Kaserne mit Seesicht für die Blasmusik

2. Oktober 2014, 17:43
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Am Bregenzer Bodenseeufer hat der Bund ein Millionenvermögen. Die Bilgeri-Kaserne in 1a-Lage wird von Militärmusik und Verwaltung genutzt

Bregenz – Keine Militärfahrzeuge, keine exerzierenden Soldaten, keine Befehlstöne. Der Hof der Bilgeri-Kaserne in Bregenz scheint bis auf rund 20 parkende Privatautos verwaist zu sein. "Stimmt schon, der Platz schaut leer aus", sagt Pressesprecher Michael Kerschat. Die Militärfahrzeuge seien Einsparungen zum Opfer gefallen. Geisterhaus sei die Kaserne am Bodenseeufer aber keines.

Bis zu 250 Mann – Militärmusik, Stabskompanie und Militärkommando – befinden sich in der Kaserne, sagt Kerschat. Der Großteil aber nur tagsüber. Denn nach einem Monat Grundwehrdienst sind Musikanten und andere Rekruten Heimschläfer. Deshalb sehe man abends nur hinter einigen der 120 seeseitigen Fenster Licht.

Familiensilber

Die Bregenzer Kaserne, vor 151 Jahren errichtet und nach dem Skipionier und Militäralpinisten Georg Bilgeri benannt, ist eine gute Wertanlage für den Bund, quasi Familiensilber. Die beiden imposanten Hauptgebäude stehen direkt an Uferstraße. 800 bis 1500 Euro bezahlt man in diesem Stadtteil pro Quadratmeter in Seelage.

Das 25.762 Quadratmeter große Kasernengelände liegt mitten im Wohngebiet. Ein Viertel des Geländes ist verbaut. Ob die Bregenzer Kaserne auf der Verkaufsliste steht, kann Michael Kerschat nicht sagen: "Ich glaube nicht, aber bald wissen wir mehr", verweist er auf angekündigte Informationen des Ministeriums.

Verkauft wird nicht

Nichts von einem Verkauf wissen möchte Sicherheits-Landesrat Erich Schwärzler (VP): "Der Verkauf kommt nicht infrage. In der Bregenzer Kaserne ist das Militärkommando untergebracht und deshalb bleibt die Kaserne." Und zwar aus Sicherheitsgründen. Man könne das Militärkommando ja nicht in irgendeinem Bürohaus unterbringen, sagt der Landesrat.

Die 70 Mann des Kommandos haben ihre Büros in einem eigenen Gebäude im bergseitigen Teil des Geländes. Könnte sich Schwärzler den Verkauf der beiden Hauptgebäude am See vorstellen? "Da müsste ich mir die Situation zuerst anschauen, ich kenne sie nicht so genau."

Ladenhüter wäre die Kaserne sicher keiner, sagt der Bregenzer Immobilienhändler Reinhard Götze. Die Lage sei 1a, Preisdrücker könnte aber der Denkmalschutz sein. Hotelnutzung, Mietwohnungen, eine Verbauung des Hofes wären aus seiner Sicht möglich. Stiftungen und Versicherungen sieht Götze als potenzielle Interessenten. Ein Beispiel von Nachnutzung kann man von der Bilgeri-Kaserne aus sehen. Rund zwei Kilometer entfernt wurde aus der Lochauer Kaserne ein Seehotel. (Jutta Berger, derStandard.at, 2.1.0.2014)

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