Ruf nach Rücktritt von AUVA-Obfrau Römer

2. Oktober 2014, 17:30
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Grüne: Sollte Römer nicht selbst gehen, muss Wirtschaftskammer-Chef Leitl seine Vizepräsidentin abberufen

Wien - Nach einem STANDARD-Bericht über Ungereimtheiten bei Auftragsvergaben in der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) inklusive Geldverschwendung werden Forderungen nach einem Rücktritt von Obfrau Renate Römer laut. "Wenn Römer jetzt nicht selbst den Hut nimmt, muss Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl seine Vizepräsidentin abberufen", fordert etwa der Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, Volker Plass.

Römer (59) ist eine von fünf Vizepräsidenten der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Sie hat diese Position seit April 2004 inne. Seit 2009 steht die frühere Obfrau der Sparte Transport und Verkehr auch an der Spitze der AUVA, als erste Frau überhaupt.

Ein Prüfbericht des Gesundheitsministeriums, Aufsichtsbehörde der sozialpartnerschaftlich organisierten Selbstverwaltung, hat zahlreiche Ungereimtheiten ans Licht gebracht. Auch ein Gutachten eines gerichtlich beeideten Sachverständigen, das die Grüne Wirtschaft in Auftrag gegeben hat, belege unsaubere Geschäftspraktiken der AUVA-Spitze, sagt Plass.

Eigene Gutachten

In der AUVA selbst verweist man auf eigene Gutachten, die einige der im Prüfbericht nun kritisierten Punkte entkräften würden. So sei etwa die monierte Auftragsvergabe an den Lebensgefährten von Obfrau Römer in zwei gutachterlichen Stellungnahmen sowohl aus vergaberechtlicher als auch aus fachlicher Sicht für in Ordnung befunden worden. Ebenso sei die Angemessenheit des Preises bestätigt worden.

WKO-Chef Leitl kennt nach Angaben seines Sprechers Rupert Haberson den Prüfbericht des Gesundheitsministeriums noch nicht. Nach der Rückkehr von Obfrau Römer, die wegen der zur Zeit stattfindenden Berufsolympiade Euroskills in Lille weilt, will Leitl sie zu einer Aussprache bitten und ihr Gelegenheit geben, sich zu erklären. "Ein Schnellschuss ist nicht angebracht", sagte Haberson dem STANDARD.

Beobachter gehen indes davon aus, dass es im Zuge der Kammerwahlen 2015 zu einem Generationswechsel im WKO-Präsidium kommen wird. Auch so könnte man sich des jetzt aufgetauchten Problems entledigen. (stro, DER STANDARD, 3.10.2014)

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