Militärgymnasiasten protestieren gegen Schulschließung

1. Oktober 2014, 08:00
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Zusammenlegung von Abwehramt und Verfassungsschutz dürfte vom Tisch sein

Wien - Vor einer Woche ist der 15 Jahre alte Christian Vesligay zum Schulsprecher gewählt worden, am Dienstag marschierte er ins Verteidigungsministerium, um eine Protestnote zu deponieren. Vesligay ist nämlich Schüler des Militäroberstufenrealgymnasiums, das der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt angegliedert ist. Das Gymnasium war 1959 zunächst gegründet worden, um Chargen und Unteroffizieren berufsbegleitend die Matura (und damit eine Offizierslaufbahn) zu ermöglichen, später wurde daraus ein vollwertiges Oberstufeninternat, neuerdings mit einem Schulversuch mit den Schwerpunkten Führung und Persönlichkeitsbildung.

Nun aber steht die gesamte schulische Ausbildung - der Lehrkörper wird vom Unterrichtsministerium bezahlt, die Erzieher und die gesamte Infrastruktur aus dem Verteidigungsbudget, die Verpflegung müssen die Schüler zahlen - auf der Kippe, denn die Schule steht dem Vernehmen nach auf jener Einsparungsliste, die Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) am Freitag seinen Führungsoffizieren und dann der Öffentlichkeit präsentieren will.

Das Bundesheer brauche eine derartige Kaderschmiede nicht, zumal ohnehin nicht alle Maturanten in die (als Fachhochschule geführte) Militärakademie übernommen werden könnten. Genau so eine Karriere strebt aber der Schüler Vesligay an, sagt er im Gespräch mit dem STANDARD.

Protestnote

Im Ministerkabinett hinterließ er eine Protestnote, in der er sich der "ernsten Lage, in der sich das Bundesheer zurzeit befindet" bewusst zeigt, aber gleichzeitig warnt: "Das Gerücht, dass unsere Schule zu einem Auslaufprodukt werden soll, beunruhigt das Kaderpersonal wie auch das Lehrerkollegium und die Schülerschaft gleichermaßen. Eine Liquidation des Militärrealgymnasiums wäre nicht nur ein Schlag gegen das Vertrauen der Schülerinnen und Schüler", argumentiert Vesligay, sie würde auch die Heranbildung von Spitzensportlern behindern.

Tatsächlich sind aus dem Militärgymnasium viele Sportler hervorgegangen, ebenso Spitzenbeamte wie Rechnungshofpräsident Josef Moser und natürlich zahlreiche Spitzenoffiziere. 738 ehemalige Schüler haben eine Berufsoffizierslaufbahn eingeschlagen.

Beispiel Militärmusik

Was aus der Schule werden soll - und ob Vesligay (derzeit in der 6b) dort überhaupt maturieren können wird -, ist offen. Nach dem Ministerrat wollten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) die kolportierten Schließungslisten nicht kommentieren. Der Oberösterreicher Mitterlehner meinte zu den Protesten aus den Bundesländern gegen die Abschaffung der Militärkapellen allerdings: "Die Militärmusik in Oberösterreich ist eine der besten. Aber ich glaube nicht, dass das Thema Bundesheerreform anhand der Militärmusik wirklich diskutierbar ist."

Eine andere Reformidee scheint dagegen vom Tisch zu sein: Im Zuge der Spardiskussion war erwogen worden, das Abwehramt (AbwA), den Inlandsgeheimdienst des Bundesheeres, mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) zusammenzulegen.

Gestandene Offiziere des Bundesheeres haben sich mit dem Argument quergelegt, dass das AbwA quasi der Werksschutz des Bundesheeres ist - das Militär könne seinen Eigenschutz nicht der Polizei überlassen und die Polizei den ihren schon gar nicht dem Militär. Solche Ideen entsprängen eher den Fantasien, alle bewaffneten Einheiten einem "Sicherheitsministerium" zu unterstellen, was für einen demokratischen Staat nicht infrage kommen sollte, heißt es. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 1.10.2014)

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