Österreich rüstet massiv ab

1. Oktober 2014, 17:14
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Bundesheer verkaufte Waffen, das meiste Geld floss ins allgemeine Budget

Die aktuellen Sorgen mit dem Eurofighter stellen einen vergleichsweise kleinen Teil der Sorgen des Bundesheeres dar: Jahrelange Sparbudgets haben dazu geführt, dass das Militär im Schnitt gegenüber dem Soll-Zustand täglich 700.000 Euro einsparen müsste, wird im Verteidigungsministerium vorgerechnet. Dagegen nehmen sich sogar die Betriebskosten der Flugzeuge - die Eurofighter-Flugstunde wird mit 63.000 Euro angenommen - bescheiden aus.

In den vergangenen Jahren gab es daher massive Einschnitte in den Bestand: Einerseits wurden Garnisonsstandorte aufgegeben und Kasernen verkauft, andererseits Waffengattungen reduziert oder aufgegeben. Die größte Aufregung gab es um das sogenannte "Panzerpaket" - die Nachrüstung der Panzertruppe unter dem damaligen Verteidigungsminister Werner Fasslabend (ÖVP) in den 1990er-Jahren. Schon damals meinten heeresinterne Kritiker wie der Leiter des Amts für Wehrtechnik, Divisionär Friedrich Dechant, dass Panzer oder Lenkwaffen mit großer Einsatzschussweite für das Bundesheer gar nicht nötig wären.

Zahl der Kampfpanzer reduziert

Die Raketenjagdpanzer Jaguar wurden denn auch nach zehn Jahren 2006 ausgeschieden, die Flotte an Kampfpanzern Leopard 2 um die Hälfte auf derzeit 56 Stück reduziert. Auch die verbliebenen Panzer werden kaum bewegt: Weil Geld für den Betrieb fehlt, gibt es kaum Fahrausbildung oder Gefechtsübungen, geschweige denn Übungen im scharfen Schuss.

Ähnlich geht es der in den 1990er-Jahren auf damals modernsten Stand gebrachten Artillerie: Die Panzerhaubitzen M-109 wurden zum Großteil verkauft. Verkauft wurden auch die alten Saurer-Schützenpanzer und die 10,6-cm-rPaK, eine amerikanische Panzerabwehrwaffe. Als Käufer treten in solchen Fällen als unbedenklich geltende Staaten oder Händler auf, die verpflichtet sind, das Kriegsgerät nicht an Kunden zu verkaufen, an die die Republik Österreich nicht verkaufen dürfte. Erlöst wird oft kaum mehr als der Schrottwert.

Und das Geld verbleibt nicht beim Bundesheer - es fließt dem allgemeinen Budget zu. (cs, DER STANDARD, 2.10.2014)

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