Bei der Eroberung neuer Nischen verändern sich ernährungsrelevante Merkmale zuerst

11. Oktober 2014, 11:12
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Untersuchungen eines österreichischen Biologen bei Buntbarschen in afrikanischem See - Anpassung an räumliche Umgebung zweitrangig

Wien - Erobern Tierarten neue Lebensräume, dann fungiert das Futterangebot als weitaus wichtigerer Motor für evolutionäre Veränderungen als etwa die räumliche Umgebung. Ein Team um den Tiroler Biologen Walter Salzburger konnte diesen Mechanismus bei Buntbarschen im afrikanischen Tanganjikasee beobachten. Geschlechtsmerkmale sind dabei offensichtlich das letzte, worauf es ankommt, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B".

Die Wissenschafter hatten mit Modellen untersucht, wie sich bei 51 Buntbarsch-Arten des Sees bestimmte Merkmale, wie die Körper- und Kieferform, die Länge des Darms und die für die Kommunikation mit dem anderen Geschlecht wichtige Färbung auffächern, wenn sie sich an neue ökologische Nischen anpassen. Durch diesen Prozess, die "adaptive Radiation", können rasch unterschiedliche Arten aus einem oder wenigen Vorfahren entstehen.

Ernährungsrelevante Merkmale ändern sich zuerst

Bisher habe man angenommen, dass die Anpassung zuerst an die großen Lebensräume passiert, also Flach- oder Tiefwasser, Fels- oder Sandbereich, was meist zu einer Änderung der Körperform führt, so Salzburger, der am Zoologischen Institut der Universität Basel forscht. Doch die aktuellen Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich die ernährungsrelevanten Merkmale früher ändern, erklärten die Forscher in dem Artikel. Damit passen sich die Fische an ihr Futter an, etwa Algen, die sie von Steinen abweiden, Insekten und Würmer, die sie aufpicken, und kleinere Fische, die sie jagen.

Am wenigsten dringend für die Anpassung an neue Lebensumstände ist für die Buntbarsche offensichtlich eine neue Farbe. Diese unterscheidet die aufgefächerten Arten erst später, berichten die Wissenschafter. Sie konnten auch eine andere These nicht stützen, nämlich dass die adaptive Radiation stufenweise passiert. "Insgesamt fanden wir dafür keine starken Anhaltspunkte", schrieben sie. (APA/red, derStandard.at, 11.10.2014)

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