Ein Jahr nach Lampedusa: Film beleuchtet Migrantenschicksale

2. Oktober 2014, 13:23
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Südtiroler Regisseur Hofer drehte Dokumentarfilm in italienischen Schubhaftgefängnissen

Rom - Ein Jahr vor dem Flüchtlingsdrama vor Lampedusa bei dem 368 Migranten ums Leben gekommen sind, beschäftigt sich der Südtiroler Regisseur Gustav Hofer mit Einwandererschicksalen in Italien. In seinem neuen Dokumentarfilm "Limbo" befasst sich der 38-Jährige mit der Lage von in Schubhaftanstalten eingesperrten Migranten.

Sie heißen "Zentren für Identifikation und Ausweisung", abgekürzt CIE: Sie sind die Hölle für tausende papierlose Migranten in Italien. Die Schubhaftanstalten, in denen Ausländer ohne Dokumente bis zu 18 Monate eingesperrt und dann abgeschoben werden können, sind Käfige, in denen für viele Flüchtlinge der Traum eines neuen Lebens im wohlhabenden Europa zerschellt. Die CIE-Insassen sitzen monatelang in einem Gefängnis, obwohl sie sich außer der illegalen Einreise oder der abgelaufenen Aufenthaltsgenehmigung nichts haben zuschulden kommen lassen.

Tragödie aus Sicht der Angehörigen

Hofer, gebürtig aus dem Südtiroler Sarnthein, aber wohnhaft in Rom, befasst sich nicht nur mit dem Schicksal von Menschen, die eine Haft ohne Verurteilung erdulden müssen, sondern auch um jenes ihrer Familien. Denn oft haben die CIE-Insassen, die nicht Häftlinge genannt werden, sondern offiziell "Festgehaltene" oder gar "Gäste", Kinder, Ehefrauen und Eltern, die von ihnen abhängen und die mit ihnen durch die Gefangenschaft in eine ungewisse Zukunft mitgerissen werden.

Hofer beleuchtet mit bohrendem aber zugleich einfühlsamem Blick die Dramen junger Menschen, die in Italiens CIE-Gefängnissen landen. Er verzichtet bewusst darauf, die gewaltsamen Szenen zu zeigen, die sich täglich in den Auffanglagern abspielen und konzentriert sich auf die Erzählungen der Migranten. "Ich wollte mich auf das Drama von Menschen konzentrieren, die eingesperrt werden, obwohl sie nur eine einzige Schuld haben: nämlich keine gültigen Dokumente zu besitzen. Ich wollte ihre Tragödie nicht nur aus ihrer Sicht, sondern auch aus jener ihrer Angehörigen erzählen", berichtete der Regisseur.

Hofer ist auf die Produktion von Dokumentarfilmen spezialisiert, in denen er sich mit Italiens Realität befasst. So erntete er 2011 großen Erfolg mit dem Doku-Film "Italy love it or leave it", für den er ganz Italien bereiste und nach guten Gründen suchte, um trotz schlechter Wirtschaftslage, Mafia und Politik im Stiefelstaat nicht zu verlassen. 2013 stellte er "What is Left" vor, einen zum Teil in Südtirol gedrehten Dokumentarfilm, in dem sich Hofer mit den Idealen und Werten der Linken in Italien auseinandersetzte. (APA, 2.10.2014)

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