Kampf um Kobanê erreicht Stadtgrenze

1. Oktober 2014, 14:39
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Luftangriffe auf IS-Miliz nahe der kurdischen Stadt - Erhöhte Anzahl an Bombardements von türkischer Grenze aus zu hören

Aleppo/Bagdad/Ankara - Die Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) ist offenbar noch weiter auf die kurdische Grenzstadt Kobanê in Syrien vorgerückt. Seit 10 Uhr morgens werden deshalb vermehrt Luftangriffe geflogen, Panzer der IS sollen demnach aus der Luft bombardiert werden. STANDARD-Korrespondent Markus Bernath, der sich derzeit auf der Straße zwischen dem türkischen Suruç und Kobanê aufhält und eineinhalb bis zwei Kilometer von der Stadt entfernt ist, berichtete Mittwochmittag von sicht- und hörbaren Explosionen am östlichen Stadtrand Kobanês.

Die IS-Miliz steht im Osten, Süden und Westen vor Kobanê (arabisch Ayn al-Arab), im Norden grenzt die Enklave, die bisher von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wird, an die Türkei. Die IS-Miliz hat bisher seit ihrem Vormarsch auf die Kurdenenklave mehr als 300 Dörfer im Umland der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht. Insgesamt hätten die Jihadisten 325 Ortschaften in den vergangenen beiden Wochen eingenommen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstagand.

Neue Enthauptungen

Bei den Kämpfen um Kobanê wurden nach Angaben von Aktivisten in der Nacht auf Mittwoch zehn Menschen getötet. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge starben neun kurdische Kämpfer sowie ein IS-Mitglied.

Zur Einschüchterung hat die IS-Miliz nach Angaben einer oppositionsnahen Beobachtergruppe zehn Menschen enthauptet. Unter den Toten seien fünf kurdische Kämpfer und vier arabische Rebellen. Zudem sei ein kurdischer Zivilist hingerichtet worden. Die sieben Männer und drei Frauen seien am Dienstag rund 14 Kilometer westlich von Kobanê getötet worden.

"Die Kämpfer können einander sehen"

IS-Einheiten rückten zudem auf das Grabmal von Suleyman Shah am Euphrat vor, das gemäß einem Abkommen aus dem Jahr 1921 türkisches Territorium ist und von einer Gruppe türkischer Soldaten bewacht wird. Berichte, wonach diese von der IS gefangen genommen wurden, dementierte der türkische Vizepremier Bülent Arinc am Dienstagabend.

70 kurdische Schüler frei

Unterdessen gaben die Eltern von ungefähr 70 im Mai in Aleppo entführten kurdischen Schülern bekannt, dass die Kinder im Alter von 13 bis 15 Jahren wieder frei seien, wie die Beobachtungsstelle berichtete. Die Entführten waren Teil einer Gruppe von 153 Schülern, von denen 40 bereits unmittelbar nach der Geiselnahme wieder freigelassen wurden. Etwa 30 Jugendliche befanden sich demnach weiterhin in der Gewalt der IS.

Großbritannien flog Angriffe

Auch Großbritannien hat sich erstmals aktiv in den Konflikt eingemischt, britische Kampfflugzeuge griffen IS-Stellungen im Irak an. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, bombardierten Tornado-Maschinen am Dienstag IS-Stellungen, um kurdische Kämpfer im Norden des Irak zu unterstützen.

Kurdische Einheiten vertrieben IS-Kämpfer zudem aus mehreren Orten im Nordirak. Die Kurden setzten dabei auch schwere Waffen ein, die ihnen der Westen geliefert hatte, berichtete die irakische Nachrichtenseite "Al-Mada".

Anschlagswelle in Badgad

In der irakischen Hauptstadt Bagdad starben bei einer der schwersten Anschlagswellen seit Beginn der US-Militärintervention vergangenen Monat mindestens 35 Menschen, zahlreiche wurden verletzt. In mehreren vorwiegend von Schiiten bewohnten Vierteln explodierten Autobomben und Granaten.

Türkei stimmt über militärisches Eingreifen ab

Die Türkei zog angesichts des IS-Vormarschs auf Kobane Truppen an der Grenze zusammen. Die Streitkräfte hätten 35 Panzer in der Region aufgefahren, berichtete die regierungsnahe Zeitung "Sabah". Die Panzer hätten 400 Meter hinter der Grenze Stellung bezogen.

Die türkische Regierung legte am Dienstagabend dem Parlament eine Resolution für ein militärisches Eingreifen im Irak und in Syrien vor. An der Landgrenze im Süden der Türkei gebe es einen ernsthaften Zuwachs von Bedrohungen, die die nationale Sicherheit wegen der jüngsten Entwicklungen in der Region gefährden, hieß es in der Begründung des Antrags, der von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu unterzeichnet worden sei, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu in der Nacht auf Mittwoch. Die Zeitung "Hürriyet" schrieb, das Mandat umfasse auch die Öffnung türkischer Militärbasen für ausländische Truppen. Über die Resolution soll am Donnerstag abgestimmt werden. (red/mab/APA, 1.10.2014)

  • Eine kurdische Frau beobachtet von der Türkei aus das Geschehen jenseits der Grenze zu Syrien.
    foto: ap/ozbilici

    Eine kurdische Frau beobachtet von der Türkei aus das Geschehen jenseits der Grenze zu Syrien.

  • Ein türkischer Panzer nahe der syrischen Grenze.
    foto: ap/ozbilici

    Ein türkischer Panzer nahe der syrischen Grenze.

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