Google zeigt von 170 Verleger-Websites nur noch Artikelüberschriften

1. Oktober 2014, 13:59
15 Postings

Im Streit um das Leistungsschutzrecht in Deutschland reagiert Google damit auf die Klage der VG Media - Seiten werden aber nicht aus dem Index genommen

Berlin - Im Streit um das Leistungsschutzrecht für Presseverlage in Deutschland wird Google bestimmte Medien-Inhalte künftig deutlich weniger umfangreich darstellen. Online-Artikel von Verlagen, die von der VG Media vertreten werden, werden vom 9. Oktober an auf Google News und bei der allgemeinen Google-Suche nur noch mit der Überschrift angezeigt und verlinkt, wie am Mittwoch angekündigt wurde.

"Die Webseiten werden von uns nicht aus dem Index genommen, sondern weiterhin bei Google auffindbar sein", sagte Google Deutschland-Chef Philipp Justus der Nachrichtenagentur dpa. "Es entfallen allerdings die Textanrisse sowie ein mögliches Vorschaubild."

Verleger, TV und Radio

Betroffen sind 170 Verleger-Websites in Deutschland, darunter Angebote von Axel Springer, Burda, Funke, Madsack und M. DuMont Schauberg. Weiterhin stehen 20 Sites von TV-Sendern sowie 59 Angebote von Hörfunkstationen auf der Liste der Verwertungsgesellschaft VG Media, die ihre Rechte aus dem LSR-Gesetz übertragen haben und gegen Google vorgehen, derStandard.at berichtet über die Klage. Betroffen wäre beispielsweise Seiten wie bild.de, welt.de oder focus.de.

Andere Verlagsportale wie spiegel.de, faz.net, sueddeutsche.de, handelsblatt.com und zeit.de, die nicht ihre Rechte aus dem LSR an die VG Media abgetreten haben, werden weiterhin wie gewohnt mit Textanrissen ("Snippets") und Vorschaubildern ("Thumbnails") auf den Google-Seiten angezeigt.

Überschrift und Link

Mit der Änderung reagiere Google auf die Rechtsunsicherheit, die nach der Verabschiedung des LSR entstanden sei, sowie auf die Klage der VG Media, erklärte Justus. "Wir sind der Meinung, dass unsere Angebote nicht gegen das LSR verstoßen, manche Verlage sehen das aber anders." Um juristische Risiken zu minimieren, verkürze Google nun die Inhalte auf die Überschrift und den Link zum Originalartikel.

Neben Google sind im Visier der VG Media noch andere Suchmaschinen wie web.de oder t-online.de. Die Konsequenz: Sie haben Inhalte von Verleger-Seiten bereits teilweise oder komplett aus dem Index verbannt.

Exakte Regelung fehlt

Das LSR erlaubt Verlagen, von anderen Unternehmen eine Lizenzgebühr für die Verwendung ihrer Inhalte im Internet zu verlangen. Dabei geht es vor allem um Suchmaschinen und automatisierte Nachrichtensammlungen, die Verlagstexte verwenden. Allerdings können einzelne Wörter weiterhin lizenzfrei verwendet werden. Darunter fällt den Kommentaren zum LSR zufolge auch eine verlinkte Überschrift.

Justus betonte, Google habe sich gewünscht, den Internet-Nutzern und Zeitungslesern weiterhin auch Textanrisse und Vorschaubilder von allen Verlagen liefern zu können. Nach einer Klage der VG Media gegen Google gehe man davon aus, dass die "entgeltfreie Darstellung" der Snippets nicht gewünscht sei. Auf der anderen Seite habe das Bundeskartellamt klar festgestellt, dass Google nicht verpflichtet werden könne, LSR-Inhalte einzukaufen.

Im Gegensatz zu kleineren Suchmaschinen habe Google sich aber bewusst dafür entschieden, die Inhalte der betroffenen Verlage nicht aus dem Index zu nehmen oder zu benachteiligen. "Wir werden nicht unseren Algorithmus ändern."

Österreich und EU

Ein Leistungsschutzrecht soll auch in Österreich kommen, allerdings mit exakteren Regelungen, um einen Rechtsstreit wie in Deutschland zu vermeiden. Googles Marktmacht ist seit Jahren Thema auf EU-Ebene. Die Wettbewerbskommission lässt seit November 2010 mehrere Praktiken des Marktführers untersuchen. Kürzlich reagierte Rachel Whetstone, Googles Vizepräsidentin für globale Kommunikation, in einem Offenen Brief auf die Kritik des Medienkonzerns News Corp. (APA, red, 1.10.2014)

  • Google macht ernst und zeigt von bestimmten Inhalten nur mehr die Überschriften an.
    foto: ap/meyer

    Google macht ernst und zeigt von bestimmten Inhalten nur mehr die Überschriften an.

Share if you care.