Darmkrebs: Viel zu wenige Untersuchungen zur Früherkennung in Österreich

2. Oktober 2014, 12:15
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Bei rechtzeitiger Koloskopie sind die meisten Fälle heilbar, allerdings nimmt nur jeder Zehnte die angebotenen Untersuchungen in Anspruch

Der Nutzen der Darmspiegelung zur Früherkennung von Karzinomen und deren Vorstufen übersteigt laut dem Wiener Onkologen Heinz Ludwig andere Krebs-Früherkennungsmaßnahmen. Doch nur elf Prozent der Menschen über 50 Jahren nehmen in Österreich die angebotenen Untersuchungen in Anspruch, heißt es anlässlich des zehnjährigen Bestehens der der Selbsthilfegruppe Darmkrebs.

Jeder 17. Österreiche erkrankt

2011 wurden in Österreich 4.348 Darmkrebserkrankungen registriert, 2.175 Menschen starben an der Krankheit. "Sechs Prozent der Bevölkerung sind im Laufe ihres Lebens mit dem Problem Darmkrebs konfrontiert. Das ist jeder 17. Österreicher", sagt Ludwig. Dabei ist die Mortalitätsrate in den vergangenen 20 Jahren um 20 Prozent gesunken.

Eine ab dem 50. Lebensjahr alle sieben bis zehn Jahre durchgeführte "sanfte" Koloskopie erlaubt die Frühdiagnose und Beseitigung von Karzinom-Vorstufen oder eines Karzinoms im zu 90 Prozent heilbaren frühen Stadium. Dickdarmkarzinome entwickeln sich zumeist langsam, was genug Zeit zum Einschreiten bietet. Die Genauigkeit dieser Früherkennungsuntersuchung ist extrem hoch.

Neuer Rahmenplan

Zur Koloskopie ruft auch der derzeit von der Krankheit betroffene ehemalige Grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger auf. Bei ihm hatte man im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung im Jänner dieses Jahres ein Karzinom entdeckt, das eine sofortige Operation notwendig machte. "Klar, 'man' ist für Prävention. Nur selbst soll es einen nicht betreffen", sagt der Ex-Politiker.

Er habe das österreichische Gesundheitswesen und die Spitäler von sehr guter Seite her erlebt. Wichtig sei es, der Bevölkerung seriöse Informationen zu Vorsorge, Frühdiagnose und Therapie zu geben. Einfach ungezielt zu googeln mache eher "krank".

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser wies auf den österreichischen Rahmenplan zu den Krebserkrankungen hin, der in nächster Zeit vorgestellt werden soll. Daran wurde seit 2010 gearbeitet. "Wir brauchen vor allem im Bereich der Prävention ein paar Dinge: Rauchstopp und eine Unterstützung der Rauchertherapie", so Oberhauser. Man habe mit der Gratis-HPV-Impfung für Kinder einen wesentlichen Fortschritt geschafft. Jetzt gehe es darum, die qualitätsgesicherten Screeningprogramme in Österreich in der Bevölkerung zu propagieren.

Zusammenhang mit Fleischkonsum

Einen anderen Ansatz verfolgt der deutsche Mediziner Harald zur Hausen. "Man hat in Weltregionen mit hohem Konsum von rotem Fleisch eine um 20 bis 30 Prozent erhöhte Darmkrebsrate festgestellt", sagt zur Hausen. Für seine Entdeckung des Zusammenhangs zwischen der chronischen Infektion mit Human Papilloma Viren (HPV) und der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sowie einigen anderen Karzinomen erhielt er 2008 den Medizin-Nobelpreis. Nun geht er mit seinem Team dem möglichen Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Darmkrebs nach.

Zunächst glaubte man, dass bei der Zubereitung durch Grillen etc. dafür verantwortliche Karzinogene entstehen würden. Doch in Regionen, in denen Fisch und Geflügel so wie Rindfleisch zubereitet wird, gibt es den Effekt nicht, auch nicht in Weltregionen mit anderen Rinderarten als in Europa und Amerika. Bei der Untersuchung von 130 Rindern durch Veterinärmediziner in Leipzig und Tests an den Produkten von den Tieren fanden sich laut zur Hausen 18 neue "Agentien", die wahrscheinlich von Viren oder Keimen stammen und eventuell mit dem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung zu bringen sind.

Eindeutig wissenschaftlich belegt ist diese Hypothese noch nicht. Doch der Nobelpreisträger hat eine Hoffnung, wenn das wirklich der Fall wäre: "Mein Traum wäre, dass man die Rinder impft und die Menschen vor Darmkrebs schützt." (APA, derStandard.at, 2.10.2014)

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