Auf Voves wartet ein ganzer Pulk an Gegnern

Analyse30. September 2014, 17:36
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Mit seiner Ankündigung, als SPÖ-Spitzenkandidat in die steirische Wahl 2015 zu gehen, bringt Franz Voves die ÖVP in Bedrängnis

Graz - Wenn Politiker weinen, ist das immer so eine Sache. Sind sie wirklich gerührt, oder ist es nur Kalkül, um zu demonstrieren: Schaut her, auch wir können empfindsam sein? Der steirische Landeshauptmann Franz Voves hat bei der Verkündung seiner Wiederkandidatur mehrmals unter Tränen in den Augen betont, wie ergriffen er über das Vertrauen seiner Parteifreunde sei, die ihn im Vorstand zu 100 Prozent als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2015 nominiert hatten.

War die Rührung echt? Man darf zumindest leise Zweifel an der etwas larmoyant inszenierten Pressekonferenz hegen. Denn Quereinsteiger Voves ist mittlerweile ein alter Politprofi, dem Sentimentalitäten in der Politik weitgehend fremd sind. Er musste wissen, dass sein Parteivorstand ihm, dem Landeshauptmann, dem einzigen Atout der SPÖ, nie und nimmer das Vertrauen entziehen würde. Er konnte gar nicht anders, als noch einmal anzutreten und sich mit seiner Reformpolitik den Wählern zu stellen.

Voves kennt die Umfragen und weiß, dass er als Landeshauptmann seiner Partei gut fünf bis zehn Prozent bringen kann, die die SPÖ im Landtagswahljahr 2015 dringend brauchen wird. 38 Prozent hatte die SPÖ zuletzt, jetzt ist Voves, wie er sagt, zufrieden, "wenn ein Dreier vorn steht". Die FPÖ steht vor der Tür. Die EU-Wahl war ein erstes Warnsignal, die Blauen hatten ihre Stimmanzahl verdoppelt und die SPÖ überholt. Aber jetzt wird es erst richtig ungemütlich im Steirerland.

Jede Menge Gegner

Im Frühjahr wird dem Regierungsduo Voves und Hermann Schützenhöfer (ÖVP) eine erste kalte Brise ins Gesicht blasen. Bei den Gemeinderatswahlen stehen die Gemeindezusammenlegungen samt Zwangsfusionen zur Wahl.

Bei der Landtagswahl im Herbst steht Voves ein ganzer Pulk an politischen Gegner gegenüber: Nicht nur die Freiheitlichen lauern auf ihre große Chance, auch die neu und stärker aufgestellten Grünen, die nach Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Salzburg und Oberösterreich auch hier in der Steiermark endlich mitregieren wollen. Sie schärfen seit Monaten ihre Strategie gegen die rot-schwarze Koalition.

Schützenhöfer zögert noch

Dann sind da noch die Bürgermeister, die womöglich eine eigene Protestliste gründen, und - ja, es gibt ihn noch - Frank Stronach, der in seiner Heimat auch ein paar Prozente abräumen will, die Voves fehlen könnten. Die Neos werden ebenso antreten. Nicht zu vergessen die KPÖ, die in der Steiermark irgendwie aus der Geschichte gefallen ist und durchaus eine Rolle im Parteienspektrum spielt. Vor allem in Graz und den obersteirischen Industriebezirken.

Bleibt Voves die Partei an seiner Seite: die ÖVP, mit dem treuen Reformpartner Hermann Schützenhöfer, der aber noch immer wankt und seine Entscheidung, ob er mit Voves weiterregieren will, auf "die ersten Monate 2015" verschoben hat. Voves hat die ÖVP auf sichere Distanz gehalten, also wäre ihm am liebsten, er könnte mit "Schützi" - ohne großen Wahlkampf - weitermachen.

In der ÖVP brodelt's

Doch innerhalb der ÖVP brodelt's. Obwohl das Thema schon abgehakt schien, kommt jetzt wieder stärker der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl ins Spiel. Nagl dürfte demnächst das Stadtbudget mit SPÖ und KPÖ abschließen und wäre dann freigespielt. Er könnte unbelastet für die ÖVP in den Wahlkampf ziehen und Voves durchaus Konkurrenz machen. So weit die Variante eines Teils der ÖVP. Die andere Gruppierung drängt darauf, dass Schützenhöfer die Reformpartnerschaft mit Voves weiterführt. Da mögen auch Partikularinteressen mitspielen, zumal Nagl mit einem eigenen Team ins Land kommen würde.

Schützenhöfer sitzt dazwischen und muss jetzt aufpassen, dass ihn die Entwicklungen in seiner Partei nicht überrollen.

Da haben sich zwei gefunden: SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves und sein ÖVP-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer sind in dieser Periode zu Reformpartnern und echten Freunden geworden. (Walter Müller, DER STANDARD, 1.10.2014)

  • Da haben sich zwei gefunden: Voves und Schützenhöfer sind echte Freunde geworden.
    foto: kucek

    Da haben sich zwei gefunden: Voves und Schützenhöfer sind echte Freunde geworden.

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