Songwriters Epilog in der Kirche

2. Oktober 2014, 17:00
posten

Kanadier Spencer Krug alias Moonface beendet Herbst

Graz - Mit Miley Cyrus hat Spencer Krug im Prinzip nichts gemeinsam. Trotzdem darf den Sänger sein bester Kumpel mit Miley anreden, wie er in einem Brief zu seiner kürzlich erschienenen EP City Wrecker verriet. Denn den gleichnamigen Titelsong schrieb Krug, kurz bevor die trällernde Popgöre ihren Hit Wrecking Ball veröffentlichte.

Das war dann auch die einzige Parallele zwischen Cyrus und dem kanadischen Sänger, dessen Flaggschiff in den Nullerjahren die Indie-Rock-Band Wolf Parade war. Mitunter verlor man etwas den Überblick, in welcher Formation Spencer Krug gerade mitmischte: Sunset Rubdown, Frog Eyes, Swan Lake oder Fifths of Seven. Unter dem Künstlernamen Moonface gastiert Krug beim Steirischen Herbst, am Klavier wird er in der Antoniuskirche das Festival abschließen.

Abgeschlossen hatte der Sänger 2011 zunächst auch mit seiner Heimat Kanada. Er kehrte den Wäldern Vancouvers den Rücken und suchte in Finnland neue Inspiration. Womit lassen sich kalte Wintertage in Helsinki besser aushalten, als Songs schreibend am Klavier? So entstand im vergangenen Jahr das Moonface-Album Julia With Blue Jeans On. Harmonische Arrangements, in denen abwechselnd Gesang und kräftig angeschlagene Klaviertasten dominieren. Sentimental und erhebend zugleich geht es zum Beispiel in Barbarian zu, das mindestens Potenzial als Filmmelodie hätte.

Am Klavier, so scheint es, entfaltet Krug erst seine ganze Musikalität und sein Talent als Singer-Songwriter. Auf City Wrecker finden sich ebenfalls intime Stücke mit sparsam dosierten Klavierakkorden, vorgetragen von seiner eindringlichen, bisweilen sich überschlagenden Stimme. Fünf ruhige, sanfte Songs, die, obwohl sie fast verwandt klingen, doch ihren eigenen Charakter entwickeln. Auf The Fog verleihen einzig die verzerrten, streicherartigen Synthesizerklänge dem Stück eine gewisse Unruhe und Tempo. "Going in and going out again" singt er darin, denn auch ihn selbst plagt Unruhe. An Orten hält er es nicht lange aus, er demoliert, zerstört sie emotional, wie er im erwähnten Brief schreibt. (Michael Ortner, DER STANDARD, 3.10.2014)

Antoniuskirche, 19. 10., 17.30


Dieser Artikel ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Steirischen Herbst. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

Share if you care.