Rocket Internet geht mit Fehlstart an die Börse

2. Oktober 2014, 11:09
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Kurs rutsche vom Ausgabepreis von 42,50 Euro rasch auf 36,66 Euro ab

Die deutsche Online-Holding Rocket Internet ist bei ihrem Börsendebüt abgestürzt. Die Papiere des Berliner Unternehmens starteten am Donnerstag auf dem Ausgabepreis von 42,50 Euro in den Handel, rutschten aber schon in den ersten Minuten bis auf ein Tief bei 36,66 Euro ab.

Der Börsengang von Rocket ging wesentlich leiser vonstatten als beim Schwesterunternehmen Zalando, das am Mittwoch mit viel Brimborium an den Markt gegangen war. Auch die Zalando-Aktien brachen am Donnerstag in der Spitze um zehn Prozent ein und dämpften die Börsen-Euphorie der vergangenen Wochen. "Da wurden jede Menge Aktien auf den Markt geworfen", beschrieb ein Händler den Handelsstart von Rocket Internet. Selbst Stützungskäufe der Banken, die den Börsengang begleiteten, hätten kaum etwas gebracht: "Der Verkaufsdruck zur Eröffnung war so groß, dass die Emissionsbanken nicht dagegenhalten konnten."

Oliver, Marc und Alexander Samwer

Die Internet-Holding der Berliner Startup-Unternehmer Oliver, Marc und Alexander Samwer hatte die Aktien zu je 42,50 Euro zugeteilt und damit die Preisspanne voll ausgereizt. Doch nach den ersten Minuten herrschte bei den Managern gedrückte Stimmung. "Man muss Aktien langfristig betrachten und nicht kurzfristig an einem Tag, einer Woche oder einem Monat", sagte Oliver Samwer zu Reuters TV.

Rocket nimmt mit dem Börsengang bis zu 1,6 Mrd. Euro ein. Das Unternehmen hätte nach eigenen Angaben zu diesem Preis auch mehr als das Zehnfache der 37,9 Millionen angebotenen Papiere losschlagen können, obwohl Experten vor den Risiken einer solchen Aktie warnen. Rocket ist damit der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens in Europa seit dem Boom-Jahr 2000 und die größte Neuemission in Deutschland seit sieben Jahren. Das Unternehmen wird mit 6,7 Mrd. Euro bewertet.

Rocket gründet Online-Dienstleister - vom Möbelhändler bis zum Taxi-Dienst - vor allem in Schwellenländern wie Indien und Brasilien - am Fließband. Die Samwers bedienen sich dabei Geschäftsmodellen, die andere Startup-Unternehmer etwa in den USA schon mit Erfolg erprobt haben. Die Rocket-Firmen, die im Schnitt erst zwei Jahre alt sind, schreiben in der Regel aber noch hohe Verluste.

Auf der hohen Kante

Mit dem Börsengang hat Rocket mehr als zwei Milliarden Euro auf der hohen Kante. Oliver Samwer will die neu gegründeten Unternehmen künftig bei Erfolg auf Dauer behalten und nicht mehr wie bisher rasch Anteile an andere finanzkräftigere Investoren abgeben. Rocket solle "die führende Internetplattform außerhalb der USA und Chinas werden", hatte der Kölner Anwaltssohn sein Ziel formuliert. Er und seine beiden Brüder haben ebenso wie die anderen Alt-Eigentümer beim Börsengang keine Anteile abgegeben. Die Beteiligung des Global Founders Fund der Samwers wird aber auf knapp unter 40 von 52 Prozent verwässert. Der schwedische Internet-Investor Kinnevik hält künftig noch 14 Prozent. (APA, 2.10. 2014)

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