Verbesserungen bei Anerkennung der Qualifikationen von Migranten 

10. November 2014, 17:00
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Migranten arbeiten nur allzu oft weit unter ihren Qualifikationen. Ist die Sprachbarriere schuld? Wenn es nur so einfach wäre. Die Anerkennung der Kompetenzen ist noch immer ein langer Weg. Das schadet beiden Seiten

Es ist nicht immer die Sprachbarriere, die den Einstieg von Migranten in ihren Qualifikationen entsprechende Jobs erschwert. Denn nicht jede Ausbildung, die im Herkunftsland abgeschlossen wurde, wird automatisch auch in Österreich als solche anerkannt. Vor allem Qualifikationen von Facharbeitern, aber auch Akademikern, werden laut einer Studie der Donau Universität Krems nicht immer voll genutzt. Nur jeder Fünfte mit Lehrabschluss, jeder Vierte mit einem Abschluss an einer berufsbildenden Schule und jeder Dritte mit Matura oder Hochschulabschluss verfügt über eine Anerkennung seiner Ausbildung.

Im Jahr 2012 kamen mehr als 40.000 Personen im erwerbsfähigen Alter nach Österreich, mehr als die Hälfte davon aus Ländern der Europäischen Union und der Schweiz. Als volkswirtschaftlichen Unsinn bezeichnete Außenminister Sebastian Kurz im Standard-Interview die Tatsache, dass fast jeder Dritte mit Migrationshintergrund in Österreich unter seinen Qualifikationen arbeitet. Im Vergleich dazu: Ohne Migrationshintergrund fühlt sich nur jeder Zehnte für seinen Beruf überqualifiziert. Und Migrantinnen arbeiten häufiger unter ihren Qualifikationen als Migranten.

Gut ausgebildet

Beim Bildungsprofil unterscheiden sich in Österreich lebende Personen aus dem Ausland deutlich von Personen ohne Migrationshintergrund. Während Österreicher überdurchschnittlich oft über einen Abschluss auf mittlerer Bildungsebene (Lehre oder berufsbildende mittlere Schule) verfügen, sind Migranten sowohl in den höchsten als auch in den niedrigsten Bildungsschichten überproportional vertreten.

Aber unabhängig vom Bildungsniveau sind Personen mit Migrationshintergrund häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Österreicher. 2012 war die Arbeitslosenquote unter Ausländern mit 9,7 Prozent deutlich höher als unter Österreichern (6,5 Prozent). Bei den Ausländern, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügten, lag sie 2012 bei 18 Prozent, bei Österreichern mit selbigem Abschluss waren es 14 Prozent.

Verkürzte Wege

In den letzten Jahren wurden vor allem im Bereich der Anerkennung von akademischen Abschlüssen Wege verkürzt. Dafür wurde die bestehende Informationsstelle im Wissenschaftsministerium, das National Academic Recognition Information Center (Naric), zu einer zentrale Informationsstelle für Fragen zur internationalen Anerkennung von akademischen Titeln und Abschlüssen ausgebaut.

Um einen Abschluss nostrifizieren zu lassen, müssen ausländische Hochschulabsolventen nicht mehr selbst herausfinden, welche österreichische Universität für sie zuständig ist, sondern können ihre Anträge direkt dort einreichen. Außerdem wurde die maximale Bearbeitungsdauer an den Unis von sechs auf drei Monate verkürzt.

Akademische Titel müssen dann nostrifiziert werden, wenn Zuwanderer in einem in Österreich gesetzlich reglementierten Beruf wie Arzt, Lehrer, Zivilingenieur oder Rechtsanwalt arbeiten wollen. Aber auch bei Abschlüssen im nichtreglementierten Bereich ist Naric die erste Anlaufstelle, um Studien bzw. deren Abschlussniveau mit österreichischen Studienabschlüssen zu vergleichen.

Starker Anstieg

Durch diese Erleichterungen ist die Zahl der Anerkennungen ausländischer Titel in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 2013 wurden bereits 4600 Anträge gestellt, 95 Prozent davon wurden positiv erledigt. Der Großteil der Antragsteller kommt aus osteuropäischen Ländern, an erster Stelle Ungarn, gefolgt von Russland und Rumänien. Das erste nicht-europäische Land in der Statistik ist Ägypten auf Platz zehn.

Wer als Ausländer in Österreich ein Studium absolviert hat, braucht zwar keine Anerkennung seiner Qualifikationen; um aber als Drittstaatsangehöriger nach Studienende hier auch arbeiten zu können, braucht man eine Rot-Weiß-Rot-(RWR)-Karte. Im Vorjahr wurden lediglich 1177 Bewilligungen für Zuwanderer erteilt, die als besonders qualifiziert eingestuft wurden bzw. einen sogenannten Mangelberuf erlernt haben. Vor drei Jahren war man von jährlich 8000 Personen ausgegangen.

Verbesserungsbedarf

Zwei Punkte werden in diesem Zusammenhang von Experten kritisiert: Einerseits werde ein Bachelor nicht als Abschluss anerkannt, und andererseits müssen Absolventen von Master- oder PhD-Studien innerhalb von sechs Monaten einen gutbezahlten Job finden. Um dem Brain Drain entgegenzuwirken, müsse die RWR-Karte dringend überarbeitet werden, heißt es auch aus der Wirtschaftskammer. Die Rot-Weiß-Rot-Karte sei in ihrer jetzigen Form zu wenig attraktiv und die Einkommensgrenze von 2000 Euro für Studienabsolventen zu hoch.

Zwar ist die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen in Österreich formal nicht einheitlich geregelt, doch Erleichterungen gibt es auch ganz allgemein. Mit nur sechs Klicks zur zuständigen Stelle verspricht die Informationsseite Berufsanerkennung.at
des österreichischen Integrationsfonds. Der Online-Wegweiser wurde überarbeitet und erweitert.

Mehr Frauen

Genaue Beschreibungen der am häufig nachgefragten Berufe sollen zugewanderte Personen dabei unterstützen, das österreichische Pendant zu ihrer mitgebrachten Berufsausbildung zu finden. Darüber hinaus wurden regionale Anerkennungsberatungsstellen eingerichtet. Und mit rund 4600 Beratungen wurden die Erwartungen in allen Bundesländern übertroffen.

Besonders erfreulich: Fast zwei Drittel der Ratsuchenden waren Frauen. Mehr als 40 Prozent hatten eine EWR-Staatsbürgerschaft, der Rest kam aus Drittstaaten. Vor allem Hochqualifizierte suchten die Beratungseinrichtungen auf. Die Hälfte hatte in der Heimat ein Studium absolviert, weitere 30 Prozent verfügte über einen Maturaabschluss. (aus unserem Jahresmagazin KarrierenStandards 2014)

  • Der Weg zur beruflichen Anerkennung von ausländischen Qualifikationen wurde zwar erleichtert, Verbesserungpotenzial gibt es aber noch weiter.
    foto: www.istockphoto.com/bertos

    Der Weg zur beruflichen Anerkennung von ausländischen Qualifikationen wurde zwar erleichtert, Verbesserungpotenzial gibt es aber noch weiter.

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