Zoologen führten Regenwurm-Inventur in Deutschland durch

2. Oktober 2014, 10:35
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Insgesamt wurden 46 Regenwurmspezies in deutschen Böden gezählt, eine davon dürfte endemisch sein

Görlitz - Forscher um Ricarda Lehmitz vom Senckenberg Forschungsinstitut Görlitz haben erstmals eine Bestandsaufnahme der Regenwurmarten in Deutschland durchgeführt. In 16.000 Datensätzen konnten insgesamt 46 verschiedene Regenwurmspezies identifiziert werden, eine sei als endemisch, wie Lehmitz und Kollegen im Fachjournal "Zootaxa" schreiben. Ein weiteres Ergebnis: Die Artenvielfalt nehme von Norden nach Süden zu.

"Ein Datensatz steht für einen Regenwurmfund an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit", erklärt Lehmitz. Die verwendeten Daten stammen aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Sammlungen, Diplom- und Doktorarbeiten, aber auch von Privatpersonen aus den letzten 100 Jahren. Auch die Online-Datenbank "Edaphobase", ein öffentlich zugängliches, bodenzoologisches Informationssystem mit knapp 500.000 Datensätzen bodenlebender Tiere, wurde hinzugezogen.

Endemischer Schwarzwaldwurm

Unter den 46 identifizierten Wurmarten befindet sich nur eine endemische Art, "Lumbricus badensis", der Badische Riesenregenwurm. Der bis zu 60 Zentimeter lange Wurm habe sich im südlichen Schwarzwald eine ökologische Nische geschaffen, so Lehmitz, und fügt hinzu. "Wir nehmen an, dass sich andere Regenwürmer in den relativ sauren Böden nicht wohl fühlen." Die verbreitetste und wohl bekannteste Art ist wiederum "Lumbricus terrestris", der Gemeine Regenwurm oder Tauwurm, der in allen Teilen Deutschlands anzutreffen ist.

Weiters berichten die Forscher, dass die Artenvielfalt der Regenwürmer von Norden nach Süden zunimmt. Dieser Trend entspreche auch der europäischen Verteilung von Regenwurmspezies. Grund dafür sei die letzte Kaltzeit, die vor etwa 115.000 Jahren begann und vor 11.700 Jahren endete. "Als die Gletscher sich zurückgezogen haben, konnten sich die Würmer vom Süden ausgehend wieder ausbreiten. In Deutschland gibt es 14 Arten, die nur in den südlichen Bundesländern vorkommen", so Lehmitz.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit

Die Bodenzoologin will aber nicht ausschließen, dass sich in einigen Gebieten Deutschlands weitere Arten finden lassen: "Besonders im Alpenraum und in speziellen Lebensräumen wie an Flussufern gibt es noch Nachholbedarf bei der Regenwurminventur." Und auch neue genetische Untersuchungen würden nicht selten unbekannte Arten ans Licht bringen. Sogar der wohl am gründlichsten erforschte "Lumbricus terrestris" wurde 2010 aufgrund einer DNA-Analyse in zwei - morphologisch nicht unterscheidbare - Arten unterteilt. (red, derStandard.at, 2.10.2015)

  • Am weitesten verbreitet: "Lumbricus terrestris", der Gemeine Regenwurm.
    foto: elisabeth neubert

    Am weitesten verbreitet: "Lumbricus terrestris", der Gemeine Regenwurm.

  • Weitaus seltener ist etwa der grüne "Apporectodea smaragdina". Er wurde bisher nur in den bayerischen Alpen gefunden
    foto: ulfert graefe

    Weitaus seltener ist etwa der grüne "Apporectodea smaragdina". Er wurde bisher nur in den bayerischen Alpen gefunden

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