Kurden in Kobanê bereiten sich auf Straßenkämpfe vor

2. Oktober 2014, 15:59
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IS-Kämpfer erreichen letzte Verteidigungslinien, wenige hundert Kurden stehen tausenden Jihadisten gegenüber

Beirut - Nach einem weiteren Vormarsch der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat sich die Lage in der nordsyrischen Stadt Kobanê (Ayn al-Arab) zugespitzt. Die IS-Miliz ist laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bis auf zwei Kilometer an die Stadtgrenze herangerückt. Die kurdischen Volksschutzeinheiten bereiten sich auf Straßenkämpfe vor. Die Sorge sei groß, dass die Jihadisten schon bald in die Stadt eindringen werden.

Die USA und ihre Verbündeten bombardierten erneut IS-Ziele südlich und östlich von Kobanê, wie die kurdische Internetseite Welati am Donnerstag berichtete. Die IS-Extremisten versuchen seit Tagen, die eingekesselte kurdische Stadt an der türkischen Grenze einzunehmen. Nach Angaben des Chefs der selbst ernannten Regionalregierung von Kobane, Anwar Muslim, stellen sich 5.000 bis 6.000 Kurden den IS-Extremisten entgegen. Zudem seien noch einige Tausend Zivilisten in der Stadt.

Entscheidung im türkischen Parlament

Angesichts des IS-Vormarsches will sich die türkische Regierung am Donnerstag vom Parlament die Erlaubnis für Militäreinsätze in Syrien und im Irak geben lassen. Der Regierung des NATO-Mitglieds solle gestattet werden, über den Zeitpunkt, die Dauer und das Ausmaß militärischer Operationen in den Nachbarländern zu entscheiden, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Die Erlaubnis gelte für ein Jahr. Eine Zustimmung gilt als sicher. Der Regierung in Ankara war zuletzt wiederholt ein mangelndes Engagement im Kampf gegen die IS-Miliz vorgeworfen worden.

Umland von Kobanê kontrolliert

Kobanê ist die letzte Bastion in einer Enklave, die bisher von den kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde. Sie sind mit dem syrischen Ableger der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden. Der IS herrscht bereits über mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobanê.

Die Kurden hätten sich aus Gebieten im Westen von Kobanê zurückziehen müssen, sagte der Leiter der oppositionsnahen syrischen Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman. Die Situation dort sei sehr gefährlich. Die Intensität der Kämpfe habe am Donnerstagfrüh zugenommen, sagte er weiter. Es gebe Berichte, dass viele Menschen die Stadt verließen.

Europarat fordert sofortiges Eingreifen

Der Europarat rief zur Rettung Kobanês auf. Die internationale Gemeinschaft solle sofort eingreifen, um in der Stadt eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, hieß es in einer Erklärung am Donnerstag. Gleichzeitig betonten die Parlamentarier aus den 47 Europaratsländern die Notwendigkeit weiterer humanitärer Hilfe. Die bisherigen Leistungen seien nicht ausreichend.

Die USA hatten in der vergangenen Woche ihre Luftangriffe auf IS-Kämpfer vom Irak auf Syrien ausgedehnt. Fünf arabische Staaten unterstützen sie dabei. Ziel der Koalition ist es, die Terrormiliz zu zerstören. Die USA wollen dafür auch gemäßigte syrische Rebellen ausbilden, die die IS-Miliz und das syrische Regime in Damaskus bekämpfen.

Der US-Gesandte für das internationale Bündnis, John Allen, sagte dem Fernsehsender CNN, die Ausbildung der gemäßigten Rebellen werde Zeit in Anspruch nehmen. Die Rebellen sollten in die Lage versetzt werden, sich gegen das syrische Regime und Jihadisten verteidigen zu können.

Anschlag in Homs

Unterdessen stieg die Zahl der Opfer eines Doppelanschlags auf eine Schule der zentralsyrischen Stadt Homs weiter an. Laut der Beobachtungsstelle wurden insgesamt 48 Menschen getötet, darunter 41 Schulkinder. Die Schule liegt in einem überwiegend von Alawiten bewohnten Viertel von Homs - eine schiitische Glaubensgemeinschaft, der auch Machthaber Bashar al-Assad angehört. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand, doch ist das Viertel häufiges Ziel von Angriffen radikalislamischer Gruppierungen oder laizistischer Rebellen.

Die Syrische Beobachtungsstelle steht der Opposition gegen Assad nahe. Sie stützt sich bei ihren Berichten auf ein weites Netz von Informanten, doch lassen sich die Angaben von unabhängiger Seite nur schwer überprüfen. (APA, 2.10.2014)

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