Michael Niavarani macht aus "Richard III." eine Komödie

1. Oktober 2014, 09:00
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Zwei Hornochsen im Dienste des blutrünstigen Herzogs

Wien - Zusammen mit dem Verleger Georg Hoanzl hat Michael Niavarani in die ehemalige Rinderhalle St. Marx eine mächtige Bühne aus Holz bauen lassen. Sie erinnert, stilisiert und rudimentär, an das Globe, jenes Theater in London, an dem Shakespeare seine größten Erfolge feierte. Denn ab 7. Oktober bringt Niavarani ebendort seine Fassung von Richard III. zur Aufführung - mit einem großen Team aus Schauspielern, Musikern und auch Stuntmen.

Der Kabarettist realisiert das Spektakel ohne Subventionen. Denn: "Ich fände es nicht richtig, Geld vom Steuerzahler zu nehmen, wenn ich es schaffe, eine Produktion über den Kartenverkauf zu finanzieren. Wenn ich eine Barockoper machen würde, wäre das vielleicht etwas anderes. Wir kalkulieren nicht fahrlässig, sondern streng." Die Produktionskosten bewegen sich inklusive aller Honorare für die erste Aufführungsserie (bis Weihnachten) bei 1,3 Millionen Euro. Hoanzl und Niavarani können ruhig schlafen: Nur aufgrund der Plakate und Vorankündigungen konnten bereits 25.000 Karten verkauft werden.

Wieso aber Richard III. - wenngleich in der Fassung von Niavarani als turbulente Komödie? "Jahrzehntelang habe ich Shakespeare verweigert, auch wenn ich mich wahnsinnig dafür geniert habe, denn ich kannte nur die Übersetzung von Schlegel-Tieck. Und die ist Mist. Die Sätze sind kompliziert formuliert, man kennt sich nicht aus. Ich dachte immer, dass das an Shakespeare liegt."

Aber vor eineinhalb Jahren sah Niavarani im National Theatre in London Edward II. des Shakespeare-Zeitgenossen Christopher Marlowe. Er habe zwar fast nichts verstanden, weil die Sprache selbst für die Engländer schwer zu verstehen sei: "Der Abend war für mich trotzdem spannend. Ich zweifelte danach an meiner Einstellung zu Shakespeare und kaufte mir No Fear Shakespeare. Links der Originaltext, rechts die Übertragung ins present day English."

In der U-Bahn habe er, erzählt Niavarani, schon zwei Drittel von Macbeth gelesen: "Es ist ein unfassbar spannendes Stück. Und so begann ich, mich mit Shakespeare zu beschäftigen, ich las eine Biografie und besorgte mir die großartigen Übersetzungen von Frank Günther. Er kennt sich im Elisabethanischen Zeitalter derart gut aus, dass er für die Anspielungen von Shakespeare Analogien findet, die wir verstehen können."

Klassische Doppelconference

Niavarani las auch Richard III.: "Ich verliebte mich in die zwei Figuren, die Richard in den Tower schickt, um seinen Bruder George, den Herzog von Clarence, umzubringen. Die beiden sind eigentlich Komiker: Sie treten mit einer Farkasch-Waldbrunn'schen Doppelconference auf. Sie haben ein schlechtes Gewissen und beginnen zu philosophieren. Da dachte ich mir, man müsste die Geschichte von Richard III. über diese beiden Figuren erzählen. In meiner Version kämpfen sie sich durch diesen Sumpf schrecklicher Intrigen, weil Richard König werden will, aber sie sind die Einzigen, die niemanden umbringen."

Am Montagnachmittag wurde die Presse eingeladen, einer Probe beizuwohnen: In der Regie von Vicki Schubert sind Bernhard Murg als Koch Frederick Dighton und Niavarani als Schuster William Forrest zwei echte "Hornochsen": dämlich, aber auch bauernschlau.

Sollte Richard III. - die offizielle Premiere findet erst irgendwann nach einer Einspielzeit statt - erfolgreich sein, möchte Niavarani im Globe Wien weitere Shakespeare-Stücke aufführen: "Timon von Athen würde ich gerne machen. Da geht es um Freunde, die sich von einem reichen Mann aushalten lassen. Und als dann dieser Mann Geldsorgen hat, borgen sie ihm nichts. Das ist eigentlich ein Stück über den Kapitalismus. Es passt total in die heutige Zeit." (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 1.10.2014)

Ab 7. 10. in der Marx-Halle in Wien-Erdberg

  • Zwei Trotteln, die für Richard (Michael Pink) das miese Geschäft erledigen sollen: Bernhard Murg (li.) und Michael Niavarani.
    foto: apa/pfarrhofer

    Zwei Trotteln, die für Richard (Michael Pink) das miese Geschäft erledigen sollen: Bernhard Murg (li.) und Michael Niavarani.

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