Der Dollar erstarkt, der Euro entgleitet

3. Oktober 2014, 05:30
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An den Währungsmärkten findet eine Entkoppelung statt. Der US-Dollar wertet wegen der Erwartung steigender Zinsen auf, der Euro fällt. In Geldfragen gibt es einiges zu bedenken

Wien - Die Währungsmärkte verdauen neue Nachrichten am schnellsten. Täglich werden alleine am Markt für Euro und Dollar nach Schätzungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich 1280 Milliarden Dollar an Volumen umgesetzt. Daher suchen Anleger immer wieder auf den Währungsmärkten nach Hinweisen auf künftige Entwicklungen. Und die Währungsmärkte erzählen gerade eine Story. "Es gibt eine klare Divergenz zwischen den USA und anderen Teilen der Welt, besonders in der Eurozone" , sagt Dominic Wilson, Chefökonom für Finanzmärkte bei Goldman Sachs.

Tatsächlich hat der Dollar gegen-über einem breiten Korb von Währungen in den vergangenen Monaten kräftig aufgewertet. Der DXY, ein gewichteter Index der wichtigsten Währungspaare mit dem Dollar (also Euro, Yen, britisches Pfund oder schwedische Kronen), ist in den vergangenen drei Monaten um 8,4 Prozent gestiegen und steht mit knapp 86 so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Gegenüber dem Euro ist die Divergenz besonders augenscheinlich. Seit April hat der Euro gegenüber dem US-Dollar um neun Prozent nachgegeben, zuletzt auf einen Wechselkurs von knapp 1,26. Die Stärke kommt nicht von ungefähr, sondern aus Washington, von der US-Notenbank Fed. "Während die Fed sich langsam auf den Ausgang der lockeren Geldpolitik zubewegt, schaltet die EZB auf eine weitere Lockerung um", so Wilson.

Washington zügelt, Frankfurt lockert

Washington zügelt, Frankfurt lockert, lautet das Motto. In dieser Tonart dürfte es weitergehen. So hat das Währungsteam der Raiffeisen Bank International seine Dollar-Euro-Prognose zuletzt auf 1,20 gesenkt.

Doch was heißt das? Abseits des teureren Urlaubs für Europäer im Euro-Ausland und der günstigeren Bedingungen für heimische Exportunternehmen sind auch Investoren direkt durch die Währungsturbulenzen betroffen:

  • Wertpapiere: Wer Fonds, Aktien oder Anleihen in den USA oder Schwellenländern hält, muss genau schauen. Finanzprodukte wie Fonds oder Zertifikate können währungsgesichert sein oder nicht. In letzterem Fall kann eine deutliche Währungsbewegung wie zuletzt die Rendite einer Strategie kräftig beeinflussen. Ein Beispiel: Der passive Fondsanbieter iShares bietet Anlegern die Wahl zwischen einem in Euro gerechneten US-Fonds auf den Leitindex S&P 500 und einem in US-Dollar.
    Der Euro-Fonds ist "hedged", also währungsgesichert. Aufs vergangene Jahr gerechnet hat das kräftig gekostet, die Rendite lag bei 18 Prozent ohne, bei 24 Prozent mit Währungsrisiko. Wer die zusätzlichen Währungsschwankungen aus Aktien-, Anleihen- oder sonstigen Investments herausnehmen möchte, sollte nach "hedged" oder "Quanto"-Produkten Ausschau halten.
  • Kredite: Bei Schulden ist es genau andersrum. Die Dollarstärke ist vor allem für jene ein Fluch, die sich in fremder Währung verschuldet haben. Der von vielen Österreichern genutzte Fremdwährungskredit ist davon zwar weniger betroffen, weil heimische Kreditnehmer ihre Schulden eher in Franken oder Yen aufgenommen haben. Aber international tätige Unternehmen und viele Schwellenländer haben sich in Dollar verschuldet und kommen daher in Finanzierungsnöte.
  • Währungsstrategien: Kein gutes Omen ist die jüngste Entwicklung für eine der populärsten Währungsstrategien, den Carry Trade. Dabei verschulden sich Spekulanten in Währungen mit niedrigen Zinsen (wie dem US-Dollar oder dem Schweizer Franken) und investieren in hochverzinste Währungen. Viele Schwellenländer, von der Türkei bis Südafrika, sind dabei traditionell im Spekulationsvisier. Doch in den vergangenen Wochen hat sich erneut ein Schwächeanfall bei den Emerging Markets ausgebreitet. Gegen den US-Dollar wurde auf breiter Front abgewertet. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 3.10.2014)
  • Euro und Dollar gehen aktuell getrennte Wege. Weil Investoren mit steigenden US-Zinsen rechnen, legt der US-Dollar kräftig zu, das hat wichtige Implikationen für Anleger.
    foto: epa/berg

    Euro und Dollar gehen aktuell getrennte Wege. Weil Investoren mit steigenden US-Zinsen rechnen, legt der US-Dollar kräftig zu, das hat wichtige Implikationen für Anleger.

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