#Gamergate-Unterstützer setzen kritische Journalisten und Werber unter Druck

2. Oktober 2014, 11:41
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Intel zog nach Protesten über Gamasutra-Artikel Anzeige zurück

Unterstützer der Internetbewegung #Gamergate haben nach der Veröffentlichung einer Kolumne der Journalistin Leigh Alexander die renommierte Branchenseite Gamasutra mit organisierten E-Mail-Protesten unter Druck gesetzt und im Zuge dessen auch die Einstellung einer Werbekampagne des Chipherstellers Intel bewirkt.

Die langjährige Games-Reporterin hatte im August in einem Kommentar eine "aussterbende sexistische Konsumkultur" kritisiert und Spielhersteller dazu aufgefordert, dieser Kultur den Rücken zuzuwenden. Der Kommentar war eine Reaktion auf die massiven Anfeindungen gegenüber feministischen Videospielkritikern, die von Unterstützern der #Gamergate-Bewegung ausgegangen waren.

Werbekampagne zurückgezogen

"Ja, unsere Partner bei Intel wurden aufgrund eines Kommentars mit Beschwerden überflutet und sie haben eine Werbekampagne zurückgezogen", zitiert die Seite Recode eine Stellungnahme Gamasutras auf Twitter. Intel hat die Entscheidung ebenfalls bestätigt.

In einem Reddit-Eintrag hatte ein User dazu aufgerufen, die Geschäftsführung von Gamasutra anzuschreiben und den Protest schließlich auch gegen Werbepartner der Seite zu richten. Intels Einlenken legt die Vermutung nahe, dass sich viele der Beteiligten von Alexanders Sexismus-Kritik angegriffen gefühlt hatten. Alexander hat sich zu dem jüngsten Vorfall noch nicht geäußert. Sie ist eine der führenden Journalisten im Bereich Videospielkultur und schreibt neben Gamasutra auch für die Publikationen Vice, Polygon, The Guardian, Kotaku und Edge.

Widerspruch

Aus Sicht zahlreicher anderer #Gamergate-Unterstützer dürfte die Aktion allerdings alles andere als ein Erfolg sein. Denn während manche Vertreter den Schutz "ihrer Videospielkultur" im Sinn haben, fordern andere Mitglieder der Bewegung vor allem mehr Transparenz bei Branchenmedien und eine unabhängigere Berichterstattung über Games. Journalisten und Webseiten aufgrund kritischer Kommentare und Berichterstattung unter Druck zu setzen, nur weil diese nicht den persönlichen Anschauungen entsprechen, widerspricht diesen hehren Absichten komplett.

Angriffe gegen Kritiker, Spieler und Spielentwickler hatte die Games-Branche unterdessen bereits Anfang September in einem offenen Brief scharf verurteilt. Tausende Entwickler sprachen sich gegen die Einschüchterung, Belästigung und Bedrohung von Spielern, Entwicklern und Games-Kritikern aus. Mittlerweile wurde der Brief von einigen tausend Branchenleuten unterschrieben - inklusive zahlreicher führender unabhängiger sowie bei großen Studios wie EA, Ubisoft, Activision und Take-Two angestellter Entwickler. (zw, derStandard.at, 2.10.2014)

  • Leigh Alexander
    foto: giant bomb/leigh alexander

    Leigh Alexander

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