Schnell ein Hochhaus ausdrucken

3. Oktober 2014, 12:22
1 Posting

3-D-Drucker gelten oft noch als Spielzeug für Bastler - Zwei Wiener wollen das ändern und zuverlässige und wartungsarme Geräte für Klein- und Mittelbetriebe anbieten

Wien - Sechs Stunden soll es dauern, bis das etwa 30 Zentimeter große Hochhausmodell, das dem Empire State Building nachempfunden ist, fertig ist. Nur sechs Stunden. Denn für einen 3-D-Drucker, der zig Meter lange, millimeterdünne Kunststoffdrähte schmilzt, um daraus Schicht für Schicht ein Objekt aufzubauen, ist das verhältnismäßig schnell. Ein paar Optimierungen werden noch notwendig sein, bis das Gerät, das Andrei Neboian und Robert Hein entwickeln, die angestrebte Druckgeschwindigkeit erreicht.

Die beiden Techniker und promovierten Betriebswirte tüfteln gerade am vierten Prototypen ihres 3-D-Druckers, den sie im kommenden Jahr unter dem Markennamen Xioneer Systems auf den Markt bringen wollen. Das Angebot an Entwicklungen in dem Bereich ist bereits unübersichtlich groß. Deshalb haben sich die beiden mit ihrem Konzept eine bisher noch relativ unbeachtete Nische ausgesucht.

"Die vielen günstigen 3-D-Drucker, die es mittlerweile für Privatanwender gibt, sind für Unternehmen nicht geeignet. Das ist eher etwas für technologieaffine Kunden und Bastler. Dieser Markt ist bald gesättigt", sagt Neboian. Auf der anderen Seite des Angebotsspektrums gibt es bereits sehr "professionelle Geräte mit Preisen im fünfstelligen Bereich, die sich aber nur größere Unternehmen leisten können".

Das Konzept von Neboian und Hein, die mit ihrer Gründung Headlight Analytics ursprünglich Unternehmensberatungen angeboten haben, liegt genau dazwischen: "Wir wollen Kunden im professionellen Bereich ansprechen, kleine und mittlere Unternehmen, die sich keines der teuren Geräte leisten können", sagt Neboian. Elektronikunternehmen, die etwa eigene Handy-Hüllen herstellen, Werkzeugbauer, die Kleinserien im Spritzgussverfahren produzieren, und vor allem Architektur- und Planungsbüros, die ihre Modelle in Kunststoff gemeißelt sehen wollen, sind ihre Zielgruppe.

Bei einem angepeilten Preis von 3000 bis 4000 Euro soll ein Xioneer-Drucker die Anforderungen eines professionellen Betriebs bewältigen: geringe Einarbeitungszeit, keine hohen Wartungskosten und vor allem Zuverlässigkeit. "Es darf nicht vorkommen, dass man ein halb fertiges Stück wegwerfen muss, weil es einen Materialstau gibt."

Um ihr Konzept auf den Boden zu bringen, haben die beiden viel Zeit damit verbracht, den Markt zu studieren. Die Entwickler mit Hintergrund in Elektrotechnik an der TU Wien und Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Hamburg haben 3500 Patente durchgeackert, Internetforen systematisch nach häufig auftretenden Problemen bei 3-D-Druckern durchforstet und ein Open-Source-Gerät angeschafft, um die Technik zu studieren.

Open Source als Basis

Heute, zwei Jahre später, haben die beiden unter anderem einen neuen Druckkopf entwickelt. "Wir haben das Gewicht des Druckkopfs stark reduziert und manche Komponenten ausgelagert, damit er sich schneller bewegen lässt", sagt Hein. "Die frei verfügbaren Open-Source-Technologien entsprachen in vielen Fällen nicht unseren Qualitätsstandards. Deshalb haben wir uns immer wieder davon abgewandt und Lösungen entwickelt, die unseren Anforderungen entsprechen."

Eigene Kartuschen, mit deren Hilfe das Gerät erkennt, mit welchem Kunststoff gedruckt wird; ein automatisches Kalibrierungssystem, das mühsames Einrichten per Hand ersetzt; 30 Liter Druckvolumen, größer als die meisten 3-D-Drucker am Markt; eigene Sensoren, die den störungsfreien Ablauf überwachen - die Konstrukteure haben eine ganze Reihe von Innovationen eingebaut. Innovationen, die sie zum Teil auch patentieren lassen wollen.

Einer der Prototypen, ein fast kühlschrankgroßer schwarzer Kasten im Wiener Büro der beiden, kommt noch mit einer kleinen Digitalanzeige aus. Das Endprodukt soll über ein Touch-Display verfügen, über das man den Druckvorgang überwachen kann. Die Software am Gerät ist zum Teil selbst entwickelt, jene zur Steuerung per Computer basiert auf Open-Source-Technik, soll aber bald von einer eigenen Entwicklung ersetzt werden.

Drucken mit Maisstärke

Eine ganze Bandbreite möglicher Druckmaterialien steht zur Verfügung: Von Kunststoffen, die mit Holzpartikeln versetzt sind, über andere, die sich bei UV-Einwirkung verfärben oder bei Dunkelheit leuchten, bis zu jenem, aus denen auch Legosteine gefertigt sind, ist alles dabei. Selbst Bioplastik aus Maisstärke ist eine Option. Da mit zwei Materialien gleichzeitig gedruckt werden kann, sind auch sehr komplexe Strukturen möglich, indem Stützmaterialien ins Spiel gebracht werden können, erklärt Hein.

Die Entwicklung des 3-D-Druckers wurde von Wiens universitärem Gründerservice Inits und vom PreSeed-Programm der Förderagentur AWS unterstützt. Bis zum Markteintritt, der für Mitte des kommenden Jahres geplant ist, sollen Tests mit potenziellen Kunden das System optimieren. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Unter anderem muss das Gerät vor dem Marktstart allen Zertifizierungskriterien entsprechen. "Dafür gilt es, noch einige Anforderungen zu erfüllen", sagt Neboian. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 1.10.2014)

  • Die Prototypen des 3-D-Druckers von Xioneer Systems geben einen Vorgeschmack auf ihr Können. Bis zum geplanten Marktstart im nächsten Jahr sollen sie noch an Druckgeschwindigkeit zulegen.
    foto: alois pumhösel

    Die Prototypen des 3-D-Druckers von Xioneer Systems geben einen Vorgeschmack auf ihr Können. Bis zum geplanten Marktstart im nächsten Jahr sollen sie noch an Druckgeschwindigkeit zulegen.

  • Robert Hein (links) und Andrei Neboian (rechts)  tüfteln derzeit am vierten Prototypen ihres 3-D-Druckers.
    foto: alois pumhösel

    Robert Hein (links) und Andrei Neboian (rechts) tüfteln derzeit am vierten Prototypen ihres 3-D-Druckers.

Share if you care.