Erste Reaktionen auf Windows 10: Zurück in die Zukunft

1. Oktober 2014, 10:36
18 Postings

"Gewohnt" als wichtiges Schlagwort - Microsoft liefert im Grunde ein neues Windows 7

Am Dienstagabend (MEZ) wartete die Öffentlichkeit auf die Vorstellung von Windows 9. Microsoft präsentierte dann auch wie erwartet ein neues Betriebssystem, entschloss sich jedoch dazu, eine Versionsnummer zu überspringen, und enthüllte Windows 10.

Anbandeln mit Unternehmenskunden

Gemäß schon zuvor angekündigten Plänen wird Microsoft eine Plattformen für Smartphones, Tablets und herkömmliche Rechner zusammenlegen und will sie künftig aus einem zentralen Store mit universellen Apps bedienen. Verbesserte Management und Geräteverwaltungs-Features sollen Unternehmenskunden, die Windows 8 bislang verschmähten, wieder Anreiz zu einem Update liefern.

Das System soll außerdem produktiver werden. Der Zwang zur auf Touchbedienung ausgelegten Kacheloberfläche "Metro" sei nicht gut angekommen, wie man implizit, aber doch klar vernehmbar eingestand. Die Rückkehr des Startmenüs, die Einführung mehrerer virtueller Desktops und eine Umschaltmöglichkeit zwischen Touchinterface und normaler Oberfläche ist ein großer Schritt zur Versöhnung mit all jenen Nutzern, die sich mit Windows 8 nie so recht anfreunden konnten. Man solle sich sofort "zu Hause" fühlen, so die Botschaft.

Windows 10 ist Windows 7

Doch trotz des Auslassens von Versionsnummer 9 und allen Marketingfloskeln zum Trotz, so die Einschätzung von The Verge, ist eines unverkennbar: Windows 10 ist eigentlich Windows 7, angereichert mit ein paar Elementen von Windows 8 und neuen Features für den Business-Bereich. Das System legt den Fokus wieder auf den Desktop, das alles in einem Fenster laufen kann wird als aufregendes neues Feature verkauft.

"Gewohnt" war überhaupt eines der Schlagworte, die Terry Myerson und Joe Belfiore besonders häufig gebraucht haben. In Summe wird Windows 10 sich für Windows 8-gewohnte Nutzer wahrscheinlich "frischer" anfühlen, als für jene, die von einem älteren System umsteigen.

Geplante Gewohnheit

Das ist auch per se nichts Negatives, sondern dürfte Microsofts Plan entsprechen. Die Dienstags-Präsentation richtete sich nicht primär an jene, die mit Windows 8 arbeiten (und die vorhergehenden Berichten zufolge Windows 10 gratis erhalten könnten), sondern an jene, die mit Windows 7, Windows Vista oder dem 13 Jahre alten und kaum tot zu kriegenden Windows XP unterwegs sind.

Pramgatisch, schlau, aber riskant

Microsoft zeigt sich damit in seinem Handeln pragmatisch, schlau und bereit, auf seine Kundschaft zu hören, nachdem der Versuch, mit Windows 8 etwas radikal Neues auszuprobieren, gescheitert ist. Allerdings birgt der Weg zurück in die Zukunft auch Gefahren. Als Plattform macht Windows 10 beim ersten Betrachten den Eindruck, über die letzten zehn Jahre eigentlich keine relevanten Veränderungen mitgebracht zu haben.

Für viele Nutzer dürfte das nächste Microsoft-Betriebssystem, das gegen Ende 2015 auf den Markt kommt, ein gutes Update sein, wenngleich viele Dinge – etwa wie das System auf Smartphones und Tablets funktioniert – noch zu beantworten sein werden. Derweil muss man sich allerdings die Frage stellen, ob Microsoft mit dem Schritt zurück in "familiäre" Gefilde noch den in der IT-Branche überlebenswichtigen Mut zur Innovation besitzt. (gpi, derStandard.at, 01.10.2014)

  • Terry Myerson (l.) und Joe Belfiore präsentierten die alten, neuen Features von Windows 10.
    foto: apa

    Terry Myerson (l.) und Joe Belfiore präsentierten die alten, neuen Features von Windows 10.

Share if you care.