Reparaturcafés: Die Wegwerfgesellschaft repariert sich beim Tässchen Kaffee

3. Oktober 2014, 12:08
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Kaputten Dingen eine zweite Chance geben: Reparaturcafés werden österreichweit immer beliebter

Innsbruck - Frisch gebrühter Kaffee und der beißend süße Duft von Klebstoff. Der Geruch, der sich durch die Halle zieht, beschreibt das Projekt besser, als es Worte könnten. "Jeder von uns möchte doch lieber in einer Reparatur-, als in einer Wegwerfgesellschaft leben, oder?", sagt Michaela Brötz, die Initiatorin des Tiroler Reparatur-Cafés.

Das Ziel ist, kaputte Gegenstände gemeinsam mit ehrenamtlichen Fachleuten wieder funktionstüchtig zu machen. Das aber eben, ohne aufzugeben, was der klassische Vertreter dieser sogenannten Wegwerfgesellschaft so schätzt: Komfort. So gibt es gegen eine freiwillige Spende Kaffee und Kuchen. Beim ersten Innsbrucker Reparatur-Café im Gebrauchtmöbelmarkt "Ho&Ruck" wurde getratscht und gelacht, während Körbe, Schuhe, alte Schreibmaschinen und neuere Computer repariert wurden.

Föhn mit sieben Siegeln

Das Konzept stammt aus Holland, erklärt Brötz. Sie habe daran nicht nur aus ökologischen Gründen Gefallen gefunden: Es mache einfach Spaß zu erkennen, dass ein kaputter Föhn "kein Buch mit sieben Siegeln" sei, sondern dass man den Schaden meist ohne großen Aufwand selbst beheben könne. "Ich habe zwei linke Hände, aber inzwischen schraube ich schon mal einen Laptop auf und schaue rein. Mir gefällt auch der Bildungsgedanke."

In Tirol soll das Reparatur-Café ab jetzt jeden letzten Samstag im Monat an wechselnden Lokalitäten öffnen. Ähnliche Initiativen gibt es in Graz, Linz, Salzburg, Nenzing in Vorarlberg und Wien.

Keine Konkurrenz für Reparaturprofis

Brötz ist jedenfalls wichtig, dass die Cafés nicht in Konkurrenz zu professionellen Reparaturbetrieben stehen, sondern eher für Gegenstände gedacht sind, die ansonsten im Müll landen würden - oder bei denen man gar nicht wüsste, wo man hingehen könnte für eine Reparatur. "Dinge bekommen eine zweite Chance." Zumindest vielleicht: Denn Garantie auf Reparatur gibt es natürlich keine. (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 2.10.2014)

  • Mit etwas Anleitung seien die meisten kaputten Gegenstände "kein Buch  mit sieben Siegeln", sagt die Initiatorin des ersten Innsbrucker  Reparaturcafés. Sie will nun Hilfe zur Selbsthilfe leisten.
    foto: niederwolfsgruber

    Mit etwas Anleitung seien die meisten kaputten Gegenstände "kein Buch mit sieben Siegeln", sagt die Initiatorin des ersten Innsbrucker Reparaturcafés. Sie will nun Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

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