Secret-Service-Chefin nach Pannenserie zurückgetreten

1. Oktober 2014, 21:24
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Julia Pierson stolperte über gleich mehrere Schnitzer beim US-Präsidentenschutz

Sie verstehen sich als Elite, die muskelbepackten Herren mit dem Knopf im Ohr, die den US-Präsidenten rund um die Uhr bewachen. Ständig hellwach, mit feinen Antennen. Eben echte Profis, von Hollywood bisweilen zu Supermännern verklärt. Im Alltag, der mit seiner ewigen Warterei bisweilen sehr langweilig sein kann, häufen sich dagegen die Pannen - selten so sehr wie jetzt.

Und nun auch noch das. Als Barack Obama Mitte September die Seuchenschutzbehörde CDC in Atlanta besuchte, um mit den Ärzten dort über den Kampf gegen Ebola zu sprechen, fand er sich im Aufzug neben einem Mann wieder, den weder er noch seine Leibwächter kannten. Ihren Fehler begriffen die Bodyguards erst, als der Fremde sein Smartphone zückte und den Präsidenten auch dann noch fotografierte, als dessen Begleiter Einspruch einlegten.

Waffe zunächst nicht bemerkt

Der Wächter einer privaten Sicherheitsfirma hatte den Lift betreten können, ohne dass irgendjemand auf die Idee kam, ihn nach Dokumenten zu fragen. Er trug eine Waffe, aber auch das hatten die Beamten zunächst nicht bemerkt. Später stellte sich heraus, dass er dreifach vorbestraft war, unter anderem wegen Körperverletzung. Und: Statt Obama sofort zu informieren, schien der Secret Service den Zwischenfall unter der Teppich kehren zu wollen. Jedenfalls kam er erst jetzt zur Sprache, im Kongress, wo alarmierte Abgeordnete genauer unter die Lupe nehmen, was sich die Personenschützer in letzter Zeit alles geleistet haben.

"Mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, wie empört ich bin", erregt sich Jason Chaffetz, ein Republikaner aus Utah, dessen Ausschuss den Elitetrupp parlamentarisch kontrolliert. "Dies wäre heute ein anderes Land, hätte der Mann seine Pistole gezogen." Julia Pierson, erste Frau an der Spitze des Secret Service, wurde zur Zielscheibe. Warum sie nicht einfach Bewegungsmelder im Weißen Haus aufstellen lasse, fragt Chaffetz' Kollege John Mica. Das sei billiger als die Leibgarde. Piersons Rücktritt wurde schließlich Mittwoch Abend bekanntgegeben. Piersons Aufgaben übernimmt vorerst Joseph Clancy, ein langjähriger Mitarbeiter des Secret Service.

Immer wieder im Gerede

Letzteres hat mit Omar J. Gonzalez zu tun, einem Irak-Veteranen, der mit einem Klappmesser in der Tasche über den Zaun der Residenz sprang. Erst im East Room, im Inneren des Gebäudes, wurde er überwältigt, von einem Beamten, der nach der Schicht im Begriff war, nach Hause zu gehen. Das Alarmsystem war auf lautlos gestellt worden, nach Beschwerden über das laute Piepsen.

Der Secret Service und seine Peinlichkeiten, gerade unter Obama, der angesichts rassistischer Drohungen besonders sorgfältig beschützt werden sollte, scheint eine Endlosgeschichte zu werden. 2009 hatten es zwei Hochstapler geschafft, sich bei einem Galadiner zu Ehren des indischen Premiers einzuschleichen. Als 2011 Schüsse aufs Weiße Haus fielen, wurde die Sache heruntergespielt. Mindestens sieben Mal feuerte ein Verwirrter auf die Privatgemächer. Fensterglas splitterte, der Secret Service stellte sich ahnungslos, bis eine Putzfrau vier Tage später die Scherben fand. 2012 gerieten Obamas Leibwächter im kolumbianischen Cartagena ins Gerede. Sie hatten Prostituierte mit auf ins Hotel genommen, was aufflog, als einer glaubte, für die Liebesdienste nicht zahlen zu müssen. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 2.10.2014)

  • Fehler des Secret Service brachten die erste Chefin der Eliteeinheit, Julia Pierson, unter Druck.
    foto: ap/applewhite

    Fehler des Secret Service brachten die erste Chefin der Eliteeinheit, Julia Pierson, unter Druck.

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