Der Traum von der Verweigerung

2. Oktober 2014, 17:00
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Ebermann, Stadlober und Co im Dialog mit Marcuse

Graz - "Wenn wir einander unsere Vorlieben und Abneigungen mitteilen, müssen wir die Ausdrücke unserer Reklamesprüche, Kinos, Politiker und Bestseller benutzen", schrieb der deutsch-amerikanische Philosoph Herbert Marcuse 1964 in dem Band Der eindimensionale Mensch.

"Der Mensch redet wie die Werbung - man versteht diesen Satz heute kaum noch", meint dazu der Autor Thomas Ebermann in den "Randnotizen" zum Steirischen Herbst: Die Menschen redeten inzwischen nämlich gar "ärmer als die Werbung". Dass heute jeder alles immer kommentieren darf, liege nur daran, dass man nichts mehr sagen könne. "Selbst die Zustimmung ist zum Spottbild des auf den Mund gefallenen Idioten verstümmelt", schreibt Ebermann im Hinblick auf den allgegenwärtigen "Gefällt mir"-Knopf.

Der eindimensionale Mensch - Untertitel: Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft - ist eines der Schlüsselwerke der Kritischen Theorie. Deren Grundstein legten Theodor W. Adorno und Max Horkheimer mit dem 1944 erschienenen Essayband Die Dialektik der Aufklärung. Sie analysieren darin, inwiefern der wissenschaftlich-rationale Geist im Bestreben, Mythos und Aberglauben auszutreiben, lediglich neue Mythen erzeugt.

Adorno und Horkheimer geißeln eine "instrumentelle Vernunft", die gefährliche, verborgene Macht ausübe, Menschen objektiviere und Individualität verunmögliche. Vom "verwalteten Menschen" spricht dann Marcuse, der mit seiner Systemkritik die 68er-Bewegungen beeinflusste.

Weil Marcuses Analysen aber auch heute "mehr als relevant" seien, richtet man seinem Eindimensionalen Menschen im Steirischen Herbst jetzt eine Fünfzigerfeier aus: Vier Performer werden in einem Konzert-Theater über Marcuse und sein Gegenkonzept der "großen Verweigerung" streiten bzw. "dialogisieren". Neben Thomas Ebermann nehmen Andreas Spechtl, Frontmann der Diskurspopper Ja, Panik, Robert Stadlober, Musiker und Schauspieler, sowie Kristof Schreuf, ehemals Sänger der Band Kolossale Jugend, am Bühnendiskurs teil. (Roman Gerold, DER STANDARD, 3.10.2014)

"Der eindimensionale Mensch wird 50", Heimatsaal im Volkskundemuseum, 9. 10. und 10. 10., 21.30


Dieser Artikel ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Steirischen Herbst. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

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