"Don't Smoke": Kampfansage an das Rauchen

1. Oktober 2014, 16:44
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Österreich ist Schlusslicht beim Nichtraucherschutz, das will eine Kampagne ändern - Journalist Kuch unter den Unterstützern

Pro Stunde ein toter Raucher, alle acht Stunden ein toter Passivraucher, alle sechs Wochen eintausend Begräbnisse, die mit dem Rauchen in Verbindung stehen. Eine um 9,3 Jahre verkürzte Lebensdauer bei Männern, die zehn Zigaretten pro Tag rauchen. 7,3 Lebensjahre minus bei rauchenden Frauen. Ein volkswirtschaftlicher Schaden von 511,4 Millionen Euro pro Jahr durch die Folgen des Rauchens. In Österreich.

Das sind einige der Zahlen, die eine Gruppe von Experten bei der Auftaktpressekonferenz der neuen Kampagne "Don't smoke" der Öffentlichkeit präsentierten. Einige der rauchenden Pressevertreter schauten angesichts dessen etwas betreten.

Letztes Land beim Nichtraucherschutz

Die Forderungen der Initiative, hinter der einige der renommiertesten Fachärzte des Landes stehen, klingen nur für österreichische Verhältnisse radikal: So wollen die Initiatoren ein Rauchverbot in allen Innenräumen, die auch von Nichtrauchern genutzt werden. In vielen Ländern ist derartiger Raucherschutz längst Realität. Denn Österreich belegt beim Nichtraucherschutz in Europa den letzten Platz hinter Deutschland und hat das 2005 unterzeichnete WHO-Rahmenübereinkommen zur Tabakkontrolle bis lang nicht umgesetzt.

Rauchen, weil die Eltern rauchen

In keinem anderen europäischen Land wird der Kampagne zufolge so wenig für den Nichtraucherschutz getan wie in Österreich. Das Land ist diesbezüglich in den letzten Jahren sogar noch zurückgefallen. In kaum einem anderen Land ist es für junge Menschen einfacher als in Österreich, an Zigaretten zu kommen. Und in keinem europäischen Land rauchen so viele Menschen.

33 Prozent der Bevölkerung hierzulande sind Raucher, im europäischen Durchschnitt sind es "nur" 28 Prozent. Österreichische Raucher konsumieren im Schnitt 18,3 Zigaretten täglich, EU-weit sind es vier Zigaretten weniger. 35 Prozent der 17-Jährigen in Österreich rauchen regelmäßig, bis zum Alter von 19 Jahren sind es gar 53 Prozent. Auch das ein europäischer "Spitzenwert". Fast jeder zweite Jugendliche gibt übrigens an, deswegen zu rauchen, weil seine Eltern rauchen. Man kennt es halt nicht anders.

Journalist Kurt Kuch als Testimonial

Die Mediziner hinter der Kampagne sind mit den gesundheitlichen Folgen des Rauchens tagtäglich konfrontiert. Darunter der Grazer Krebsspezialist Hellmut Samonigg, der unter anderem den an Lungenkrebs erkrankten Aufdeckerjournalisten Kurt Kuch behandelt. Kuch, neben dem Schauspieler Robert Palfrader eines der Testimonials der Kampagne, bringt es in einem berührenden Video für die Kampagne auf den Punkt: "Zu rauchen war die schlechteste Entscheidung meines Lebens."

don't smoke.at
Krebspatienten Kurt Kuch mit seinem Onkologen Hellmut Samonigg in einem Video für die Kampagne "Don't smoke".

Kuch rät darin allen Rauchern, dringend aufzuhören: "Macht man es nicht, riskiert man, dass man hier auf der Onkologie oder auf der Palliativstation liegt." Kuch hat mit 16 Jahren mit dem Rauchen begonnen – und liegt damit im österreichischen Trend. Also fordert die Kampagne auch verbesserten Jugendschutz und eine Erhöhung der Altersgrenze für den Kauf von Zigaretten und Tabakwaren von derzeit 16 auf zumindest 18 Jahre. Mit einer Erhöhung der Tabaksteuer könnte man niedrigschwellige Information und Beratung zum Rauchstopp finanzieren.

Abgeltung für Lokale

Initiator Hellmut Samonigg betonte, dass Tabaktrafiken und Lokale, die ihre Räume kostspielig umgebaut hatten, finanziell entschädigt werden müssen. Aktuell würden 74 Prozent der heimischen Betriebe gegen das geltende Nichtrauchergesetz verstoßen. "Auch wenn man sie nicht riecht, wandern die schädlichen Mikropartikel von einem Raum in den anderen", erklärte Samonigg.

Die Initiative hat eine Online-Petition zur Unterstützung ihrer Forderungen gestartet. Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser, selbst Ex-Raucherin, hat den Initiatoren zufolge volle Unterstützung für die Kampagne zugesichert. (lima, derStandard.at, 1.10.2014)

  • In kaum einem Land Europas wird so viel geraucht wie in Österreich.
    foto: istockphoto.com/alexandrumagurean

    In kaum einem Land Europas wird so viel geraucht wie in Österreich.

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