Eurofighter: Kaputtes System

Kommentar1. Oktober 2014, 17:16
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Wir haben sie und werden sie wohl nicht so schnell los

Wir haben Flugzeuge, die wir nicht brauchen und die wir uns nicht leisten können. Eurofighter. 15 Stück. Und jetzt stellt sich heraus, dass sie "Herstellungsfehler an einer großen Anzahl von Bohrungen am Rumpfhinterteil" haben, wie der Hersteller mitteilt. Die aktuell bekannt gewordenen Mängel beeinträchtigen die Sicherheit. Bemerken wird man das aber erst in 15 Jahren, versucht das Verteidigungsministerium zu beruhigen.

Von den 15 Stück sind höchstens fünf einsatzfähig und die nur bedingt. Es ist, alles in allem, ein Desaster. Vor allem ein finanzielles Desaster. Eines, das die Republik dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und seiner glorreichen Mannschaft verdankt. Verteidigungsminister: Herbert Scheibner. Finanzminister: Karl-Heinz Grasser. Sie waren maßgeblich daran beteiligt, diesen Deal einzufädeln.

Der Vorwurf der Korruption stand immer im Raum, konnte aber nicht bewiesen werden. Bei internationalen Waffendeals sollen "Begleitgeräusche" eher die Regel als die Ausnahme sein. Die Justiz hat im In- und Ausland ermittelt, rechtskräftige Verurteilungen von Personen, die in den Ankauf der österreichischen Eurofighter involviert waren, haben nicht stattgefunden. Noch sind nicht alle Verfahren beendet; ein Vertragsausstieg wegen Bestechlichkeit erscheint aber als höchst unwahrscheinlich.

Also haben wir sie - und werden sie wohl nicht so schnell los. Aber die Republik sollte es versuchen: die Flieger zurückzugeben. Die Lebensdauer ist laut jüngsten Meldungen weit geringer als beim Kauf vereinbart. Airbus hat den Abnehmerländern geraten, das Flugzeug weniger als bisher einzusetzen und die jährliche Flugzeit zu halbieren. Der Defekt könne zur Instabilität des Fliegers führen.

Vielleicht kann man das reparieren. Will man das reparieren? Das Bundesheer hat ein Hightech-Flugzeug, das es - zumindest für die Überwachung des österreichischen Flugraums - so gar nicht braucht. Und sich auch nicht leisten kann: Die Eurofighter haben 1,3 Milliarden Euro gekostet. Die Betriebskosten liegen bei 80 Millionen jährlich, eine Flugstunde kostet 63.000 Euro. Andere Abteilungen klagen, dass sie kein Benzin für den Transport, keine Munition für die Waffen haben. Kasernen, von denen wir zu viele haben, verschimmeln und verfallen. Sparpotenzial ist sicher noch vorhanden. Aber das ohnedies fast kaputte System führt sich gänzlich ad absurdum, wenn das eingesparte Geld dann in den Erhalt der Pannenfighter fließt. (Michael Völker, DER STANDARD, 2.10.2014)

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