Burgtheater: Findung in Endphase, Thalheimer bestätigt Gespräch

2. Oktober 2014, 11:51
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Die Bekanntgabe der künstlerischen Leitung soll Mitte Oktober erfolgen, Regisseur Michael Thalheimer warnt vor einem "Kasperletheater"

Wien - Bis Mitte Oktober will Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) über die künftige künstlerische Leitung des Burgtheaters entscheiden. "Dieser Zeitplan ist ambitioniert, aber wir werden es schaffen", sagt Christian Strasser, Burg-Aufsichtsratsvorsitzender und Mitglied der Findungskommission.

Die Findungskommission, der auch der Dramaturg Hermann Beil, Regisseur Götz Spielmann, Operndirektorin Elisabeth Sobotka sowie die kaufmännische Chefin der Komischen Oper Berlin und Burg-Aufsichtsrätin Susanne Moser angehören, werde sich nicht auf einen einzigen Namen einigen, müsse aber nicht notwendigerweise ein Dreier-Vorschlag abgeben: "Der Minister wird einen Vorschlag mit mehreren Namen bekommen."

"Bis dahin wartet noch viel Arbeit auf uns", sagt Strasser. "Wir haben viele spannende Gespräche geführt und werden noch mit ein, zwei weiteren Kandidaten Gespräche führen. Sehr erfreulich ist, dass die Bedeutung des Burgtheaters trotz des Finanzskandals nach wie vor ungebrochen ist. Man kriegt noch immer die Besten der Besten - wenn man mit ihnen ernsthafte und gute Gespräche führt."

Nestroy-Preisträger Michael Thalheimer bestätigt Gespräch

Ein solches Gespräch bestätigt der renommierte deutsche Regisseur Michael Thalheimer. "Ich habe mich nie beworben, bin aber von der Findungskommission angefragt worden. Ich hatte ein Treffen mit der Kommission. Ich habe mich dort vorgestellt und über das Burgtheater gesprochen. Es war ein erstes Kennenlernen", so Thalheimer. Er sei allerdings sehr irritiert gewesen, dass wenige Tage später sein Name im Zusammenhang mit dem Burgtheater in der Presse aufgetaucht sei. "Eine Findung für ein Haus von der Wichtigkeit des Burgtheaters sollte seriös ablaufen. Im Moment hat man das Gefühl, in Wien entsteht daraus ein Kasperletheater. Da bin ich sehr froh, dass ich derzeit in Paris und nicht in Wien arbeite." Am Theatre National de la Colline inszeniert Thalheimer derzeit "Der Auftrag" von Heiner Müller auf Französisch (Premiere: 5. November).

Zu seinen möglichen Burgtheater-Ambitionen hält sich Thalheimer, der noch nie eine Intendanz bekleidet hat, als Regisseur jedoch vielfach ausgezeichnet wurde (so erhielt seine "Burgtheater-"Elektra" im Vorjahr den Regie-"Nestroy"), bedeckt. Eines lässt er aber erkennen: "Ich glaube, die Finanzen werden ein dauerhaftes Problem sein. Das ist nicht in zwei Jahren geklärt. Wer Burgtheater-Direktor wird, wird sich damit beschäftigen müssen."

Auf die offizielle Aufschreibung der Direktion ab 1. September 2016 - nach dem Hinauswurf von Matthias Hartmann leitet nun Karin Bergmann das Haus interimistisch - waren 21 Bewerbungen eingegangen, die Kommission hat sich aber auch stets vorbehalten, Kandidaten selbst anzusprechen.

Dies ist auch Wilfried Schulz so ergangen, der eigentlich noch bis 2018 einen gültigen Vertrag als Intendant des Dresdner Staatsschauspiels hat. Gegenüber der "Sächsischen Zeitung" bestätigte er, dass man ihn gebeten habe, seine Vorstellungen über die Zukunft des Burgtheaters darzulegen. "Darüber habe ich eine Woche nachgedacht", so Schulz, "denn ich fühle mich in Dresden nicht unzufrieden." Er habe sich über die Anfrage gefreut, "weil es ein Zeichen der Achtung für meine Arbeit in Dresden ist." Diese sei ihm "sehr viel wert, und es müsste schon viel dagegen stehen, sie zu beenden". Im Falle, dass er berufen würde, müsste er erst einmal alle Bedingungen klären. "Es ist keine ungefährliche Position", so Schulz in dem Blatt.

Martin Kusej steht für eine Direktion "nicht zur Verfügung"

Andere Kandidaten, die von "News" Mitte September in Spiel gebracht wurden, haben ihr Interesse bereits dementiert. Martin Kusej (österreichischer Intendant des Residenztheaters München) erklärte, für eine Direktion "nicht zur Verfügung" zu stehen. Seine Aufgaben in München seien "noch lange nicht abgeschlossen".

Ulrich Khuon hatte gegenüber dem Online-Theatermagazin nachtkritik.de erklärt, er habe sich nicht beworben und werde daher auch zu keinen Gesprächen nach Wien reisen: "Ich habe am Deutschen Theater Berlin einen Vertrag bis 2019, den ich sehr gern erfüllen werde."

Und Frank Baumbauer (69), der sich einst mit Klaus Bachler ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Peymann-Nachfolge geliefert hatte, hatte der "Süddeutschen Zeitung" zwar bestätigt, kontaktiert worden zu sein, "ich habe aber gesagt, dass ich nicht zur Verfügung stehe, weil ich mich nicht in einen Wettbewerb mit anderen Kandidaten begeben möchte".

Bleibt von den sechs Namen der angeblichen Shortlist nur noch Interimsdirektorin Karin Bergmann, die auf ihrer ersten Spielplan-Pressekonferenz erklärt hatte, sich nicht beworben zu haben. Dass ihr Name in jüngster Zeit dennoch häufig in den Medien zu finden ist, hat vor allem einen Grund: Die Anwälte Matthias Hartmanns setzen im Arbeitsgerichtsprozess alles daran, sie anzuschwärzen. Direktorenverhindern war in Wien immer schon spannender als Direktorenfinden. (APA, 2.10.2014)

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