Die Dress-Codes im Filmleben

2. Oktober 2014, 17:00
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Apparatus 22 und Lundahl & Seitl zu Körper und Medien

Graz/Bad Gleichenberg - Kleider machen Leute, das Kino macht die Bilder. Zwei gleich mehrere Kunstformen verbindende Projekte thematisieren beim Steirischen Herbst zwei einander nicht ganz unverwandte mediale Formen.

Die rumänische Künstlergruppe Apparatus 22 untersucht in Kartografie II (Bad Gleichenberg) zusammen mit dem Publikum, was sich in (nicht: hinter) den Fassaden verbirgt, die wir uns täglich anziehen. Und die Oberflächen, die wir uns täglich reinziehen, schaut sich das Künstlerduo Lundahl & Seitl genauer an: An Elegy to the Medium of Film ist nicht weniger als ein Tauchgang in die Tiefen der Prägungen, die der Film in uns hinterlässt.

Unter dem Einfluss von Laufbildern stehen alle heute lebenden Generationen. Kino, Fernsehen und Internet haben eine wachsende mediale Gebärmutter für unsere Vorstellungen von der Welt, ihrer Natur, den Menschen und deren Taten gebildet. Lundahl & Seitl machen sehr direkt erfahrbar, wie groß und aktiv der aus Filmen generierte Referenzraum ist, mit dessen Hilfe heute durch das Leben navigiert wird.

Choreografin Martina Seitl und Künstler Christer Lundahl, die 2012 Symphony of a Missing Room bei den Salzburger Festspielen mit dem Montblanc Young Directors Award ausgezeichnet wurden, arbeiten in London. Sie sind spezialisiert auf großformatige, installativ-performative Werke, in die das Publikum und seine Wahrnehmungen eingebettet werden.

Ein Publikum, das auch in seine Gewänder gebettet ist, die Apparatus 22, derzeit Erika Olea, Maria Farcas, Dragos Olea und Ioana Nemes, in ihrer neuen Arbeit "kartografieren" wollen. 2011, im Jahr seiner Gründung, war das Kollektiv beim Steirischen Herbst zu Gast. Damals ging es unter dem Titel Morpheus Buyback um unsere Albträume.

Zum Albtraum kann auch die Frage "Was ziehe ich heute an?" werden, denn die Beantwortung findet innerhalb eines einigermaßen komplizierten sozialen Musters statt, das im Alltag nicht leicht erkennbar ist. Apparatus 22 kümmert sich darum. Seine Gäste werden in verschiedenen Posen abgelichtet und Teil einer Installation, die das Verhältnis zwischen dem, was wir sind, und dem, was wir anziehen, sichtbar macht.

Sowohl Lundahl & Seitl als auch Apparatus 22 machen mehr aus ihrem Publikum. Sie beteiligen es - ohne Peinlichkeit und Denunziation - an Experimenten zum besseren Verständnis dessen, was uns insgeheim kontrolliert. So sieht "politische Kunst" heute aus: Sie klärt auf, ohne zu schulmeistern. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 3.10.2014)

An Elegy to the Medium of Film, Schauspielhaus Graz, 9. - 15. 10. 14.30, 16.00, 18.30, 20.00 & 21.30 Kartografie II, Bad Gleichenberg, Musikpavillon, 17.10.: 14.00 - 19-00, 18.10.: 10.00 - 13.00 & 15.00 - 19.00, 19. 10.: 10.00 - 14.00.


Dieser Artikel ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Steirischen Herbst. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

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