Drei Brüder schreien vor Glück und Geld

2. Oktober 2014, 05:30
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Sie waren nicht dabei, als der Onlineversandhändler Zalando (Werbeslogan "Schrei vor Glück") am Mittwoch in Frankfurt an die Börse ging. Erkannt hätten sie am Parkett wohl nur wenige. Denn Marc (43), Oliver (41) und Alexander (39) Samwer sind öffentlichkeitsscheu.

Dabei sind die drei Brüder gerade dabei, zum Mythos zu werden. 2008 gaben sie das Kapital für Zalando, heute sind sie Großaktionäre. Und am heutigen Donnerstag geht, ebenfalls in Frankfurt, die Samwer-Gründung Rocket-Internet an die Börse. Beide Berliner Unternehmen sind wertvoller als die Lufthansa.

In den USA hätten die drei Brüder vielleicht in einer Garage begonnen. Bei den Samwers hingegen war es die Familienvilla in Köln. Dort wachsen sie behütet auf, werden bescheiden erzogen, der jüngere bekommt stets die Hosen des älteren vererbt. Vater Sigmar-Jürgen Samwer ist ein bekannter Anwalt, vertritt Nobelpreisträger Heinrich Böll und Ex-Bundespräsident Karl Carstens.

Leistung auf hohem Niveau ist für die drei keine Mühe, sondern Normalität. Sie sind hochintelligent, hervorragende Schüler, ebensolche Studenten (Jus, BWL, VWL). Schon als Jugendliche beschließen sie eines Tages, gemeinsam eine Firma zu gründen.

Dass ihre Zukunft das Internet ist, erfahren sie erst 1999, als Alando entsteht, ein Internetauktionshaus wie eBay. Es ist das erste Nugget in einer Goldgrube, die durch An- und Verkäufe, Beteiligungen und Gründungen (Klingeltöne, Handwerkerdienste, Partnerbörsen) immer größer wird.

Was ihn antreibt, hat Oliver für seine Mitarbeiter so beschrieben: "Ich bin der aggressivste Mann im Internet. Ich würde sterben, um zu gewinnen, und von euch erwarte ich das Gleiche."

Während Marc (der Ältere) als umgänglicher Jurist und Alexander (der Jüngste) als intelligenter Stratege beschrieben wird, gilt Oliver (der Mittlere) als der ebenso geniale wie gerissene Kopf des Trios, der 18 Stunden am Tag arbeitet und seinen Mitarbeitern alles abverlangt. Wutausbrüche und Demütigungen der Angestellten beschreibt Joel Kaczmarek in seinem Samwer-Buch Die Paten des Internets.

Den idealen Mitarbeiter nennt er einen "insecure overachiever": unsichere, aber leistungsfähige Umsetzer, die strammstehen. Oliver selbst hat es simpler formuliert: "Geht zu McKinsey, wenn ihr gescheitert seid. Warum vorher? Jetzt seid ihr jung. Ihr solltet glücklich sein. Gott hat euch das Internet gegeben." (DER STANDARD, Birgit Baumann, 2.10.2014)

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