / graf film / rowboat film / toni muhr

    Vielfach - auch mit US-Emmy - prämierte TV-Produktion unter 448 geförderten Filmen, Serien und Dokus in den ersten zehn Jahren des Fernsehfonds Austria: "Das Wunder von Kärnten" für den ORF.

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