Holland Blumen Mark ist pleite, Sanierung geplant

1. Oktober 2014, 17:36
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Das Management der Blumenkette plant zwar den Fortbetrieb, doch einige Filialen dürften geschlossen werden

Korneuburg/Wien - Am 19. September feierte Holland Blumen Mark den 40. Geburtstag. Zwei Wochen später ereilt die 320 Mitarbeiter die nüchterne Nachricht, dass das Unternehmen pleite ist. 2008 hatte der Linzer Sanierer Anton Stumpf die Handelskette in Österreich von dem Holländer Cornelius van der Velden übernommen und seither versucht, das welkende Pflänzchen wieder aufzurichten. Offenbar ging die Strategie der Revitalisierung nicht auf. Waren es zum Höhepunkt knapp 150 Filialen, zählte man zuletzt 88 Standorte in ganz Österreich. Im zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht aus dem Jahr 2012 schrieb die Firma bei einem Umsatz von etwa 23 Millionen Euro rund 1,4 Millionen Euro Jahresverlust.

Für Emil Steffek, Großhändler und Spartenobmann Blumenvertrieb der Wirtschaftskammer, kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Das Unternehmen sei schon vor ein bis zwei Jahren in der Krise gewesen. "In unserer Branche arbeitet man mit sensiblen Produkten, die stündlich an Wert verlieren. Als Investor kann man nicht rund um die Uhr im Geschäft sein, um Entscheidungen zu treffen", sieht er einen der Gründe für das beim Landesgericht Korneuburg eingebrachte Sanierungsverfahren.

Leere Kassen

Die Kassen von Holland Blumen Mark scheinen dabei reichlich ausgetrocknet zu sein: Gerade einmal 730.000 Euro Aktiva stehen dabei Passiva in Höhe von 12,8 Millionen Euro gegenüber, geht aus einer Mitteilung des Kreditschutzverbandes von 1870 hervor. Diese sollen unter anderem durch hohe Abfertigungskosten beim Mitarbeiterabbau im Rahmen der Restrukturierung entstanden sein. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, angeboten. Weder Blumen-Mark-Geschäftsführer Thomas Lanik noch Mehrheitseigentümer Anton Stumpf waren am Mittwoch für eine Stellungnahme erreichbar.

Schon als Anton Stumpf und Fred Duswald mit ihrem Sanierungsspezialisten Recap das Unternehmen übernahmen, hatte es harte Jahre hinter sich. Einst mischte es den österreichischen Blumenmarkt mit Billigprodukten auf und grub dem Fachhandel das Wasser ab. Die Gewinne wurden überwiegend in Immobilien investiert. Bau- und Supermärkte, in denen günstige Schnittblumen und Pflanzen verkauft werden, setzten dem Diskonter zu. Auch Keramik, Glaswaren und Saisonartikel, mit denen ab 2008 das Sortiment erweitert wurde, ließen die Umsätze nicht aufblühen. Zu viele andere Geschäfte bieten Ähnliches an.

War Holland Blumen einst der Hecht im Karpfenteich in der Branche, "hat er in den letzten Jahren keine große Rolle mehr gespielt", stellt Großhändler Steffek fest. Floristen müssten heute kreativ sein, um in einer Nische zu überleben. Das Management plant laut Aussendung den Fortbetrieb, einige der Filialen dürften aber schließen. Die zehn bis 15 von Franchisenehmern geführten Standorte sind von der Pleite nicht betroffen. (kat, vk, APA, DER STANDARD, 2.10.2014)

  • In den 1970er-Jahren mischte Holland Blumen den Markt auf. 40 Jahre nach der Gründung gehört der Diskonter selbst zu den Mauerblümchen.
    foto: matthias cremer

    In den 1970er-Jahren mischte Holland Blumen den Markt auf. 40 Jahre nach der Gründung gehört der Diskonter selbst zu den Mauerblümchen.

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