Zalando-Kursfeuerwerk brennt nur kurz 

1. Oktober 2014, 17:50
12 Postings

Auf einen fulminanten Start folgt ein steiler Fall, bis sich die Aktie wieder beim Ausgabepreis einpendelt

Frankfurt - Konfetti-Regen auf dem Frankfurter Börsenparkett und eine Jubelstimmung wie zu Zeiten des Neuen Marktes: Mit großer Show hat der Online-Modehändler Zalando am Mittwoch sein Börsendebüt gefeiert. Das Kursfeuerwerk brannte allerdings schnell nieder. Mit 21,50 Euro lagen die Aktien zum Ende des Xetra-Handels exakt auf der Höhe des Ausgabepreises. Wegen der Börseneuphorie rund um Internetfirmen hatten viele einen fulminanten Start erwartet - speziell nach dem Erfolg des chinesischen Online-Händlers Alibaba an der Wall Street im September. Investoren warnen bereits vor einer neuen Technologieblase wie zu Beginn des Jahrtausends.

Händler zeigen sich enttäuscht

"Es fühlt sich ein bisschen an wie eine Einschulung", sagte Zalando-Mitgründer Robert Gentz kurz nach dem Börsenstart des vor sechs Jahren gegründeten Unternehmens. "Jetzt müssen wir nur noch gute Noten schreiben." Zunächst schnellte die Aktie um zwölf Prozent auf 24,10 Euro in die Höhe, bröckelte aber rasch wieder ab. Händler hatten vor dem Börsenstart auf Kurse bis zu 27 Euro gesetzt. Sie äußerten sich dementsprechend enttäuscht: "Man kann sagen: schwach angefangen und dann stark nachgelassen", sagte Oliver Roth, Chefhändler bei Close Brothers Seydler. "Der erste Kurs liegt deutlich unter den Erwartungen der letzten zwei, drei Tage."

Die Ernüchterung erfasste auch den größten Zalando-Aktionär, die schwedische Investmentfirma Kinnevik : Deren Aktie sackte in Stockholm um 9,6 Prozent ab. Viele Anteilseigner schichteten in Zalando um, sagten Händler.

"Schrei vor Glück" statt Börsenglocke

Zalando feierte den Börsengang wie kaum ein Neuling in den vergangenen Jahren: Mitarbeiter und Vorstände hinter Packtischen verschenkten auf dem Platz vor der Börse weiß-schwarze Zalando-Pakete mit Flip-Flops - dem ersten Produkt, das das Start-up-Unternehmen 2008 verkauft hatte. Auf dem Börsenparkett drängelten sich Zalando-Manager, Investmentbanker, Händler und Journalisten zwischen überdimensionalen Zalando-Schachteln. Auf den Händler-Tresen standen Turnschuhe und hochhackigen Pumps. Models marschierten die Treppe zwischen den Handelssälen auf und ab. Und als der erste Kurs auf der Anzeigetafel zu lesen war, ertönte - noch vor der traditionellen Börsenglocke - der "Schrei vor Glück" über die Lautsprecher, mit dem sich Zalando in der Fernsehwerbung Bekanntheit verschafft hat.

"Das letzte Mal, dass auf dem Parkett mehr Journalisten als Händler waren, war während der Eurokrise", sagte Robert Halver von der Baader Wertpapierhandelsbank. "Bei einem Börsengang habe ich das zuletzt bei der Telekom in den neunziger Jahren erlebt." Er glaube nicht, dass mit Zalando und der Schwesterfirma Rocket Internet, die am Donnerstag an die Börse geht, die Grundlage für eine deutsche Internet-Blase gelegt werde. "Der Vergleich mit dem Neuen Markt ist Quatsch. Wir haben so lange gewartet auf Börsengänge. Das ist ein Zeichen für die Rückkehr einer Aktienkultur." Anders als um die Jahrtausendwende sind Privatanleger weitgehend außen vor: Nur zwei Prozent der 28,1 Millionen Aktien gingen nicht an große Fonds und andere institutionelle Investoren, wie Insider sagten. Das sind allerdings doppelt soviele Privatanleger wie zuletzt üblich.

"Die ewigen Zweifler"

Auch Zalando-Mitgründer Gentz will nichts von einem neuen "Neuen Markt" wissen. "Wir bieten den Kunden einen echten Mehrwert, haben zwei Milliarden Euro Umsatz. Und für die ewigen Zweifler haben wir zuletzt auch Profit ausgewiesen", sagte er. 200.000 Euro Gewinn standen unter dem Strich im ersten Halbjahr zu Buche. An der Börse ist das Unternehmen mit seinen rund 7000 Mitarbeitern 5,5 Milliarden Euro wert.

Einige Experten warnen: "Nie im Leben" würde er Aktien von Zalando oder Rocket kaufen, sagte ein deutscher Großinvestor, der täglich über Milliarden entscheidet. "Zalando schreibt kaum Gewinne und wird mit dem Vierfachen des Umsatzes bewertet. Die Logik dahinter verstehe ich nicht ganz." Beim Börsengang des chinesischen Online-Riesen Alibaba hätte er dagegen gerne zugegriffen. Auch die Aktionärsvereinigung DSW warnt Privatanleger vor Zalando und Rocket. "Das ist nichts für sicherheitsbewusste Privatanleger", sagte DSW-Vizepräsident Klaus Nieding. "Es ist ein spekulatives Investment."

Zalando fließen mit dem Börsengang 605 Millionen Euro zu - platziert werden 11,3 Prozent. Die Altaktionäre - allen voran der schwedische Investor Kinnevik und die Berliner Internet-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer - geben beim Börsengang keine Aktien ab. (APA/Reuters, 1.10.2014)

  • Die Zalando-Aktie fährt bei ihrem Börsenstart Achterbahn.
    foto: reuters/dado ruvic

    Die Zalando-Aktie fährt bei ihrem Börsenstart Achterbahn.

Share if you care.