ERR-Pleite ist heuer die größte Insolvenz

2. Oktober 2014, 14:13
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Sanierungsverfahren über ERR Rail Rent Vermietungs GmbH eröffnet - Waggonbesitzfirma stolperte offensichtlich über Zinsswapgeschäfte

Wien - Am Handelsgericht Wien wurde heute, Donnerstag, das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung über die Wiener ERR Rail Rent Vermietungs GmbH eröffnet. Mit Passiva in Höhe von 209,5 Mio. Euro ist es die bisher größte Firmenpleite in diesem Jahr, teilen die Kreditschutzverbände KSV 1870, AKV und Creditreform mit. Die Aktiva belaufen sich auf 186,4 Mio. Euro, die Überschuldung beträgt 23,1 Mio. Euro.

Bei der ERR handelt es sich um eine Waggonbesitzgesellschaft, in deren Besitz sich rund 3.900 Güterwaggons befinden. Die Bewirtschaftung und der Vertrieb erfolgt durch die deutsche ERR European Rail Rent GmbH mit Sitz in Duisburg. Zwischen den beiden Gesellschaften besteht laut Kreditschützern kein direktes Gesellschaftsverhältnis. Die Schuldnerin beschäftigt derzeit nur drei Dienstnehmer. Eine Fortführung des Unternehmens ist geplant.

Die Ursache für das Abgleiten in die Insolvenz sind offenbar schief gegangene Zinsswaps, die in den Jahren 2007 und 2008 - also knapp vor dem durch die Lehman-Pleite markierten Höhepunkt der Finanzkrise - zur Absicherung von Zinsrisiken abgeschlossen wurden. Diese Zinsswap haben laut den Angaben des insolventen Unternehmens eine finanzielle Krise verursacht, so die Kreditschützer zur APA. Hier seien bereits Verfahren gegen Banken bei Gericht anhängig. Es ging Eigenkapital von mehr als 55 Mio. Euro und Liquidität in Höhe von 28 Mio. Euro verloren.

Bilanzverlust

Laut Firmenbuch belief sich der Bilanzverlust per Jahresende 2012 bereits auf 6,5 Mio. Euro. Stark zu buche schlugen Zinsen und ähnliche Aufwendungen in Höhe von knapp 11 Mio. Euro.

Angeboten wird die gesetzliche Mindestquote für Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung von 30 Prozent. Die Schuldnerin stellt jedoch von sich aus eine substanzielle Verbesserung der Quote in Aussicht. Jetzt werde geprüft, ob im Rahmen der Sanierung ein Teil des Waggonparks verwertet wird. Beabsichtigt sei, die Quote aus den laufenden Erträgen und den Teilverwertungen aufbringen zu können, wie hoch sie auch sein wird.

Unüblich ist auch die Gläubigerstruktur der Schuldnerin: Bei den Gläubigern handelt es sich im Wesentlichen um sieben finanzierende Kreditinstitute. Der Ankauf der Waggons erfolgte nämlich über Kreditfinanzierungen oder Leasingverträgen.

Die erste Gläubiger- und Berichtstagsatzung ist für den 20. Oktober anberaumt. Die Anmeldefrist für Forderungen läuft bis zum 30. Oktober. Am 13. November findet die allgemeine Prüfungstagsatzung statt. Die entscheidende Sanierungsplantagsatzung ist für den 18. Dezember anberaumt. Sanierungsverwalterin ist Rechtsanwältin Ulla Reisch. (APA, 2.10.2014)

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