Panne in US-Spital: Ebola-Patient zunächst nach Hause geschickt

2. Oktober 2014, 20:26
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US-Behörden prüfen fast 100 Verdachtsfälle - nur 18 Personen befanden sich aber in direktem Kontakt mit Infiziertem - Verdachtsfall auch in Deutschland

Washington/Freetown/Conakry - Nach der ersten Ebola-Diagnose in den USA ist nun bekannt geworden, dass der Patient in Texas schon am vergangenen Freitag eine Klinik aufgesucht und dabei über Ebola-ähnliche Symptome geklagt sowie seine Reise nach Afrika erwähnt hatte. Der Mann sei aber mit Medikamenten gegen Durchfall wieder nach Hause geschickt worden, weil eine Krankenschwester diese Information nicht weitergegeben hatte.

Bevor er am Sonntag in ein Krankenhaus in Dallas eingeliefert und unter Quarantäne gestellt wurde, hatte der Mann somit Kontakt zu weiteren Personen, unter anderen zu Kindern im schulpflichtigen Alter. Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, sagte am Mittwoch, Experten würden die Kinder nun zu Hause auf Anzeichen für eine Ebola-Erkrankung untersuchen. Auch in die vier Schulen, die die Kinder besuchen, wurden vorsichtshalber Ärzte geschickt. "Die Kinder zeigen keine Symptome, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie irgendeinen Virus verbreiten", sagte ein Vertreter der örtlichen Schulbehörde.

18 Verdachtsfälle in direktem Umfeld

Ebola-Infizierte sind, solange sie keine Symptome zeigen, kaum oder gar nicht ansteckend. Damit das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist ein direkter Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Erkrankten nötig. Zwei Tage nach seinem ersten Krankenhausbesuch musste sich der Mann vor dem Wohnhaus, in dem er bei Verwandten wohnte, übergeben, berichtete "Spiegel Online".

Laut der Gesundheitsbehörde von Dallas County könnte es einen weiteren Fall im direkten Umfeld des Patienten geben. Die Lage sei ernst, die Gefahr einer Ansteckung beschränke sich aber auf Angehörige und Freunde. Die Behörden in Texas gehen davon aus, dass 18 Personen in direktem Kontakt mit dem Infizierten waren. Fast 100 Menschen im Umfeld des Infizierten und seiner Angehörigen werden von den Behörden überprüft.

Aufklärung über die Ansteckungsgefahr von Ebola können offenbar auch US-Flughafenmitarbeiter gebrauchen, wie das Ö1-Morgenjournal am Donnerstag berichtete. Eine CNN-Journalistin, die zur Berichterstattung nach Liberia gereist war, kritisierte die mangelhaften Kontrollen bei ihrer Rückkehr auf dem Flughafen in Atlanta. Während am Flughafen in Monrovia mehrfach Kontrollen durchgeführt worden seien, seien die Mitarbeiter in Atlanta nicht einmal über die Symptome von Ebola informiert gewesen, so die Journalistin.

Zustand des Patienten kritisch

Dem Sender CNN zufolge befinde sich der Ebola-Patient in Texas in kritischem Zustand, fragt aber nach Essen und ist nicht an eine Beatmungsmaschine angeschlossen. Zwei Labors bestätigten, dass er das Ebola-Virus in sich trägt.

Es ist weltweit der erste Fall, bei dem ein Mensch sich in Afrika mit Ebola infizierte und dann außerhalb des Kontinents erkrankte. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf einen Nachbarn des Mannes, dass dieser in der liberianische Hauptstadt Monrovia einer infizierten Frau geholfen habe. Vor über zehn Tagen flog er dann aus Liberia in die USA, um Verwandte zu besuchen. Die Behörden in Liberia kündigten nun nach Angaben der BBC an, den Mann strafrechtlich verfolgen zu wollen, da er bei seiner Ausreise fälschlicherweise angegeben hatte, nicht mit Ebola-Infizierten in Kontakt gewesen zu sein.

Die Gefahr einer Ansteckung von anderen Fluggästen ist nach Einschätzung des deutschen Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) aber "sehr gering". Jedenfalls solange der oder die Infizierte sich noch in der Inkubationszeit von bis zu 21 Tagen befindet.

WHO sieht Besserung der Situation in Westafrika

Unterdessen sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) leichte Anzeichen für eine Besserung der Ebola-Situation in Westafrika. In den drei am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sei die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen die zweite Woche in Folge gesunken, teilte die Organisation in Genf mit. Grund für den Rückgang sei in erster Linie Monrovia. In der vergangenen Woche sei in der Hauptstadt Liberias keine einzige Neuerkrankung gemeldet worden. Allerdings würden nicht alle Infektionen den Behörden mitgeteilt, hieß es weiter.

Fall in Frankfurter Klinik

Ein Ebola-Infizierter soll unterdessen nach Angaben des hessischen Sozialministeriums in der Frankfurter Universitätsklinik behandelt werden. Nach Angaben des Hessischen Rundfunks (hr) sei er bereits mit einem Flug nach Deutschland unterwegs. Er solle in der Nacht auf Freitag am Frankfurter Flughafen laden, berichtete der Sender am Donnerstagabend unter Berufung auf eigene Informationen.

Nähere Informationen waren zunächst nicht bekannt. Bereits am 27. August war ein Ebola-Patient aus Westafrika nach Deutschland gekommen und in die Uniklinik Hamburg-Eppendorf gebracht worden.

Experimenteller Impfstoff

Mindestens 1.500 Dosen eines experimentellen Ebola-Impfstoffes sollen Anfang 2015 für medizinisches Personal und andere Helfer in Westafrika eingesetzt werden. Kanada spendete der Weltgesundheitsorganisation die Substanz, die erstmals in den nächsten Tagen in den USA an gesunden Probanden getestet werden soll. Tests mit einem zweiten Erfolg versprechenden Impfstoff laufen bereits seit September in den USA und Großbritannien.

Der Seuche sind nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Jahresbeginn mehr als 3.300 Menschen in Westafrika zum Opfer gefallen, allein in Liberia starben fast 2.000 Menschen. Da es keine Medikamente, sondern nur die Möglichkeit zur Linderung der Beschwerden gibt, verläuft die Krankheit sehr häufig tödlich. (red, derStandard.at, 2.10.2014)

  • Rettungskräfte in Frankfurt trainieren das Anlegen der Schutzkleidung.
    foto: reuters/kai pfaffenbach

    Rettungskräfte in Frankfurt trainieren das Anlegen der Schutzkleidung.

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