Aus für "ineffiziente" Schule

2. Oktober 2014, 17:23
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Militärgymnasium soll gesperrt werden

Wiener Neustadt - Das Schicksal des Militärrealgymnasiums, das ein halbes Jahrhundert lang der Vorbereitung junger Österreicher (und zuletzt auch Österreicherinnen) auf den Offiziersberuf gedient hat, dürfte besiegelt sein. Dem Standard liegen Pläne vor, die heute, Freitag, offiziell präsentiert werden sollen. Demnach ist eine ersatzlose Schließung der Schule vorgesehen.

Hintergrund sind die Sparvorgaben, denen das Bundesheer zu folgen hat. Immerhin zehn Millionen Euro sollen durch die Schließung des Internats eingespart werden - im Verteidigungsministerium wird es als "extrem ineffizient" eingestuft - obwohl der Lehrkörper nicht dem Verteidigungs-, sondern dem Unterrichtsbudget angelastet wird.

Nur 17 bestanden die Matura

Das Gymnasium bringe aber der Landesverteidigung zu wenig - und habe eine miserable Erfolgsquote, wird dem Standard vorgerechnet: Zur Matura sind heuer 33 Kandidatinnen und Kandidaten angetreten, aber nur 17 haben bestanden. Im vorigen Schuljahr waren es neun von 28, 2012 kamen immerhin 26 von 32 durch.

Und obwohl auf der Website des Militärrealgymnasiums davon geschwärmt wird, wie viele Offiziere des Bundesheeres (738) und Spitzenbeamte innerhalb und außerhalb des Verteidigungsressorts ihre Karriere als Militärgymnasiasten begonnen haben, kommt man im Ministerium zu einem anderen Schluss: Während im Jahr 2000 noch 37 Prozent der Maturanten des MilRG die Offizierslaufbahn eingeschlagen haben, ist der Anteil in diesem Jahrzehnt auf zwei Prozent gesunken.

Kein Kader nach der Schule

Ein Ministerialbeamter bitter: "Die meisten Absolventen denken gar nicht daran, der Landesverteidigung zur Verfügung zu stehen. 51 Prozent machen nach der Schule keine Kaderausbildung. Wenn sie überhaupt den Wehrdienst antreten, rüsten sie nach dem Grundwehrdienst ab."

Dass die militärische Vorbildung bei den jungen Leuten - heuer bewarben sich 57 Burschen und 14 Mädchen für die Aufnahme - so gefragt ist, habe nämlich einen ganz anderen Grund: Die an die Militärakademie angegliederte Schule bietet eine exzellente Sportausbildung. Wer das Auswahlverfahren besteht (heuer 45 Burschen und neun Mädchen) kann nach Herzenslust trainieren.

Was umgekehrt als Sparpotenzial gesehen wird: "Wir könnten künftig auf die Reitausbildung ganz verzichten", heißt es aus dem Ministerium. Zehn Offiziere, die sich um die Erziehung der Gymnasiasten kümmern, könnten in produktivere Bereiche versetzt werden. (Conrad Seidl, Der Standard, 02.10.2014)

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